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Überherrn

 

Überherrn ist eine Gemeinde mit rund 12.000 Einwohnern im Landkreis Saarlouis, am Rande des Warndt-Waldes, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich, die Hauptstraße von Überherrn führt direkt ins lothringische Creutzwald. Die Ortsteile liegen teils in der Ebene, im Tal der Bist, eines linken Nebenflusses der Saar, oder im geweiteten Saarbecken, ohne jedoch bis ans Ufer der Saar zu reichen; teils liegen sie malerisch auf Anhöhen des Saargaus. Die heutige Gemeinde entstand im Zuge der saarländischen Gebietsreform 1974 durch die Zusammenführung von Altforweiler (Neuforweiler wurde der Stadt Saarlouis zugeschlagen), Berus, Bisten, Felsberg, Überherrn; die so genannte Wohnstadt wurde 1979 als Ortsteil aus Überherrn ausgegliedert.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Überherrn 1293. Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde hat es wohl schon in der Steinzeit gegeben. Seit dem Mittelalter ist hier Grenzland, Überherrn und Linslerhof gehörten zur Grafschaft Saarbrücken, Altforweiler, Bisten, Berus und Felsberg zum Herzogtum Lothringen. Das brachte einen mehrfachen Wechsel der Obrigkeit zwischen Grafschaft und Herzogtum, Frankreich und Preußen, Deutschland und Frankreich mit sich – mit teils zerstörerischen Folgen. Überbleibsel mittelalterlicher und spätmittelalterlicher Bauwerke finden sich in Berus und in Felsberg.

Überherrn erlebte ein kurzes Zwischenspiel als Baronie. 1767 vom französischen König Ludwig XV. in diesen Rang erhoben, ist es in Folge der Französischen Revolution 1789 damit schon wieder vorbei. Nur der Name der Baroniestraße erinnert an dieses historische Intermezzo.

Überherrn ist heutzutage kulturell weniger profiliert, enthält aber historische Sehenswürdigkeiten wie das alte Berus und die Teufelsburg im Ortsteil Felsberg oder die sagenumwobene St.-Oranna-Kapelle, sowie neuzeitliche wie das Europa-Denkmal und die Sendeanlage von Europe 1 in Berus und in Felsberg.

Der größte Ortsteil ist Überherrn, das auch das wirtschaftliche und Verwaltungszentrum der Gemeinde darstellt. Am jüngsten ist die Wohnstadt, ein steckengebliebenes Siedlungsprojekt der Landesregierung aus den 1960er Jahren; statt der seinerzeit geplanten 20.000 zählt die Wohnstadt heute rund 2.000 Einwohner. (RP)