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Lebach

 

Waldfoto

Falscheid: geografischer Mittelpunkt des Saarlandes

Lebach ist nach Saarlouis und Dillingen mit rund 19.000 Einwohnern die kleinste der drei Städte im Landkreis Saarlouis. Das heutige Lebach entstand im Rahmen der saarländischen Gebietsreform 1974 aus bis dahin elf selbständigen Gemeinden. 1977 erhielt Lebach die Stadtrechte. Wegen seiner geographischen Lage (offizieller Mittelpunkt des Saarlandes im Ortsteil Falscheid) und dem teilweise noch dörflichen Charakter der Ortsteile nennt Lebach sich „Der grüne Mittelpunkt“.

„Der Name Lebach gibt Rätsel auf“, schreibt Johannes Dillinger in seiner Stadtgeschichte. Vielleicht hat der Name gar nichts mit einem Bach zu tun, sondern die zweite Silbe geht auf die galloromanische Wurzel -iacum zurück. Oder aber – und dieser Deutung neigt Dillinger zu – man hat es doch mit einer Gewässerbezeichnung zu tun. Wie auch immer, durch Lebach fließt die Theel, ein Bach, der in Theley entspringt und zwischen Knorscheid (Lebach) und Körprich (Nalbach) in die Prims mündet. Urkundlich erwähnt wurde Lebach zum ersten Mal im Jahre 950 in den Mettlacher Predigtlisten.

Zu Lebach fallen Außenstehenden zwei Stichworte ein: zeitgeschichtlich Interessierten der „Lebacher Soldatenmord“, geologisch Interessierten die „Lebacher Eier“.

Lebacher Eier

Die Lebacher Eier (wissenschaftlich: Toneisensteingeoden) sind weltberühmt. Es sind in der Permzeit, also vor rund 250 Millionen Jahren, im Schlamm eines urzeitlichen Sees (Rümmelbach-Humberg-See) entstandene Ablagerungen, deren ovale Form eigentlich eher an einen Diskus als an ein Ei erinnert. Wegen ihres hohen Erzgehaltes wurden die Lebacher Eier bis ins 19. Jahrhundert in der Gegend von Lebach abgebaut und zur Eisenherstellung verwendet.

Gelegentlich enthalten sie gut erhaltene Fossilien. Lebacher Eier mit tierischen und pflanzlichen Einschlüssen befinden sich heute in den geologischen Sammlungen vieler großen Museen in der Welt. Ein Kulturwanderweg, der durch Rümmelbach (Niedersaubach) verlaufende Haifischpfad, führt zu diesen Quellen der saarländischen Eisenindustrie.

Im 14. Jahrhundert kommt es zur Bildung der Herrschaft Lebach. Vier Herren teilen sich, auf Grund der guten Verkehrslage, die Regierungsgewalt über das Gebiet („Vierherrschaft“): der Erzbischof von Trier (Kur-Trier), das Herzogtum Lothringen, die Äbtissin von Fraulautern und die Freiherrn von Hagen zur Motten. Anna Maria Charlotte von Hagen war Hofdame der französischen Königin Marie-Antoinette, die sie in den Wirren der Französischen Revolution beauftragt haben soll, den Kronschatz an den Wiener Hof zu bringen. Doch die Hofdame kam nur bis zum Schloss La Motte, wo sich die Spur des Kronschatzes verliert. Auf der Suche nach diesem Schatz ließ der spätere Besitzer Abraham Meyer die Schlossgebäude zwischen 1862 und 1880 bis auf den noch heute vorhandenen Rest abreißen – ohne etwas zu finden.

Garnison

Lebach ist Garnisonstadt. Schon 1921 hatte der Gemeinderat von Lebach beim Kriegsministerium die Errichtung einer Garnison beantragt und ins Feld geführt, „daß hier sich größere industrielle Werke nicht befinden und in hiesiger Gegend hauptsächlich Landwirtschaft betrieben wird“, so dass sich das Gelände zu Manöverzwecken besonders eigne. Erst 25 Jahre später, nach der Eingliederung des Saargebiets ins Dritte Reich, bekam Lebach seine Garnison genehmigt. Es entstand ein riesiger Kasernenkomplex mit Unterkünften und Verwaltungsbauten, Wohnhäusern, Nebengebäuden, Freiflächen, Einfriedungen und geländeinternen Zuwegungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lebach zur französischen Garnison (1952-58), dann zog ein Fallschirmjäger-Bataillon der Bundeswehr ein. 1962 wurde bei Steinbach der Truppenübungsplatz Höll eröffnet. Heute gehören zu dem unter Denkmalschutz stehenden Komplex die Graf-Haeseler-Kaserne, in der die Fernmeldekompanie des Eurokorps sowie die Luftlandeaufklärungskompanie 260, ein Truppenteil der Luftlandebrigade 1, der so genannten „Saarlandbrigade“ untergebracht ist, s0wie die Zentrale Ausländerbehörde des Saarlandes mit der Landesaufnahmestelle für Asylbewerber, abgelehnte Asylbewerber und unerlaubt eingereiste Ausländer, und ein Schulzentrum. Hier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst das Staatliche Katholischen Lehrerseminar einquartiert, in dem von 1948 bis 1964 die katholischen Junglehrer ausgebildet wurden.

1964 dienten die Kaserne als Kulisse und dort stationierte Soldaten als Statisten, als das Fernsehen Lale Andersen mit ihrem Lied „Lili Marleen“ („Vor der Kaserne bei dem großen Tor…“) drehte.

Im Januar 1969 ereignete sich, was als „Soldatenmord von Lebach“ bundesweit Schlagzeilen machte und in die Geschichte einging: Bei einem Überfall auf die Wache des Munitionsdepots kamen vier Soldaten ums Leben, einer wurde schwer verletzt. Der Prozess ergab, dass es sich bei den drei jungen Männern nicht um politische Täter handelte, sondern dass sie die entwendeten Waffen für finanzieller Erpressungen nutzen wollten.

Kultur

Stadtteile von Lebach sind: Aschbach, Dörsdorf, Eidenborn, Falscheid, Gresaubach, Knorscheid, Landsweiler, Lebach, Niedersaubach, Steinbach, Thalexweiler.

Lebach ist im Saarland bekannt durch seinen Mariä-Geburtsmarkt. Er wurde im 15. Jh. erstmals durchgeführt und findet noch heute jeweils im September statt.

Im Ortsteil Thalexweiler steht die Kirche St. Albanus, ein schlichter Barockbau mit Turm aus dem 15. Jahrhundert.

Aus Lebach stammt die bedeutende naive Malerin Emma Stern (1878-1969).  Erst mit 70 Jahren hat sie mit der Malerei begonnen. Die jüdische Inhaberin eines Textilgeschäfts in der Pickardstraße war nach der Saarabstimmung 1935 nach Frankreich emigriert. 1974 wurde eine Straße im Neubaugebiet Am Weiherberg nach ihr benannt (Emma-Stern-Weg).

Unter literaturtopographischen Gesichtspunkten ist Lebach eher unergiebig. Der hier reichlich anfallende zeitgeschichtliche oder soziologische Stoff reizte die Autoren nicht zur literarischen Darstellung. Den aus Lebach (oder sonst woher) stammenden belletristischen Autor, der die Stadt zum Schauplatz seiner Literatur macht, gibt es nicht.

In Lebach geboren sind die Kinderbuchautorin Juma Kliebenstein (geboren 1972) und die Verfasserin historischer Romane Deana Zinßmeister (geboren 1962), die von sich sagt: „Ich wurde im Dillinger Krankenhaus geboren, Mädchenname Rauscher. Ich wuchs aber in Lebach auf und verstehe mich als Lebacherin, die es familiär nach Heusweiler zog. Die Eltern leben in Lebach.“

Seit den 1970er Jahren war Lebach vorübergehend Sitz zweier Verlage, die innerhalb der saarländischen Literaturszene Bedeutung hatten. Der Lebacher Buchhändler Manfred Queisser hatte 1977 mit einem Reprint von Albert Ruppersbergs 1904 erschienener Geschichte des Saarbrücker Ludwigsgymnasiums begonnen und dann eine Reihe von belletristischen und von Sachbüchern in Erstausgaben verlegt. Er machte mit Büchern im Quadratformat den saarländischen Autor Gerhard Bungert zur Marke, in seinem Verlag erschien die „Saarländische Reihe“ des Schriftstellerverbands (VS Saar) mit Büchern u.a. von Alf Betz, Ellen Diesel, Peter Loibl und Gerhard Tänzer, außerhalb dieser Reihe verlegte Queisser den Saar-Roman von Werner Reinert, die von Ludwig Harig gesammelten Schüleraufsätze und das erste Buch von Erhard Schmied, aber auch einen Nachdruck der Autobiographie des aus Saarbrücken stammenden Filmregisseurs Max Ophüls, eine Biografie des saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder oder einen Band mit Fotografien von Monika von Boch. Nach zehn Jahren intensiver Verlagstätigkeit aber kam Manfred Queisser zu dem Schluss, dass man im Saarland vom Bücherverlegen nicht leben kann, und konzentrierte sich wieder auf seine Buchhandlung, bis er sie Ende 2014 aus Altergründen schloss.

Bis Anfang der 90er Jahre währte die Verlagstätigkeit von Joachim Hempel, der ungefähr gleichzeitig mit Queisser begann. Im Lebacher Hempel Verlag erschien die von der Homburger Brauerei gesponserte „Edition Karlsberg“ u.a. mit Märchen von Johannes Kühn, Prosa von Klaus Bernarding und einem Nachschlagewerk über regionale Necknamen von Edith Braun. (RP)