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Öffentliche Bibliotheken

Von Reinhard Klimmt

Bibliotheken sind die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland. Sie sind zukunftsgerichtete Orte des freien Zugangs zu Informationen und Wissen.

Die Interessen der öffentlichen Bibliotheken im Saarland vertritt der Landesverband Saarland im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) mit 26 angeschlossenen Bibliotheken. Eine wichtige Ergänzung der kommunalen und wissenschaftlichen Bibliotheken sowie der Bibliotheken öffentlicher Einrichtungen bilden die konfessionellen öffentlichen Bibliotheken, die mit 82 Einrichtungen in der Fläche vertreten sind, allerdings nur sehr begrenzte Öffnungszeiten haben. Bücherbusse versorgen 18 Grundschulen regelmäßig mit Lesestoff (Auswahl unter 6.741 Medien).

Die Größen der öffentlichen Bibliotheken sind sehr unterschiedlich. Die Bandbreite der Bestandszahlen reicht von 13.000 Büchern in einer Stadt wie Lebach bis zu 86.600 Büchern (zuzüglich 20.150 AV-Medien) in der Landeshauptstadt. Da die Bibliotheken zu den freiwilligen Ausgaben der Kommunen gehören, reicht das Engagement von Zero bis zu großen Anstrengungen wie in Saarbrücken und St. Wendel. Umfragen bei den angeschlossenen Bibliotheken ergeben ständige Mittelknappheit und immer wieder Maßnahmen zur Personaleinsparung. Dementsprechend stagniert der Medienerwerb.

Neben der Personalnot ist die Bestandsaktualität ein großes Thema. Der geringere Bestandszuwachs hat aber auch andere, plausible Gründe: die Aussonderung veralteter Literatur in ungefähr dem Maße, wie neu erworben wird. Ein durch Aussonderung aktualisierter Bestand kann sich auch positiv auf die Ausleihzahlen auswirken, wie die Stadtbibliothek Dillingen festgestellt hat. Bei leicht gesunkenem Medienbestand konnten mehr Entleihungen verzeichnet werden, weil der Bestand transparenter und dadurch attraktiver wurde. Außerdem wurde Platz für die Medienpräsentation gewonnen.

Die stürmische Entwicklung der digitalen Techniken verändert auch die klassischen Bibliotheken. So stehen die Bibliothekskataloge als OPAC (oft jedoch noch nicht im Internet) elektronisch zur Verfügung. Die meisten Bibliotheken stellen je nach Größe mindestens einen Internetarbeitsplatz bereit, dessen Nutzung zeitbeschränkt geregelt wird. Je nach Möglichkeiten ist die Nutzung gebührenfrei oder mit einer geringen Gebühr belegt. Viele Bibliotheken (u.a. St. Wendel, Dillingen) planen OPAC-Anwendungen für das Internet und Smartphones. Internetdienste – wie in Sulzbach – steigern durchaus die Nutzerzufriedenheit, da von zu Hause recherchiert bzw. die Ausleihzeit verlängert werden kann.

Die „Onleihe-Saar“ hat zurzeit 8 Teilnehmerbibliotheken, die ihren Nutzern die Auswahl unter 15.120 E-Books ermöglicht und so eine 24-Stunden Bibliothek darstellt. Es sind die Stadtbibliotheken Homburg, Merzig, Saarbrücken St. Ingbert, St. Wendel, Sulzbach, Völklingen und Wadern.

Die Auswirkungen auf die Nutzerzahlen sind unterschiedlich. In St. Wendel beobachtet man Zu- und Abgänge in Bezug auf die Anzahl der Bibliotheksbesucher, die sich in etwa ausgleichen. Merzig verzeichnet dagegen eine „Wiederbelebung“ von ehemals aktiven Benutzern und daher steigende Zahlen seit Einführung von Onleihe und Web-OPAC. Man beobachtet auch Anmeldungen speziell zur Nutzung der Onleihe.

In Völklingen wurde ein Rückgang des Publikumsverkehrs und der Ausleihzahlen bei gleichbleibendem Engagement der Mitarbeiter beobachtet. Gründe liegen in der verstärkten Nutzung von e-books (auch dann, wenn sie über die Bibliotheken bereitgestellt werden) und in der Reduzierung der Freizeit von Kindern durch schulische Nachmittagsbetreuung.

Bei der Leseförderung wächst die Nachfrage von Schulen und Kindergärten immer mehr. Die Stadtbibliothek Dillingen kooperiert mit allen Kinder- und Jugendbildungseinrichtungen der Stadt und in den angrenzenden Gemeinden. Das „Netzwerk Lesekompetenz“ in Homburg, das aktiv Lesepaten ausbildet und in den gesamten Saarpfalzkreis entsendet, wurde für den Lesepreis 2016 nominiert.

In Merzig sind Kindertheater, Bilderbuchkino, Vorlese- und Bastelnachmittage wichtige Elemente der Leseförderung. Ebenso in St. Ingbert, wo außerdem mit dem St. Ingberter Literaturforum 9 Lesungen stattfanden. In Sulzbach profitiert die Stadtbibliothek von Kooperationen u. a. mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis. In Neunkirchen arbeitet die Stadtbücherei sehr eng mit den Schulbibliotheken zusammen und unterstützt diese bei Bedarf mit Bestandsergänzungen.

In der letzten Zeit haben sich die Bibliotheken auch an der Hilfe für Flüchtlinge beteiligt:  in Merzig kommen Flüchtlinge vormittags zu Deutschkursen in den Vortragsraum und erhalten bei Bedarf Unterstützung bei Behördengängen. In den meisten Bibliotheken finden Aktivitäten für Migranten im Rahmen von VHS-Deutschkursen als Führungen etc. statt. In St. Wendel werden freie PC-Arbeitsplätze und freies WLAN angeboten, außerdem werden Deutschkurse und eine Linksammlung zu Deutschkursen und anderen Integrationsangeboten auf der Homepage und als Flyer angeboten. In Homburg kooperiert das Projekt „Lesen macht stark“ des dbv mit dem des Flüchtlingsprojekt „Willkommen in unserer Stadt“.

In den öffentlichen Bibliotheken sind die Ausleihen von Medien schon lange nicht mehr alles; „Kultur- und Lernort“ beschreibt die neue Wirklichkeit. Viele Besucher sind zwar keine eingetragenen Nutzer, aber dankbare Teilhaber an den Angeboten. Die Bibliotheken sehen sich daher als Bestandteil eines kommunalen Bildungs- und Kulturangebotes, das in den Zeiten des exponentiellen Wissenswachstums unter der Überschrift lebenslangen Lernens weiter an Bedeutung gewinnt, längst eine Pflichtaufgabe sein sollte und durch gesetzliche Rahmensetzung gefördert werden müsste.