Relinde Niederländer

geb. 12. Dez. 1944 in Limbach, wo sie heute – wieder – lebt

„Ihre Texte kreisen auf die eine oder andere Weise um die Kernfrage menschlicher Existenz. Sie reduzieren eher, sprechen alltäglich Erlebtes oder Gesehenes in knappen, Konkretes bezeichnenden Worten aus, fragen nach dem Sinn des Geschehens. Und zwar so, dass davor jede theoretisch konzeptionelle Selbsttäuschung verblasst. Die Mundart beweist hier einmal mehr, dass sie vieles direkter, ursprünglicher sagen kann als die Hochsprache“: So kommentierte die „Rheinpfalz“ die Literatur von Relinde Niederländer.

Seit 1990 schreibt sie, vornehmlich in ihrer rheinfränkischen Mundartvariante, Gedichte und Kurzprosa. Vor ihrem Eintritt in den Ruhestand arbeitete sie als Sekretärin bei den Universitätskliniken in Homburg, wo sie auch lange im Stadtteil Beeden wohnte. Erst kürzlich ist sie in ihren unweit gelegenen Geburtsort Limbach zurückgekehrt. Die Mitbegründerin der „bosener gruppe“, einer Vereinigung von Mundart-Autoren und Liedermachern der rhein- und moselfränkischen Region, wurde für ihre Arbeiten schon mehrfach ausgezeichnet – so etwa mit dem „Goldenen Schnawwel“ des Saarländischen Rundfunks. Zudem gelang es ihr beim „Dichterwettstreit“ im pfälzischen Bockenheim 1998, den Sieg dieser hochkarätigen Konkurrenz erstmals „ins Saarland zu holen“. Auch beim Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe und beim Sickinger Mundartdichter-Wettstreit wurde Relinde Niederländer preisgekrönt.

Ihre Themen sind vielschichtig; sie findet sie nicht zuletzt in ihren Erinnerungen aus der Kindheit und an ihren Heimatort. ZITAT

Obwohl bisweilen melancholische Momente mitschwingen, sind ihr auch komische Komponenten und auch eine gehörige Portion Galgenhumor nicht fremd, wie der „e bissje beesaadische Limerick“ mit dem Titel „Aa e Wääg“ zeigt:

„E Kriwwelbisser aus Boose,
hat arischi Läwwerzirroose.
Viel Geld hat er aa.
Oh leck, dengt e Fraa,
das wär jo känn schleschdi Prognoose!“

Dieser Fünfzeiler von Relinder Niederländer ist von der „bosener gruppe“ zum „Text des Monats“ im Juli 2017 gekürt worden. Begründung: „Der Text wurde ausgewählt, weil hier das Vorurteil, Mundart sei keine vollwertige Sprache und stets versehen mit einem anheimelnd gemütlich-herzlichen Image widerlegt wird: Klare Worte bürsten es kalt lächelnd gegen den Strich.“ Oder wie es Karin Klee, Sprecherin der Autorenvereinigung, auf den Punkt bringt: „Hier versteht jemand ganz einfach sein Gedanken, Sprach- und Handwerk in Kunst umzuwandeln“. (MB)