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Johannes Hoffmann

geb. 23. Dez. 1890 in Landsweiler-Reden (Schiffweiler), gest. 21. Sept. 1967 in Völklingen

Schwarz-weiß Portrait des Brillenträgers

Foto: Privat

Johannes Hoffmann („Joho“) ist als Ministerpräsident des Saarlandes von 1947 bis 1955 eine bis heute heftig umstrittene Person der Zeitgeschichte.

Der Sohn eines Bergmanns war Internatsschüler am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Trier, begann 1912 ein Studium (Hauptfach Philosophie) in Freiburg, anschließend Innsbruck, das er wegen seiner freiwilligen Teilnahme am 1. Weltkrieg unterbrach (und auch nicht fortsetzte). Von 1919 an war Hoffmann vornehmlich in Berlin journalistisch tätig, als Nachrichtenredakteur und Korrespondent für verschiedene katholische Tageszeitungen. 1929 avancierte er zum Chefredakteur der „Saarländischen Landeszeitung“, der größten katholischen Zeitung im Saargebiet.

Als ausgewiesener Gegner des Nationalsozialismus ging er unmittelbar nach der Volksabstimmung im Januar 1935 mit seiner Familie ins Exil. Seine abenteuerliche Flucht ab Mai 1940 durch Frankreich endete schließlich ein Jahr später in Brasilien, wo er sich bis 1945 als Exilant aufhalten konnte. Seine Erinnerungen an Flucht und Emigration hielt er in Tagebuchblättern fest, die erstmals 1948 im Saar-Verlag unter dem Titel „Am Rande des Hitlerkrieges“ erschienen. Diese wurden in der Reihe „Malstatter Beiträge“ in erweiterter Form (mit ausführlicher Zeittafel) 2005 im Blieskasteler Gollenstein-Verlag wiederveröffentlicht.

Nach seiner Rückkehr an die Saar war Hoffmann 1946 Mitbegründer der Christlichen Volkspartei (CVP). Sein Wirken als Ministerpräsident von 1947 bis zur zweiten Volksabstimmung 1955 ist bis heute umstritten, wird gerade im Saarland sehr unterschiedlich interpretiert. Sein Bemühen, mit dem „Erzfeind“ Frankreich ein ausgewogenes und entspanntes Verhältnis zu etablieren, wurde ihm als Anbiederung und auch als eine Form der Kollaboration vorgeworfen. Problematisch war seine bisweilen autoritäre bis repressive Innenpolitik. Die Volksbefragung am 23. Oktober 1955, bei der die Saarländer über das zweite Saarstatut, das eine Europäisierung des Saarlandes zum Inhalt hatte, abstimmten, erwies sich für Hoffmann und seine Partei, die CVP, als Fiasko (67,7 % stimmten dagegen), was ihn nötigte, von seinem Amt zurückzutreten und sich aus der Politik zurückzuziehen.

In seinem 1963 erschienenen Buch „Das Ziel war Europa. Der Weg der Saar 1945-1955“ (zuerst 1963, 2013 im Conte Verlag wiederveröffentlicht) legte er Rechenschaft ab über die Ziele seiner Politik, formulierte seine letztlich gescheiterten Visionen eines europäisch ausgerichteten Saarlandes und bilanzierte seine Regierungszeit. Hoffmann – in seiner Heimat kurz Joho genannt – starb 1967 an den Folgen eines zweiten Schlaganfalls in einem Völklinger Krankenhaus.

Karikatur zeigt ihn mit verschränkten Händen

Karikatur von Roland Stigulinszky

Nach den Schmähungen, die auch nach seinem Tod nicht verstummten, und der weitgehend vernichtenden Beurteilung seiner Politik als Regierungschef bemühte sich Brigitte Steinle, eine Enkelin Hoffmanns, 1990 erstmals um eine differenziertere Betrachtung seines Wirkens (B. Steinle: Johannes Hoffmann – ein Leben. Saarbrücken 1990). Weitere Bücher folgten inzwischen, die sich Leben und Werk Hoffmanns widmen:
Johannes Hoffmann. Eine erste Bilanz / Hrsg. Markus Gestier. Blieskastel 2004
Heinrich Küppers: Johannes Hoffmann (1890-1967). Biographie eines Deutschen. Düsseldorf 2008

Den Abstimmungskampf 1955 mit JoHo als Hauptprotagonisten hat Werner Reinert in dem Saar-Roman „Der Dicke muss weg!“ (Dillingen 1980) literarisch verarbeitet.
Auch dokumentarische Biopics wagen den Versuch, dem Politiker und Menschen Johannes Hoffmann gerecht zu werden: Alfred Gulden mit „JoHo. Ein Portrait“ (1985) und Boris Penth: „Europas Neubeginn. Johannes Hoffmann und das Saarland“ (2013).

Dass sich die Einschätzung und Bewertung des umstrittenen Politikers über die Jahrzehnte veränderten, belegen unterschiedliche Ehrungen und Erinnerungsobjekte, die ihm mittlerweile zuteilwurden. So wurde in den 1990er Jahren in Saarlouis ein Stadtviertel nach ihm benannt. Auch die Landeshauptstadt wagte es im Jahr 2002, dem neu gestalteten Platz vor der Congresshalle den Namen „Johannes-Hoffmann-Platz“ zu geben. Dies führte in der „Saarbrücker Zeitung“ zu einer heftigen Leserbrief-Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der Platzbenennung. (RS)