Jörg Hugo Staab

geb. 1887 unbekannt, gest. 1869 in München

Jörg Hugo Staab war ein vielfältig ambitionierter Künstler, der Niederbexbach ein literarisches Denkmal setzte.

Der Vater von Jörg Hugo Staab war zwischen 1894 und 1917 Lehrer an der katholischen Volksschule in Niederbexbach. Bis 1898 lebte die Familie in einem kleinen Haus in der Durchgangsstraße in der Nähe des Schulgebäudes. Dort war Staab Augenzeuge jener Episode, die er später zu Papier bringen und die ihm einen recht großen Bekanntheitsgrad verschaffen sollte. Seine Erzählung „Der lange Philipp“, die auf das schwere Unglück auf der Grube Frankenholz im Jahr 1897 Bezug nimmt, fand Aufnahme 1935 in das „Deutsche Lesebuch für Volksschulen, 5. u. 6. Schuljahr“. Zuvor war seine Schilderung dieses tatsächlichen Vorfalls im „Jäger aus Kurpfalz“, dem „Pfälzischen Heimatkalender“, in seiner Ausgabe für das Jahr 1933 veröffentlicht worden. (Zitat in Ortsartikel Bexbach-Niederbexbach)

Nicht nur mit diesem Text setzte der Autor dem Dorf seiner Kindheit und Jugend an der Blies ein literarisches Denkmal. Insgesamt verbrachte er dort 23 Jahre und war vor Ort noch viele Jahrzehnte als „Staabe Hucho“ in Erinnerung, was wohl auch an seinen für den Beginn des 20. Jahrhunderts ungewöhnlichen schulterlangen Haaren lag.

In der in München erscheinenden Volkskunde-Zeitschrift „Schöne Heimat“ beschrieb er den in Niederbexbach traditionellen und noch heute praktizierten Brauch des „Pfingstquaks“ bzw. der „Pfingstbraut“ detailliert. Zudem war er bereits in jungen Jahren als Maler ambitioniert; eine Ölstudie, die den Glockenturm von Niederbexbach zeigt, gilt allerdings als verschollen. Lediglich eine Fotografie des 54 auf 34 Zentimeter großen Gemäldes, das später in seiner Wohnung im Münchener Stadtteil Waldperlach hing, ist überliefert.

Nachdem sein Vater 1917 auf eine Lehrerstelle nach Annweiler in der Pfalz versetzt worden war, zog es Jörg Hugo Staab 1919 nach München, wo er sich als „Seiden- und Stoffmaler“ betätigte. Als Kriegsbeschädigter bekam er eine Stelle bei der Reichspost, wurde aber 1935 krankheitsbedingt pensioniert. Derart entbürdet vom ungeliebten Beamtendasein, wurde er künstlerisch aktiver und kreativer – als Bildhauer, Landschaftsmaler, Lithograph, Werbegrafiker und Zeichner. Zudem verfasste er viele Gedichte, sowohl auf Hochdeutsch als auch in rheinfränkischer, pfälzischer Mundart. Besonders voluminös fiel seine Variation des „Ekkhardlieds“ aus. Den berühmten Roman von Viktor von Scheffel arbeitete er zu einem Epos in 226 Vierzeilern mit antikem Versmaß um. Das Werk blieb ebenso wie viele andere Manuskripte von Staab unveröffentlicht. Sein Nachlass hat sich in Privatbesitz erhalten. ZITAT

In enger Verbindung stand der vielseitige Künstler mit der in Metz geborenen Schriftstellerin Polly Maria Höfler (1907-1952). In ihrem ersten Roman „Der Weg in die Heimat“ beschreibt sie mit durchaus völkischem Einschlag die Ausweisung der Deutschen aus Lothringen nach dem Ersten Weltkrieg. Von ihr stammt auch der Beststeller „André und Ursula“, dessen Motiv die deutsch-französische Aussöhnung ist. Ihren Erstling überließ Höfler samt persönlicher Widmung Jörg Hugo Staab, der sich in der Folge vergeblich abmühte, sie dazu zu bewegen, zu ihm nach München zu kommen. 1952 starb die Autorin in Frankfurt am Main an Unterernährung. (MB)