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Friedrich (Fridericus) Schaal

lebte im 17. Jahrhundert – genaue Lebensdaten sind nicht bekannt

Friedrich Schaal, Mönch im Orden der Wilhelmiten, ist der Autor des „Gräfinthaler Mirakelbuchs“, das bibliographisch unter dem erst im 20. Jahrhundert eingeführten Titel „Bruchstückweise Nachrichten über das Gotteshaus Gräfinthal, die Erbauung desselben, die Wunderwerke, so von Anfang an zu Ehren der Mutter Maria erzeigt worden“ geführt wird. Der originale Titel ist nicht überliefert. Das Buch, das sich lediglich in einem, zudem sehr beschädigten, rudimentären Exemplar in der Landesbiblithek Speyer erhalten hat, ist wohl 1671 gedruckt worden. Diese Jahreszahl findet sich zumindest am Ende der einleitenden „Zuschrifft“, in welcher der Verfasser das Kompendium ausdrücklich Damian Hartard von der Leyen (1624-1678), widmet. Dieser fungierte (seit 1652) als Erzbischof von Trier.

Die Bezeichnung „Gräfinthaler Mirakelbuch“ wurde erst viel später für die Publikation geprägt, um den deren wesentlichen Inhalt griffig zu umschreiben. Über die Anzahl der seiner Zeit aufgelegten Stücke sowie deren Verbreitung ist nichts bekannt.

Als „Unterthänigst-geneigter und ergebener Deiner“ gibt sich am Ende der Vorrede F[rater] Fridericus Schaal Orden. S . Wilh.“ als Verfasser zu erkennen, der den Text nach eigenen Angaben am „12. Aprilis 1671“ fertiggestellt hat. Der Einleitung folgt das Kapitel mit der Überschrift „An den Christlichen Leser“. Darin werden die Zielsetzung des Buches sowie die Methodik der Quellenverarbeitung – mündliche Tradierung und eine nicht mehr greifbare, ältere Wunderchronik – skizziert. Dem Katalog der Gräfinthaler Mirakel wird ergänzend die Gründungslegende des Klosters vorangestellt. Nach grundsätzlichen Überlegungen zum Phänomen religiös motivierter Wunder generell sowie zu seiner eigenen Rolle als Chronist folgt die Kollektion der Wunder, die sich auf insgesamt 86 addieren. ZITAT

Der Autor selbst kommt nur kurz auf die Intentionen zu sprechen, die er mit der Chronik verbindet: Schaal begründet die Notwendigkeit des Buches mit seinem „grosse[n] Eyffer für dieses Land[es] Heyl“, das doch „durch vielfältige schädliche Empörungen/ und leidige Kriegswesen“ die Verehrung Gottes und Mariens vernachlässigt habe“. Erzbischof von der Leyen, der stets seine „Hertz-brennende Andacht“ gegenüber der Mutter Gottes behalten habe, wird von dieser Kritik explizit ausgenommen.

Dahinter verbirgt sich natürlich nichts anderes als die Absicht, das Kloster Gräfinthal nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und dem damit einhergehenden Verfall der Gebäude wie der religiösen Gebräuche wieder zu einem Zentrum der Religiosität zu machen und seine Funktion als vielbesuchter Wallfahrtsort zu reaktivieren. Insofern ist dem „Mirakelbuch“ nicht zuletzt auch die Funktion einer Art „Werbeschrift“ beizumessen; tatsächlich waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch erste Erfolge in dieser Hinsicht spürbar.

Schaals Mirakelbuch schildert plastisch die Resonanz der Wallfahrten bei der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften. ZITAT

Auch die Lokalisierung der Mirakel spricht eindeutig dafür, dass über das Medium „Wundertätige Muttergottes mit den Pfeilen“ die Wallfahrten zum Kloster im vor allem Bereich einer Tagesreise angekurbelt werden sollten. Solche Pilgerfahrten waren für das Kloster einträglich, die Einnahmen dienten nicht zuletzt dem weiteren Wiederaufbau und künftiger Expansion. Daneben stellt Schaals Mirakelbuch aber vor allem auch ein Dokument aus der Zeit nach dem destruierenden Dreißigjährigen Krieg dar, das „sozialgeschichtliche Einblicke in die barocke Volksfrömmigkeit und Informationen über geografische, soziale, demografische und medizinische Verhältnisse seiner Zeit bietet“ (so Reiner Marx im Saarpfälzischen Autorenlexikon 2008). (MB)