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Erich Honecker

geb. 25. Aug. 1912 in Neunkirchen, gest. 29. Mai 1994 in Santiago de Chile

Foto: Reiner F. Oettinger, SR

Der Staatsratsvorsitzende der DDR (1976-1989) wurde in Neunkirchen in einer kleinen Mansardenwohnung in der Oberstadt geboren (heute Max-Braun-Straße 26). Ein gutes Jahr später zog die typische Arbeiterfamilie (Vater Bergarbeiter, Mutter Hausfrau, die sich um sechs Kinder zu kümmern hatte) in das „rote“ Nachbardorf Wiebelskirchen, das für Honecker bis ins hohe Alter sein „gefühlter“ Heimatort bleiben sollte. Hier wuchs er also in sehr einfachen Verhältnissen auf, sein Vater war der (linken) Sozialdemokratie zugewandt. Honecker begeisterte sich für die Kommunistischen Jugendbewegung, verließ bereits 1930 das Saargebiet, setzte sich in die Sowjetunion ab und machte eine steile Karriere im SED-Apparat der DDR, deren Staatschef er wurde.

Die frühen Jahre im Saargebiet, aber auch seine offenbar unverbrüchliche Heimatverbundenheit wurden sowohl in diversen (Auto-) Biografien als auch in Essays verarbeitet und thematisiert. In „Aus meinem Leben“, 1980 erschienen, ist Honecker erstaunlich offenherzig, beschreibt detailliert auch das familiäre Umfeld. Er kommentiert auch sehr kritisch das „System Stumm“, so wie es ihm wohl von seinen Anverwandten geschildert wurde, und welche Rolle es für ihn spielte, sich zum „klassenbewussten Proletarier“ zu entwickeln.

Ausführlich behandelt der Historiker Martin Sabrow Honeckers „frühe Jahre“ im Saargebiet in der 2016 veröffentlichten Biografie „Erich Honecker. Das Leben davor 1912-1915“. Sie bietet einen tiefen Einblick in das unstete Leben eines ehrgeizigen Jungkommunisten und die aufgeheizte Lage vor der Saarabstimmung 1935.

Honeckers saarländische Vergangenheit rückte in den Fokus auch der westdeutschen Öffentlichkeit, als er 1971 in der DDR die Nachfolge Ulbrichts antrat, 1976 Generalsekretär des SED-Zentralkomitees wurde, von nun an das höchste Amt im „zweiten deutschen Staat“ innehatte. Es blieb nicht aus, dass er mitunter als „Prominenter“ mit unverwechselbaren, bisweilen ins Lächerliche wirkenden Attributen in unterschiedlichen literarischen Formen auftaucht: in Gedichten, Kurzgeschichten, Essays, sogar Krimis.

Honecker wurde auch bei saarländischen Autoren Gegenstand literarischer Darstellungen, namentlich bei Wolfgang Brenner, Hans Eckert, Ludwig Harig. (RS)