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Wadern-Nunkirchen

 

Blick auf Nunkirchen von Auschet aus. Foto: Inge Plettenberg

von Literatur. Mit etwas unter zweieinhalb Tausend Einwohnern ist es der größte Stadtteil Waderns. Vom Aussichtspunkt Auschet fällt der Blick auf das Grün von Wiesen, Obstbäumen und des Schwarzwälder Hochwaldes am Horizont – und auf die Pfarrkirche Herz Jesu. Ein Sohn Nunkirchens, Reinhold Wirtz (1842–1898) hat sie in Diensten des Bistums Trier gebaut. Im Gemeindewappen kreuzen sich hinter dem roten Herz Jesu das Schwert der Heiligen Barbara und der Pfeil des Heiligen Sebastian. Im Ort kreuzen sich drei Verkehrswege, – die Bundesstraße 268, die Landstraße 152 nach Weiskirchen und die Landstraße 148 nach Wadern. Im benachbarten (Nieder)Losheim bläst Industrie Dampf in die Luft: Das Holzfaserplattenwerk von Homanit. Eine Höhe weiter hinter Nunkirchen trägt das Hartsteinwerk von Michelbach einen ganzen Berg ab. Ein riesiges Loch in der Landschaft.

Der Ursprung des Namens Nunkirchen ist nicht mehr nachzuvollziehen. Schon in der Bronze-und Römerzeit haben hier Menschen gesiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung durch den Trierer Erzbischof Albero stammt aus 1147. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) entvölkerte das Dorf nahezu. Ein Einschnitt, von dem sich die Gemeinde erst Mitte des 19. Jahrhunderts wieder erholte. Das Grenzverschiebungs-Hin und -Her zwischen Deutschland und Frankreich erfasste mit der Saar-Region auch Nunkirchen. 1816 kam es zu Preußen, 1919 verblieb es im „Reich“, 1946 wurde es mitsamt dem „Restkreis Wadern“ dem autonomen Saarstaat zugeschlagen, 1957 kam es mit dem ganzen Saarland zur Bundesrepublik Deutschland. Im Ortsrat hat seit den Wahlen im Mai 2014 das Wahlbündnis „Pro Hochwald“ eine Mehrheit mit acht von elf Sitzen, abgesichert durch stolze 68 Prozent der Stimmen.

Die in Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägte Gemeinde war auch einmal Industriestandort. Tatsächlich wurde hier und im heutigen Ortsteil Münchweiler mehr als hundert Jahre lang Eisen verhüttet. In Nunkirchen gründete die Trierer Kaufmannsfamilie Gottbill um 1724 eine Eisenschmelze und betrieb sie bis etwa 1820. Ihre Gusswaren und Takenplatten (Ofenplatten) machten sie überregional bekannt. Im benachbarten Münchweiler gründete fast zeitgleich mit Gottbill Emmerich Freiherr Zandt von Merl ein Eisenwerk, das bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts produzierte. Zandt von Merl baute sich 1752 in Münchweiler ein Barockschlösschen, das noch heute Besucher anzieht. Aber nicht nur Eisenerz lagerte unter Nunkirchen und Umgebung, woran ein „Erzgräberweg“ erinnert, sondern auch eine bis zu anderthalb Meter dicke Ader des Schmucksteins Jaspis. Etwa 150 Jahre lang wurde er in Nunkirchen abgebaut und nach Idar-Oberstein geliefert. Dort wurde er blau eingefärbt und als „Deutscher Lapislazuli“ vertrieben. Der letzte Förderbetrieb, die Jaspisgrube von Wild & Co, machte 1970 zu. An die Reste zweier Stollen erinnert heute eine Informationstafel des Geologischen Rundwanderweges.

Nunkirchen hat noch immer ein vielfältiges Vereinsleben. Zu den Freizeitangeboten des Ortes zählen Boule, Billard, Tennis, Tischtennis, Judo und Reiten. Das vom damaligen Heimat-und Verkehrsverein 1955 initiierte Blumenfest lebte aber nur elf Jahre. Heute zieht vor allem die 18-Loch-Golfanlage Weiherhof auswärtiges Publikum an.

Zu den bekannt gewordenen Söhnen und Töchtern Nunkirchens zählt nicht nur die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, die hier geboren ist, sondern zählen auch zwei Schriftsteller, die aber ihr Glück in der Ferne suchten. Elmar Engel (1933- 2001) verschrieb sich der Suche nach Spuren Nunkircher Auswanderer in der Neuen Welt („Hampitt Holbach’s Odysseen“), der Wildnis Kanadas und dem Leben in der Nachbarschaft von Indianern. Der Erzähler und Krimi-Autor Walter Wolter ist Ende der 1990er Jahre aus der Ferne sozusagen heimgekehrt. Heute lebt er zurückgezogen in seinem Elternhaus. Hier schrieb er seine Bruno-SchmidtKrimis und die Lebensgeschichte des Werner Freund. Davon kündet noch heute an der Giebelwand des Hauses ein inzwischen verblasstes Transparent mit dem Porträt des „Wolfsmannes“.