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Namborn

 

Die Gemeinde liegt oberhalb von St. Wendel links und rechts der B41, die nach Nohfelden und über die Landesgrenze führt. Sie ist nach Oberthal die flächenmäßig kleinste Gemeinde, mit immerhin zehn Ortschaften. Ihre Mitte ist die Liebenburg.

Namborn, der Hauptort, liegt im Abseits, an der L320.

„Ein kleines unscheinbares Dorf“

Wer wissen will, wie es sich in einem saarländischen Dorf wie Namborn in der NS- und Nachkriegszeit lebte, dem gibt ein Buch von Otwin Massing, das 2014 zum 80. Geburtstag des Soziologen, Politikwissenschaftlers und Juristen erschien, hinreichend Auskunft. Der Titel. “Mittelarm, Kindheit und Jugend in einem saarländischen Dorf”.

Bedauerlicherweise sind die 270 Seiten umfassenden Memoiren weder chronikalisch noch nach Themen geordnet. Jedoch erfährt man, wie das Straßendorf mit Unter- und Oberdorf vor noch nicht mal hundert Jahren aussah, und was sich darin abspielte. Etwa wie die Häuser vom Erdkeller über Zwischengeschoss und von der Räucherkammer bis zum Speicher gebaut waren, und wie die Großfamilie mit den beengten Wohnverhältnissen auskam. Womit die Kinder das Jahr hindurch spielten: mit aus Weide geschnittenen Mühlrädchen und Schiffchen aus Kiefernborken im Sommer, Schlittern im Winter, Frösche fangen im Frühjahr. Über den Weiherbruch (seit 1983 Naturschutzgebiet) und den “Puhl” am Allerbach scheinen sie nicht hinausgekommen zu sein. Was es an Büchern gab: Groschenhefte, die Bibel, Schutzengelbücher und das große Buch der Heiligenlegenden.

Ganz nebenbei erfahren wir, dass Vater und Großväter in der Neunkircher Hütte arbeiteten. Daheim regierte die Mutter. Zur Arbeit im Stall und auf den Feldern wurden die Kinder herangezogen, Otwin hasste besonders das Kartoffelklauben. Die Nachbarn: Der Schneider saß noch im Schneidersitz auf dem Tisch, der Schuster winters wie sommers unter der Schusterlampe. Insgesamt zweimal fuhren die Eltern auswärts: 1933 zur “Heiligen Rock-Wallfahrt” nach Trier, ein andermal mit dem Namborner Kirchenchor nach Rüdesheim, zum Niederwalddenkmal.

Aufs genaueste und bis ins kleinste Detail schildert Professor Massing dieses dörfliche Leben, die Arbeitsvorgänge wie auch die Familienverhältnisse mit allen Querelen der eigenen und anderer Leute. Vom Weltgeschehen blieben die Namborner scheinbar unberührt. Selbst vom Krieg ist, obwohl der Vater 1940 eingezogen wurde, bis auf die “Luftkämpfe” der Amis und GIs zu Beginn und den selbstgegrabenen Stollen in der Felswand am Allerbach (jetzt Naturdenkmal) an seinem Ende kaum die Rede. Man war und blieb eingekerkert und gefangen, mehr noch: befangen in den Vorstellungswelten und den von außen ihnen aufgeherrschten moralischen Vorbehalten oder den eingefleischten Angewohnheiten des jeweiligen Familienclans. (Seite 113).

“Kindheit und Jugend in einem saarländischen Dorf”: Es stellt sich die Frage, für wie viele Dörfer im Saarland steht Namborn? Jedenfalls war Namborn damals noch ein lebendiges Dorf.