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Mettlach-Saarhölzbach

 

Saarhölzbach war der letzte Dienstort des Heimatkunde-Schriftstellers Matthias Enzweiler (1900–1987). Bis zur Pensionierung 1965 war er hier Direktor der Grund-und Hauptschule, und er ist hier begraben. Das heißt: er war es, denn das Grab ist im Frühjahr 2017 nach Ablauf der Liegezeit eingeebnet worden. Die Grabplatte soll aber als historisches Denkmal erhalten bleiben; Matthias Enzweiler war schließlich Ehrenbürger der Gemeinde.

Grab vom Matthias Enzweiler. Foto: Inge Plettenberg

Saarhölzbach, im 9. Jahrhundert n. Chr. als Hulzbach, ab Mitte des 17. Jahrhunderts unter seinem heutigen Namen erscheinend, lebte lange von der Land-und Forstwirtschaft, im Zusammenhang mit letzterer auch von der Flößerei. Zeitweise produzierte am Ort ein Eisen- und Hammerwerk. 1846 brannten große Teile des Dorfes ab; später war es die erste Gemeinde im Landkreis, die elektrisches Licht erhielt. Als Einzugsgebiet der keramischen Industrie saaraufwärts in Mettlach entwickelte sich Saarhölzbach zum Arbeiterdorf. Im Rahmen der Ausbreitung des Eisenbahnnetzes wurde eine Haltestelle eingerichtet. Auf der Strecke von Trier nach Saarbrücken war Saarhölzbach die erste Bahnstation im Saarland, und wer vor der Elektrifizierung in den 1960er Jahren reiste, wusste, dass es bis zum Ziel noch sehr, sehr lange dauern würde.

Vielen Saarländern ist der Name von Saarhölzbach noch mit gemischten Erinnerungen aus der zweiten Hälfte der 40er und aus den 50er Jahren verbunden, als Schmuggeln saarländischer Volkssport war. Damals war hier – wie auch schon 1920 bis 1935 – der Grenzbahnhof zwischen dem Saarland bzw. Saargebiet und der Bundesrepublik bzw. dem Deutschen Reich, und die strengen Zöllner und Zöllnerinnen flößten den zugfahrenden Hobbyschmugglern und besonders ihren Kindern schon bei der Annäherung an Saarhölzbach wohlige Angst ein.

Saarhölzbach erstreckt sich über etwas mehr als 13 Quadratkilometer, auf denen zwischen 1600 und 1700 Menschen leben. Die Überalterung, die Abwanderung der Jungen in die Städte und den zunehmenden Verfall des alten Ortskerns mit seinen Leerständen teilt Saarhölzbach als Probleme mit vielen anderen Gemeinden im Kreis Merzig-Wadern. Gleichzeitig, und deshalb setzt man auf die Chancen, die der Tourismus bietet, ist das Dorf in eine spektakuläre Natur eingebettet: offen liegende Granitfelsen rücken hier nahe an die Saar. Markantester Punkt ist der Vogelfelsen, von dem sich ein grandioser Blick auf den Fluss im Tal bietet, und der seit jeher zahlreiche Wanderer anzieht.

Im Ort selbst fallen drei Punkte sofort ins Auge: Die katholische Pfarrkirche, in deren Garten noch ein Grenzstein aus dem Jahre 1779 von bewegten Zeiten zwischen Frankreich und den deutschen Territorien erzählt; das Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege auf einem einzeln aufragenden kuppelförmigen Felsen, und ein rot verputzter kasernenartiger Bau auf einer Anhöhe neben der Kirche: das ehemalige Hotel „Auf Kappelt“. Das ist 2016/17 in die Schlagzeilen geraten. Es kostete den Bürgermeister von Mettlach das Amt, nachdem dieser das Haus von seiner Frau hatte aufkaufen lassen, bevor er es lukrativ an die Gemeinde vermietete – als Flüchtlingsunterkunft. Später bot er einem Zeitungsbericht zufolge die Geschichte dem SR-„Tatort“ als Stoff an. Das Landgericht in Saarbrücken verurteilte den Ex-Bürgermeister inzwischen zu einer Haftstrafe mit Bewährung und zu einer Geldstrafe.

Enzweilers ehem Schulhaus. Foto: Inge Plettenberg

Matthias Enzweiler würde sich sogar in seinem nicht mehr vorhandenen Grab umdrehen; denn das vom Hotel zum Heim für Geflüchtete mutierte stattliche Gebäude ist im Ursprung ein preußischer Schulbau. Seine Schule, in der er von 1937 bis 1965 unterrichtet hat, und deren Rektor er gewesen ist.