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Illingen

 

Gerade mal 20 km von der Landeshauptstadt entfernt, liegt die typische Marktgemeinde im Tal des Baches Ill, der sie offenkundig später ihren Namen verdanken sollte. Die verkehrsgünstige Lage, die ausgewogene Vielfalt an historischen und modernen Bauten und die intakte Infrastruktur machen den staatlich anerkannten Erholungsort für seine rund 16.000 Einwohner wahrlich zu einem attraktiven Lebensmittelpunkt. Nicht von ungefähr wurde er gerne auch als „Perle des Illtals“ bezeichnet.

Im Jahre 893 fand eine Pfarrkirche zu „Letoltingos“ (ältester Vorgängername Illingens) in einer Urkunde des Metzer Bischofs Rodbertus eine erste Erwähnung. Mit ihrem auffälligen Zwiebelturm fällt die Barockkirche St. Stephan jedem Besucher sofort ins Auge.

Im 14. Jahrhundert hatten sich die aus der Eifel stammenden Herren von Kerpen in dem Dorf an der Ill niedergelassen, übernahmen als Lehen die zuvor von Arnold von Sierk erbaute Wasserburg. Bis zum Einzug der französischen Revolution in die Saarregion 1793/94 unterstanden die einzelnen Ortsteile nicht nur der Reichsherrschaft von Kerpen/Illingen, auch andere Feudalherren erhoben ihre Ansprüche (Kurtrier, Lothringen, Nassau-Saarbrücken).

In der „Franzosenzeit“ wurde die „Mairie Uchtelfangen“ gegründet, die auch 1816 – nach der Zuteilung zur Preußischen Rheinprovinz –  rund 100 Jahre als „Bürgermeisterei Uchtelfangen“ erhalten blieb. In Uchtelfangen lebt heute der ehemalige SR-Jazz-Redakteur Peter Kleiß, der in den letzten Jahren auch als Lyriker hervorgetreten ist.

Seit dem 18. Jahrhundert hatten sich in Illingen jüdische Familien niedergelassen und sich zu einer für den Ort auch wirtschaftlich gewichtigen jüdischen Gemeinde entwickelt. In den 1920er Jahren zählte sie rund 200 Mitglieder. Diese waren in etlichen Vereinen aktiv, die Kinder konnten eine jüdische Volksschule besuchen. Das Erstarken der NSDAP und der Anschluss des Saargebietes an Hitler-Deutschland 1935 bewog viele der jüdischen Einwohner Illingens, ihre Heimat zu verlassen. In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört, es kam zu schweren Ausschreitungen, und nicht wenige jüdische „Mitbürger“ misshandelte der Mob. Die letzten verbliebenen Illinger Juden wurden im Oktober 1940 ins französische Lager Gurs deportiert.

Hans Eckert, der seine erste Lehrerstelle in Illingen bekleidete, setzte sich in seinem 1988 erstmals veröffentlichten Buch „Die Visionen des Aaron von Illingen“ intensiv mit der Geschichte der Juden in Illingen auseinander, hat hierfür rund 150 Interviews geführt und ist für seine Verdienste um die Verständigung zwischen Christen und Juden 1998 mit der Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille ausgezeichnet worden. Der jüdischen Gemeinde und ihren Menschen wurde hier auch anderweitig gedacht: mit Stolpersteinen, die der Kölner Künstler Gunter Demnig gefertigt hat, und mit einem auf zwei Granitstelen installierten Torbogen der ehemaligen Synagoge – auf dem Vorplatz des Pfarrheims.

Im Rahmen der Gebietsreform von 1974 wuchs Illingen um weitere, ehemals selbständige Ortsteile an: Hüttigweiler, Hirzweiler, Uchtelfangen, Welschbach und Wustweiler. In letzterem überrascht ein Sakralbau der besonderen Art: Statio Dominus Mundi – eine 2002 erbaute Privatkapelle, die der kirchlichen Jurisdiktion der Benediktinerabtei Tholey untersteht. Erbaut nach den Plänen des Münchner Architekten Alexander von Branca.

Das 1981 von der VSE AG gegründete Elektromuseum in der Gymnasialstraße konnte einst mit rund 2.000 Exponaten aufwarten, wurde dann aber um 2008 still und leise geschlossen. Das Museum und seinen damaligen Museumsleiter, den Diplomingenieur Alfred Putze, würdigte Ludwig Harig während einer Poetik-Dozentur u. a. in dem 1987 gehaltenen Vorlesungszyklus „Wer schreibt, der bleibt. Sprachstil und Lebensstil“.

Illingen kann tatsächlich mit einem dichtenden Bürgermeister (seit 1996 im Amt) aufwarten. Armin König ist seit 1996 im Amt. In seiner Freizeit versucht er sich vorwiegend als Lyriker, verfasste auch einen Essay über den Autor Heinz Dieckmann.