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Gersheim-Reinheim

 

Landschaftsaufnahme

Kulturpark Reinheim

„Rynheim“ (Siedlung des „Rîno“, althochdtsch. Rufname) ist 1267 erstmals erwähnt. Die Geschichte des Orts reicht aber weit in vorchristliche Zeiten zurück. Ausgrabungen förderten Funde, vor allem das „Grab der Fürstin von Reinheim“, aus keltischer Zeit zutage und belegten damit die uralte Besiedlung des Ortes. In seinem Roman „Gwennas Schweigen“ von 2006 hat sich Axel Herzog (1944-2010) von der reichhaltig mit kostbaren Beigaben ausgestatteten Begräbnisstätte und den archäologischen Erkenntnissen inspirieren lassen: Schauplatz seiner fiktiven Handlung um eine Keltenfürstin, die im fünften vorchristlichen Jahrhundert spielt, ist das Reinheim-Bliesbrucker Tal der Blies.

Im Mittelalter, aus dem sich der Rundturm der katholischen Kirche St. Markus erhalten hat, gehörte der Ort zur Bliesgaugrafschaft (bis 1284). Veränderungen der Eigentumsverhältnisse waren häufig. Besitzanteile hatten etwa das Bistum Metz, das Deutschordenshaus in Saarbrücken, die Grafen von Saarbrücken und Zweibrücken, die Herren von Forbach und die Zweibrücker Familie Mauchenheimer. 1339 gelangte Reinheim in die Hände des Bistums Trier, das den Ort schließlich 1657 an die Grafen von der Leyen weiterreichte. Unter dieser Obrigkeit erlebte Reinheim die Französische Revolution. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen, Reinheim als „Traubenkurort“ anerkennen zu lassen. Beachtliches Zeugnis des historischen Weinanbaus ist das trulliähnliche „Rebenhäuschen“ (19. Jahrhundert) am westlichen Ortsrand, in dessen Umfeld jüngst versuchsweise wieder ein Wingert angelegt wurde. August Becker (1828-1891) widmet Reinheim in seinem Buch „Die Pfalz und die Pfälzer“ (1957) eine längere Passage, in der er sich über die Funde „merkwürdiger Alterthümer“ und den runden „Heidenthurm“ auslässt. Becker weiter: „Dafür aber schauen die alten Weiber mit ihren gewaltigen Kugelhauben desto unheimlicher aus, und wenn sie Einem auf den dürren, steinigen Bergen bei Reinheim oder Gräfinthal an den Bergkreuzen begegnen, wird man unwillkürlich an hexenartige Erscheinungen erinnert. […] In Reinheim selbst und in den benachbarten Orten des Bliesthals sitzen noch echte alte Bauern mit der weißen Zipfelkappe, den kurzen Wämsern und Lederhosen, den weißen Wadenstrümpfen und Schnallenschuhen“.