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Verlagslandschaft

Von Klaus Feld

Die Entwicklung des Verlagswesens an der Saar ist eng mit der politischen Entwicklung in der Region verbunden. Im 18. und 19. Jahrhundert betrieben einzelne Drucker und Buchbinder hierzulande als Nebenerwerb den Handel mit Büchern. Das Angebot beschränkte sich auf Gesang- und Gebetbücher, Schulbücher, Kalender und politisch unverfängliche Volksschriften. Erst als nach dem Ersten Weltkrieg das „Saargebiet“ geschaffen wurde, führte dies zu einer umfangreichen und vielgestaltigen Buchproduktion in dem künstlich zustande gekommenen kleinen Land. Eine Zollgrenze erschwerte die Einfuhr deutscher Bücher. Gebraucht wurden unter anderem landeseigene Verordnungen und Schulbücher. Diese mussten jetzt vor Ort hergestellt und vertrieben werden. Dies brachte eine kurze Blüte der regionalen Buchproduktion. Bekannte Namen aus dieser Zeit waren die Buchgewerbehaus AG der „Saarbrücker Zeitung“, die die „Hofer-Bücher“, Schulbücher mit Sachbuchcharakter, herausgab sowie die Saarbrücker Druckerei Und Verlag GmbH, bei der die Saarbrücker Landeszeitung erschien. Sie veröffentlichte neben amtlichen Publikationen und heimatkundlichem Schrifttum auch katholische Volksschriften.

Nach der Rückkehr nach Deutschland begann ab 1935 die Gleichschaltung. Jetzt steuerte die Reichsschriftumskammer, welche Bücher erlaubt und welche zu bevorzugen waren. Der Zweite Weltkrieg brachte die Verlagstätigkeit zum Erliegen. Verheerende Bombenangriffe vernichteten die Lagerbestände. Nach 1945 wiederholte sich die Sonderbehandlung. Erneut war das Saarland durch eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich verbunden. Die Einfuhr deutscher Bücher war kontingentiert. Auch dieses Mal begünstigte dieser Umstand die verlegerische Eigenproduktion. Rückhalt fand man bei der 1948 gegründeten Universität des Saarlandes. Der von den Tageszeitungen gegründete Saar-Verlag, später in West-Ost-Verlag umbenannt, verlegte die wissenschaftlichen Arbeiten der Saarbrücker Professoren und Doktoranden. Literarische Werke, oft in Lizenzausgaben, brachte in den Nachkriegsjahren der rührige Minerva-Verlag heraus. Mit einer eigenen Buchgemeinschaft sorgte er für die Verbreitung der Titel in der Leserschaft.

Der Anschluss an die Bundesrepublik 1959 brachte im Verlagswesen eine erneute Umorientierung. Der bisher abgeschottete Büchermarkt im Saarland öffnete sich für die gesamte deutsche Buchproduktion. Andererseits mussten sich die hiesigen Verlage den bundesdeutschen Markt erschließen. Dauerhaft gelungen ist das keinem Buchverlag aus der Saarlandzeit.

Einen Aufbruch für Verlage gab es erst Mitte der 1970-er Jahre. Mangels aktueller regionaler Titel sind damals alte Werke aus dem 19. Jahrhundert zur Landes- und Stadtgeschichte wieder aufgelegt worden. Ein enormer Trend, der auf eine lebhafte Nachfrage stieß. Dann folgte eine Sättigung, gefolgt von einer zweiten Welle mit alten Ansichten aus dem Saarland. Damit wurde die Regionalliteratur ein gefragter Schwerpunkt im saarländischen Buchhandel. Diese brachte auch neue Verlage auf den Plan. Mundart, Essen und Trinken, die Aufarbeitung von Kriegs- und Nachkriegszeit aber auch der politischen und sozialen Lebenssituation der Saarländerinnen und Saarländer, dies alles wurde in zahlreichen Büchern verarbeitet und dargestellt.

Die saarländische Buchverlagslandschaft ist dabei überschaubar geblieben, wirtschaftliche Schwergewichte gibt es nicht, es sind in der Regel Klein- bis Kleinstverlage, die mit einem Stab qualifizierter Mitarbeiter ihre Produktionen herausbringen. Die Verlagslandschaft lebt letztlich von der Initiative und Gestaltungskraft der Verlegerinnen und Verleger. Wirtschaftliche Basis bleibt meist die Regionalliteratur, wobei sich die Regionalkrimis einer großen Beliebtheit erfreuen. Für die wirtschaftliche Grundlage benötigen die Verlage einige gut verkäufliche Titel. Diese ermöglichen erst die Existenz des Verlages und erlauben es, dass der Verleger weitere Titel in sein Programm aufnimmt, deren Veröffentlichung ihm besonders am Herzen liegen. Damit können z. B. neue Autoren gefördert werden, die dann dem Verlag erst sein besonderes Profil geben. Die Schwierigkeit des Verlagsgeschäfts besteht also darin, die Balance zwischen wirtschaftlich notwendigen Titeln und Liebhaberobjekten so zu halten, dass das Überleben des Unternehmens gewährleistet ist. Im eng begrenzten Heimatmarkt Saarland bleibt das ein schwieriges Unterfangen, wie es der Rückzug einiger namhafter Verlagsnamen belegt. Nach der Umsatzsteuerstatistik von 2014 gibt es aktuell 12 steuerpflichtige Buchverlage im Saarland, die zusammen knapp 16 Mill. Euro Umsatz erwirtschafteten. Auch die 152 Neuerscheinungen, die im Jahr 2015 im Saarland gezählt wurden, zeugen eher davon, dass die Verlage nur einen kleinen Teil der saarländischen Kreativwirtschaft ausmachen.

Ziel der saarländischen Verlage bleibt es, sich weiter weiterzuentwickeln und ein Publikum jenseits der regionalen Grenzen für sich zu gewinnen. Die Konzentration auf bestimmte Zielgruppen ist ein Weg, um die Basis für eine erfolgreiche Arbeit zu legen. Ein anderer Ansatz bestehe darin, mit schön gestalteten Büchern und allgemein ansprechenden Themen die Gunst der Leserinnen und Leser zu erobern, denn diese entscheiden am Ende über Erfolg oder Misserfolg eines Buches. Aktuell gibt es aus saarländischen Verlagen Sach- und Fachbücher, Esoterisches, viel Heimatkundliches, Märchenbücher, Reisebücher, Comics, Musikliteratur, Mundart, Lyrik, Romane, Krimis, Bildbände, Wissenschaft und sogar juristische Fachliteratur.