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Saarländische Krimis

Von Ulli Wagner

„Saarland Krimiland“, so lautet der Titel mehrerer Sammelbände mit regionalen Kurzkrimis. Damit gab es schwarz auf weiß, was viele hierzulande schon längst wussten: Das Saarland hat mit Marina Heib und Arno Strobel zwei der besten und beliebtesten Krimi-& Thrillerautoren der Republik hervorgebracht, und das Saarland eignet sich mit seiner vielfältigen Landschaft, seiner Mischung aus Industrieanlagen und Natur und mit seiner Grenzlage bestens als Schauplatz für Spannungsliteratur.

Die bereits genannten Bestseller-Autoren lassen ihre Kriminalromane und Thriller außerhalb ihrer Heimat spielen, ebenso wie der bekannte Fantastik-Autor Markus Heitz, der sich 2017 mit „Des Teufels Gebetbuch“ sehr erfolgreich auch unter die Krimi-Autoren gemischt hat.

Carolin Römer stammt nicht aus dem Saarland, sie wurde 1963 in Kirn an der Nahe geboren, lebt und arbeitet aber seit den 80er Jahren im Saarland und bezeichnet sich inzwischen selbst als „Saarländerin“. Sie ist Filmcutterin beim Saarländischen Rundfunk und bringt seit 2011 einen Hauch Irland an die Saar, mit Fin O‘ Malley und den spannenden Fällen, die der Privatermittler auf der grünen Insel zu lösen hat.

Und auch der noch relativ neue, aber erfolgversprechende Autor Chris Karlden aus Rehlingen hat sich nicht für das Saarland, sondern für Berlin als Schauplatz seiner Thriller entschieden.

Aber dort, wo er herkommt und immer noch lebt, spielen regionale Krimis genauso wie in Saarlouis, der Geburtsstadt von Arno Strobel, in St. Ingbert, wo Marina Heib aufgewachsen ist und Abitur gemacht hat, oder in Homburg, wo Markus Heitz herstammt.

Normal passiert da nichts

Es gibt viele Tatorte und Schauplätze schauriger Geschichten im Saarland. Das hat schon den 2010 verstorbenen Axel Herzog begeistert. Der 1944 in Bad Bergzabern geborene Germanist und Historiker war nicht nur Gründer des Dudweiler Statt-Theaters und Autor von Mundartgeschichten und historischen Romanen. Er hat auch neun Folgen seiner Krimireihe „Der Drei Euro Roman“ veröffentlicht, fast alle mit regionalem Bezug.

Auch Walter Wolter aus Nunkirchen ließ sich von Land und Leuten zu seinen Kriminalromanen inspirieren. Er ist Jahrgang 1950 und war in vielen Bereichen tätig, bevor er am Bodensee beim Konstanzer „Südkurier“ volontierte, sich mit Reportagen und Reiseberichten einen Namen machte und mit dem Tierforscher Werner Freund in die entlegensten Winkel der Erde reiste. Doch seine Krimis um den Privatermittler Bruno Schmidt spielen allesamt im Saarland. Dabei geht es keineswegs um Heimattümelei, auch dann nicht, wenn sich der Plot im Schwarzwälder Hochwald vor seiner Haustür abspielt. Wolters Krimis sprühen vor kritischer Distanz zur Provinz und der manchmal übergroßen gegenseitigen Nähe als Nährboden für Vetternwirtschaft und Falschaussagen.

Ebenfalls aus dem Nordsaarland stammt Frank P. Meyer. Er wurde 1962 in Hermeskeil geboren, hat in Trier und Oxford studiert und ist nach Zwischenstationen in Antwerpen und Hildesheim wieder in die Heimat zurückgekehrt. Er lebt heute in Primstal und in Trier, wo er Geschäftsführer des Graduiertenzentrums und Leiter der Studienberatung ist. Frank P. Meyer liebt das Spiel mit Worten und hat mit Kurzgeschichten und vor allem mit seinen Kolumnen als Stadtschreiber von Trier auf sich aufmerksam gemacht, bevor er mit seinem ersten Kriminalroman „Normal passiert da nichts“ mehr als einen Achtungserfolg erzielte. Der Titel steckt voller Selbstironie und Augenzwinkern und ist in seiner Doppeldeutigkeit eine Hommage an die Provinz. Das gilt in noch viel stärkerem Maß für Meyers zweiten Krimi „Hammelzauber“, der ein Hohelied auf das Leben ist – selbst auf das in der Sperrzone nach dem atomaren Gau in Cattenom.

Gegenwehr entsteht immer im Kleinen

Auch der Bohnentaler Frank Hero sucht unter dem Pseudonym Arno F. Kehr seine Tatorte dort, wo er lebt. Mit „Feuer und Schein“ hat der Umweltingenieur einen dicken Wälzer über Konversion, Subventionen und internationale Verwicklungen geschrieben, der im nördlichen Saarland und in Spanien spielt, Krimi, Familiensaga und Liebesroman in einem ist und das Landesmotto leicht abwandelt in: „Gegenwehr entsteht immer im Kleinen“.

Ebenfalls im nördlichen Saarland, zwischen Trier und Hülzweiler, spielt „Mary Plotfire – Stimmen der Tiefe“, der erste Krimi von „Tatort“-Kommissarin Elisabeth Brück. Die Schauspielerin wurde 1962 in Saarlouis geboren, ihre Ausbildung absolvierte sie vor allem in Luxemburg. Ihre Kommissarin ist eine Mischung aus Miss Marple und Marilyn Monroe und hat den mysteriösen Tod einer jungen Frau im Nonnenkostüm am Kreuz in Hülzweiler aufzuklären.

Der „Tatort“ scheint Macher und Schauspieler zu eigenen Krimis zu animieren, zumindest im Saarland. Der zuständige SR-Redakteur Christian Bauer ist kein gebürtiger Saarländer, lebt und arbeitet aber schon lange hier. Der ausgebildete Pfarrer ist Jahrgang 1963 und hat bislang 5 Kriminalromane veröffentlicht. Zwei mit Klara Klühs auf Hiddensee, drei drehen sich um den Saarbrücker Hauptkommissar Robert Simarek.

Und auch Jochen Senf, der viele Jahre den Saarbrücker „Tatort“-Kommissar Max Palü verkörperte, machte sich als Krimiautor einen Namen. Er steuerte Kurzkrimis zu Saarland-Anthologien bei, den Schwerpunkt bildete aber die Region Berlin, wo der gebürtige Frankfurter vor seinem Tod im März 2018 lange gelebt hat.

Der Bus von Schmelz nach Limbach

Krimis aus dem Saarland über das Saarland gibt es schon sehr lange. Aber nicht als Marke „Saarland-Krimi“, und das Etikett „Regionalkrimi“ passt im Grunde auch nur auf ganz wenige. Anders als bei „Eifel“- oder Ostfriesenkrimis wird es auch so gut wie gar nicht als Marketing-Instrument genutzt, obwohl regionale Krimis, mit Schauplätzen, die viele kennen, und handelnden Personen, die man kennen könnte, auch im Saarland besonders gut ankommen.

Regionale Krimis erzeugen Nähe und Vertrautheit, und die geben dem Nervenkitzel eine besondere Note. Gleichzeitig ist das auch eine besondere Herausforderung an die Autorinnen und Autoren, denn Handlungen aus dem Alltag und Originalschauplätze in der Nähe lassen sich schnell überprüfen und das kann die schriftstellerische Freiheit stark einschränken. Denn allzu leicht wird die Fiktion als Realität genommen, und wenn beides nicht zusammenpasst, werden schnell vermeintliche Fehler moniert, nach dem Motto: „Der Bus von Schmelz nach Limbach fährt aber nicht über Schattertriesch und schon gar nicht um 14 Uhr 53, sondern um 14 Uhr 48“.

Dabei spielt die Alltagssprache, bis hin zu den verschiedenen Dialekten, immer wieder eine Rolle in den Krimis aus dem Saarland über das Saarland, ebenso wie die Lebensart, und das Motto: „Fünfe mal gerade sein lassen“, kommt darin genauso vor wie preußischer Gehorsam, der noch in die Zeit der Industrialisierung zurück geht, oder französischer Lebensstil und das abgewandelte „Saarvoir vivre“.

Der gebürtige Neunkircher Martin Conrath ist Jahrgang 1959 und hat sich als Musiker und Schauspieler durchs Leben geschlagen, bevor er Journalist wurde und neben der Aktualität auch mit belletristischem Schreiben begann. Aus seiner Feder stammen zwei Drehbücher für SR-„Tatorte“ und 5 Krimis um Martin Bremer, bevor er mit diesem quasi nach Düsseldorf umzieht und dem Saarland auch literarisch den Rücken zukehrt. Sein bekanntestes Werk ist wohl „Das schwarze Grab“ in dem es um den Bergbau im Saarland geht, um Grubenschäden, Beben und Arbeitsplätze.

Der im Mai 2017 verstorbene Dieter Paul Rudolph war Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler und hat wesentlich mit dazu beigetragen, Krimi-Kritiken im Internet hoffähig zu machen. Er wurde 1955 in Blieskastel geboren und starb in Homburg. 2007 hat er einen eigenen Blog gestartet, er hat vergessene Krimis und Krimi-Jahrbücher herausgegeben und 6 Kriminalromane veröffentlicht, darunter „Pixity“ zwischen Virtualität und Realität und „Arme Leute“, das eine Art erschreckende Milieustudie in einem saarländischen Kleinstadt-Idyll ist. 

Aber Mutter weinet sehr

Unter dem Pseudonym Jonathan Metzell hat Dr. Karl-Georg Schroll mit „Hinterhältig“ einen Saarland-Politthriller veröffentlicht. Darin geht es um Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Justiz im Saarland. Der Ostfriese ist Jahrgang 45 und lebt nach beruflichen Stationen in Bremen, Trier und Berlin seit ein paar Jahren in Wiltingen an der Saar, wo er seinen „Blattfuchs“-Verlag gegründet hat. Seine Innenansichten hat sich der ausgebildete Verkehrsplaner als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Piratenfraktion im saarländischen Landtag erworben.

Ebenfalls unter Pseudonym hat der Wahl-Saarländer Joner Storesang zahlreiche Serien-Sets geschrieben und Kurzkrimis veröffentlicht, bevor er bei der Rowohlt-Krimi-Schule den ersten Preis gewann: die Veröffentlichung eines Kriminalromans. Der erschien Ende 2015 unter dem Titel „Seelenschwarz“. Dieser Krimi aus Saarbrücken über Saarbrücken beschreibt eine Mordserie, die das Land erschüttert und erst aufgeklärt werden kann, als ein früherer Profiler die Verbindung zu einem alten Fall und dem Verschwinden kleiner Jungs herstellt. Der Autor ist Jahrgang 1969, stammt aus Nordrhein-Westfalen, lebt aber schon sehr lange in Saarbrücken und bezeichnet das Saarland mit seiner Grenzlage als „phantastischen Schauplatz zum Geschichtenerzählen“.

Wolfgang Brenner ist Jahrgang 1954, stammt aus Quierschied und ist aus der Krimiszene des Saarlandes gar nicht wegzudenken. Seit 1993 hat er regelmäßig spannende Geschichte aus dem Saarland oder über das Saarland geliefert, obwohl er längst als Journalist und Autor von Berlin und vom Hunsrück aus arbeitet. Inzwischen hat sich Brenner mit seinen Drehbüchern und „Schmalenbachgeschichten“ in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen Namen gemacht und mit „Zwischen Anfang und Ende“ ein vielbeachtetes Sachbuch über die Nachkriegsjahre in Deutschland geschrieben. Wolfgang Brenner hat insgesamt 11 Kriminalromane veröffentlicht, unter anderem „Honeckers Geliebte“, in dem eine junge Frau aus Wiebelskirchen fünf Jahre vor dem Fall der Mauer eine Reise in die DDR unternimmt und Geliebte des Staatsratsvorsitzenden wird, der ebenfalls aus ihrem Heimatdorf stammt. Brenner wurde 2007 mit dem „Krimifuchs“, dem Berliner Krimipreis ausgezeichnet, 2012 erschien mit „Aber Mutter weinet sehr“ sein bislang letzter Kriminalroman.

Mord vor Ort

Der Kabarettist und Autor Manfred Spoo wurde 1953 in Saarlouis geboren, hat BWL studiert und in einer Bank gearbeitet, bevor er für viele Jahre beim Saarländischen Rundfunk als Redakteur und Mundart-Spezialist arbeitete. Aus dieser Zeit stammen auch seine ersten Veröffentlichungen. Kriminalistisch lernte Manfred Spoo im Sammelband „Mord vor Ort“ das Laufen, den von Lisa Huth und Karin Mayer herausgegebenen Kurzkrimis aus den und über die Orte der SR 3-Sendereihe „Treffpunkt Ü-Wagen“. 2012 erschien sein erster Kriminalroman um Kommissar Knauper, inzwischen ist der dritte auf dem Markt. In allen geht es um fiktive Geschichten an realen Schauplätzen in unterschiedlichen Teilen des Saarlandes.

Barbara Mansion ist Jahrgang 1961 und wurde in Saarfels geboren, wo sie heute wieder mit ihrer Familie lebt. Sie ist gelernte Kauffrau und Finanzbuchhalterin und hat das Schreiben an einer Akademie in Hamburg gelernt. Barbara Mansion hat drei historische Kriminalromane über Alltag und Verbrechen im Mittelalter veröffentlicht. Sie spielen rund um die Siersburg oder drehen sich um die Herren von Siersberg und gelten als spannende und unterhaltende Geschichtsvermittlung.

Ähnlich arbeitet auch Kerstin Rech. Sie wurde 1962 in Blieskastel geboren, wuchs in Homburg (-Bierbach) auf und studierte in Stuttgart, wo sie heute noch lebt. Sie schlug sich mit allerlei Jobs durch, bevor sie 1988 anfing, Theaterstücke, Hörspiele und Prosa zu schreiben. 2003 kam ihr erster Krimi auf den Markt „Das fünfte Geschlecht“, und für dieses Debüt bekam sie gleich eine Nominierung für den Glauser-Preis. Ihr zweiter Krimi „Der Permes“ wurde Schullektüre im Saarland. Ihre Bücher spielen hauptsächlich im Bliesgau. Inzwischen hat sich Kerstin Rech auch mit Sachbüchern über wahre Kriminalfälle im Saarland oder den Schlager in den Siebzigern einen Namen gemacht.

Angelika Lauriel wurde 1967 in Saarbrücken geboren, ist in Riegelsberg aufgewachsen und nach zahlreichen Auslandsaufenthalten im Köllertal sesshaft geworden. Die Diplom-Übersetzerin und Mutter von drei Söhnen schreibt seit 2007 Kinder- und Jugendbücher sowie so genannte Frauenliteratur. Ihre Kurzgeschichten und Romane spielen vorwiegend im Saarland, auch ihre Kurzkrimis und die beiden „ChicLit“-Romane um Lucy und Kommissar Frank Kraus aus der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes.

Isabell Valentin ist eine der Hoffnungsträgerinnen in der saarländischen Krimiszene. Sie ist Jahrgang 78, wuchs in Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland auf und kehrte nach dem Studium in Baden-Württemberg wieder hierhin zurück. Die ausgebildete Grafik-Designerin und Mutter von drei kleinen Kindern arbeitet als Illustratorin, Dozentin für Malerei und als Autorin. Ihre ersten Geschichten hat sie als junges Mädchen geschrieben und vor allem auch gezeichnet. Ihr erstes Werk war ein Pferde-Comic. Als Erwachsene hat sie sich systematisch im Schreiben weitergebildet. Ihr Debüt-Roman „Der Fährmann“ spielt im Saarland, ist das erste von einem Verlag veröffentlichte Buch von Isabell Valentin und der Auftakt zu einer Serie um Damian Johannsson. Zurzeit arbeitet Isabell Valentin an einer Anthologie von Kurz-Krimis aus dem Saarland über das Saarland.

Madeleine Giese wurde 1960 in Lebach geboren. Sie ist ausgebildete Schauspielerin, hatte Engagements unter anderem in Bruchsal, Regensburg und Saarbrücken und lebt inzwischen mit ihrer Familie in Kaiserslautern. Madeleine Giese arbeitet seit 2002 hauptsächlich als Autorin vor allem von „Radio-Tatorten“ und Bühnenstücken für Krimi-Dinners. Zwischen 2004 und 2010 hat sie 5 Kriminalromane veröffentlicht, von denen 3, „Die Antiquitätenhändlerin“, „Der kleine Tod“ und „Nachtvogelflug“, explizit im Saarland spielen.

Das Saarland ‘55

Auch der Limbacher Marcus Imbsweiler richtet seit vielen Jahren seinen Blick von außen auf seine alte Heimat. Er wurde 1967 in Saarbrücken geboren, wuchs in Kirkel-Limbach auf und studierte in Tübingen und Heidelberg, wo er inzwischen mit Frau und Kindern lebt. Er arbeitet als Musikredakteur, Schriftsteller und Kolumnist und hat zahlreiche Geschichten, Romane und Kurzkrimis veröffentlicht. Seine Kriminalromane spielen hauptsächlich im Rhein-Neckar-Raum, einer allerdings dreht sich um ein wesentliches Jahr in der Geschichte des Saarlandes: „55“ – ein beeindruckender Krimi, mit Akteuren von damals und Enkeln, die heute vieles in Frage stellen. Ein interessantes und spannendes Stück Zeitgeschichte.

Klaus Brabänder ist ein klassischer Quereinsteiger. Er ist Jahrgang 1955, hat in Mainz Siedlungswasserwirtschaft studiert und lebt und arbeitet in Bexbach und in Spiesen-Elversberg, genau wie Kommissar Josch Schaum, die Hauptfigur in einigen seiner Kriminalromane. Der gebürtige Neunkircher hat viele Reiseberichte und Kurzgeschichten veröffentlicht, ist hauptberuflich im Bauamt von Schmelz tätig und hat mit seiner eigenwilligen Geschichte über den Bau eines Wasserwerks für Aufmerksamkeit gesorgt. Damit begann quasi seine Neben-Karriere als Autor von Saar-Krimis. Drei davon sind inzwischen auf dem Markt, alle mit Joachim Schaum, genannt Josch, als Ermittler und der real-existierenden Siedlung „Am Köppchen“ in Spiesen.

Einer von Klaus Brabänders Kurzkrimis erschien in „Nachhaltig tot“. An dieser energiegeladenen Anthologie waren auch Lisa Huth und Karin Mayer beteiligt. Die eine, Lisa Huth, ist Jahrgang 1962, stammt aus Losheim, ist ausgebildete Theologin und kam nach zahlreichen Auslandsaufenthalten – unter anderem für die ARD in Paris – immer wieder ins Saarland und zum SR zurück. Die andere, Karin Mayer, wurde 1964 in Spaichingen in Baden-Württemberg geboren, hat in München Politik-Wissenschaft und Volkswirtschaft studiert und kam 1992 zum Saarländischen Rundfunk. Zusammen haben beide SR-Journalistinnen mit „Steinreich“ einen Kriminalroman um Wirtschaftskriminalität, politische Machenschaften und zwei Journalistinnen veröffentlicht. Aber vor allem haben sie ihre Kenntnis von Land und Leuten, genutzt, um in inzwischen vier Anthologien spannende Kriminalgeschichten aus allen Lebensbereichen und aus allen Teilen des Saarlandes herauszubringen und gleichzeitig anderen Autorinnen und Autoren regionaler Spannungsgeschichten eine Plattform zu geben. Dabei wechseln die Perspektiven ebenso wie die Schauplätze und die Mundarten, und die Verbrechen lassen sich hautnah erleben – „Mord vor Ort“ eben.

Die Queen of Crime

Was Huth und Mayer mit vielen kleinen Geschichten in ihren Anthologien leisten, teilt Barbara Ninnemann alias Marlian Wall in einzelne Romane der Kriminalreihe um das ermittelnde Quartett TheFaGloT auf. Die Autorin ist Jahrgang 1965, als Psychologin in einem Saarbrücker Krankenhaus tätig und die erste Saarländerin ihrer Familie. Am besten hat sie ihre Heimat durch die Recherchen zu ihren Büchern um die Ermittler Theodora, Falk, Gloria und Tim kennengelernt. Schreiben ist ihr Hobby, das aber immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Marlian Wall ist Mitglied einer von vielen Autorengruppen im Saarland und hat ihre Romane bislang ohne Verlag im Self-Publishing oder über das Book-On-Demand-Verfahren veröffentlicht. Vier Kriminalromane sind bislang von Marlian Wall erschienen, sie decken den Großraum Saarbrücken ab, das Grenzgebiet um Perl und Schengen, den St. Wendeler Raum und den Bliesgau. Die Krimis von Marlian Wall haben alles, was ein guter Regionalkrimi braucht: Einen spannenden Plot, eine gute Portion Lokal- und Regionalkolorit sowie Ermittler, die entweder von hier stammen oder das Land fast wie nebenbei kennen- und schätzen lernen. Dass wir die Schauplätze kennen oder kennen könnten und vielleicht auch den einen oder anderen Akteur wiederzuerkennen glauben, macht es noch spannender.

Auch die Queen of Crime des Saarlandes, Krimikönigin Elke Schwab, veröffentlicht ihre Kriminalromane mal über einen Verlag, mal im Book-On-Demand-Verfahren. Die mehrfach mit dem HomBuch-Krimi-Preis ausgezeichnete Autorin wurde am 3. Juni 1964 in Saarbrücken geboren, ist in Saarlouis aufgewachsen und hat viele Jahre im Sozialministerium im Bereich Altenpflege gearbeitet. Seit 2000 tummelt sich die Saarländerin auf dem deutschen Krimi-Markt. Sie ist eine Vielschreiberin, und zwischen den Reihen um Kommissar Kullmann & sein Team – beziehungsweise inzwischen auch schon seine Nachfolger – und der Reihe um Baccus und Borg hat sie unter anderem auch einen Kinderkrimi und viele Kurzgeschichten veröffentlicht. Keine andere ist so erfolgreich wie sie, und keine andere hat so viel spannende Unterhaltung aus so vielen Teilen des Saarlandes auf den Markt gebracht. Und fast nebenbei auch noch an den drei Sammelbänden „Saarland: Krimiland“ mitgewirkt. Elke Schwab ist eine Meisterin darin zu zeigen, welch kriminelles Potential im kleinsten Flächenbundesland steckt. Und zu beweisen, dass es hier nicht nur viele besonders schöne und markante Orte gibt, sondern auch tolle und spannende Geschichten.

 

Saarländische Krimi-Anthologien:

  • „Letzte Grüße von der Saar“, Saar-Krimi-Anthologie, hrsg. von Markus Walter, Taschenbuch (244 Seiten), Conte Verlag, 2007, ISBN 9783936950687, 12,90 Euro
  • „Mord vor Ort 1“, Krimi-Anthologie, hrsg. von Lisa Huth und Karin Mayer Taschenbuch (226 Seiten), Conte Verlag, 2009 ISBN 9783941657021, 12,90 Euro
  • „Mord vor Ort 2“, Krimi-Anthologie, hrsg. von Lisa Huth und Karin Mayer, Taschenbuch (238 Seiten), Conte Verlag, 2011,  ISBN 9783941657410, 12,90 Euro
  • „Nachhaltig tot“, Anthologie / Erzählungen mehrerer Autorinnen und Autoren, von Klaus Brabänder, Karin Mayer u.a., Taschenbuch (240 Seiten), Edition Oberkassel, 2013, ISBN 9783943121216, 9,99 Euro
  • „Saarland-Krimiland“, Fünf Autoren – fünf Fälle, von Elke Schwab u.a. , Taschenbuch ( 170 Seiten), Ulrich Burger Verlag, 2013, ISBN 9783943378139, 9,95 Euro
  • „Der Letzte bläst die Kerzen aus“, SR 3 Geburstatgskrimis, hrsg. von Lisa Huth und Karin Mayer, Taschenbuch (230 Seiten), Conte Verlag, 2015, ISBN 9783956020728, 12,90 Euro
  • „Saarland-Krimiland 2“, Sechs Festivals – sechs Verbrechen, von Christian Bauer, Elke Schwab u.a., Taschenbuch ( 168 Seiten), Ulrich Burger Verlag, 2014, ISBN 978-3943378191, 10,00 Euro
  • „Saarland-Krimiland 3“, Sechs Autoren – sechs Fälle, von Martin Frohmann, Elke Schwab u.a., Taschenbuch (140 Seiten), Ulrich Burger Verlag, 2017, ISBN 978-3943378443, 9,95 Euro