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Kinder- und Jugendliteratur

Von Ruth Rousselange

Bunt wie ein im Sonnenlicht glitzernder Wassertropfen ist die saarländische Kinderbuchszene. Und quicklebendig. Es gibt für jeden was Passendes, für Krippenkinder, für Schulkinder und Jugendliche. Kann man je zu früh anfangen mit dem Buchliebhaben? Nein, kann man nicht, soviel ist klar.

Wilde Bilderbuchspäße

Eine, die seit Jahren die ansprechendsten Bücher schon für Kindergartenkinder macht, und das erfolgreich, ist die in Polen geborene und in Dudweiler lebende Illustratorin und Autorin Dorota Wünsch. Bei renommierten Verlagen, wie dem kleinen, feinen, immer noch unabhängigen Peter Hammer Verlag oder auch bei Kindermann und Hinstorff erscheinen ihre Bücher. Sie sind genauso ungewöhnlich gezeichnet wie erzählt. Man nehme nur die „Monstergrüße am Morgen“ (Text: Sabine Lipan; Hinstorff)), „Das Wild im Marmeladenglas“ (Peter Hammer), das sie mit Viola Rohner zusammen gemacht hat, oder Dorota Wünschs zeichnerische Neuinterpretation von Theodor Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ (Kindermann Verlag). Originell und eigenwillig illustriert Wünsch Figuren mit breiten Mündern, struppigen Frisuren und überlangen Gliedmaßen. Was für schlaksige Typen, ihr Strich ist schräg, wild und wenig lieblich, Anbiederung bei ihrem jungen Publikum kennt sie nicht. Doch sie vermittelt ihm gern ungewohnte Perspektiven, im wahrsten Sinne. Oft wirken ihre frechen Zeichnungen wie aus dem normalen Blickwinkel gerutscht. Bücher wie ihr „Mariechen fraß ’nen Hasen auf“(Peter Hammer) zu Versen von Bill Grossman wird Kindern bestimmt unvergesslich bleiben. Natürlich veranstaltet Wünsch auch Lesungen, da geht es auch auf der Leinwand zur Sache. Dann malt sie, und die Kinder dürfen raten, erfinden und mitmalen – was für ein Spaß.

Auch Catrin Raber aus Schiffweiler ist Bilderbuchautorin. Die freischaffende Künstlerin möchte bei Kindern vor allem Fantasie, Empathie und ihre Sinneserfahrungen wecken. Dazu geht sie mit ihnen im gemeinsamen Dialog mit „Sinfonica Fantastica – eine Reise zu den Grillharmoninkern“ (edition raber) auf Bilderbuchreise. Wortspiele und -neuschöpfungen regen die Kleinen dazu an, der Sprache auf den Grund zu gehen. In Workshops vermittelt Raber Kindern und Jugendlichen Grundlagen des Zeichnens und Malens.

Ran an die Trommeln und lauthals gesungen!

Muss Lesen leise sein? Nicht unbedingt, zumindest nicht, wenn Ibrahima Ndiaye, von allen Ibou genannt, der Autor ist. Ein wahrer Geschichtenerzähler ist der im Senegal geborene und in Saarbrücken lebende Schriftsteller, wo er auch studiert hat. Wenn er Kindern von der Schlange „Mini, Mini, die Füße haben wollte“ (Ottweiler Druckerei) oder aus „Dikum Dakum – die geheimnisvolle Zauberformel“ (Schocolili-Verlag) vorliest und erzählt, wird zudem so ansteckend getrommelt, dass die Kinder lautstark mitsingen. Viele von Ibous Geschichten sind Märchen aus dem Senegal. Durch seine Bilderbücher und seine Musik vermittelt er Kindern afrikanische Bräuche und gibt ihnen einen lebendigen Einblick in eine andere Kultur.

Noch eine, die Kinderbücher textet und illustriert, ist die St. Ingberterin Helga Stalter. 1994 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch, etliche weitere folgten, wie „Scher’ dich in den Himmel“ oder „Das hält doch keine Maus aus“ (alle: Eigenverlag). An Schulen gibt sie Workshops, in denen geschrieben und gemalt wird und Kinder ihr kreatives Potential entdecken und weiterentwickeln können. Die Fantasie der Kleinen zu animieren, ist seit jeher eines von Helga Stalters Hauptanliegen.

Noch mehr Bilder, Bilder und Geschichten

Buch geht auch ganz ohne Text, dafür aber mit noch mehr Bild und enorm wimmelig. Wimmelbilderbücher nennt man die Bücher, bei denen auf jeder Seite viel zu entdecken ist und etliche noch so kleine Details drinstecken. Wie die „Das Saarland wimmelt“-Bände (Bock & Seip GmbH) von Jürgen Schanz und Ralph Dornis. Viele Geschichten findet man in den Bildern, völlig echte Saarländer kommen auch vor, und jeder kann für sich selber noch neue Geschichten dazu erfinden. Für Kinder ab zwei Jahren und eigentlich auch für alle hat der Dudweiler Illustrator Schanz seine Bücher konzipiert.

Apps: Apropos neue Medien, zu den Büchern gibt es auch Apps mit Spielen, Infos, Bildersuche und Quiz. Und außerdem Wimmelmotive als download zum Ausmalen. www.Saarland-wimmelt.de

Saarländische Hexen, Nixen und Esel im Comic

Ungeniert lässt er Wassermänner in der Saar über Saarlouis plaudern oder Riesenkröten ihr Unwesen nahe der Burg Montclair treiben. Auch alte Hexenweiber und reisende Pestmänner sind ihm nichts Neues. Bernd Kissels „Saarlegenden“-Comics (Geistkirch Verlag), die nach einer Textsammlung von Karl Lohmeyer seit 2007 erst als Comic-Strip in der „Saarbrücker Zeitung“ erschienen, sind mittlerweile Kult. Sie haben den in Berus lebenden Zeichner, Trickfilmkünstler und Autor bekannt gemacht. Natürlich liest und zeichnet Kissel auch gerne für Kinder in Schulen, Comics kommen an, gar keine Frage. Mit Autor Flix zusammen hat er „Münchhausen“ (Carlsen Verlag) als Comic neu erzählt. Der in Münster geborene Comicautor und Cartoonist Flix (Felix Görmann) hat übrigens in Saarbrücken an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert. Saarländische Geschichte und Geschichten verarbeitet Bernd Kissel humorig im „Saarland Album“ (Geistkirch). Und in den Reihen „History Time“ und „Faim d’Historie“ des Cornelsen-Schulbuch Verlags zeichnet er zu Texten von Doris & Reinhold Ertel-Zellner. Mit diesen Bänden können Kinder Englisch beziehungsweise Französisch lernen. Außerdem hat Kissel für das ZDF Online-Krimis gezeichnet und geschrieben.

Auch der Wald erzählt was

Ein Förster als Autor? Ja, das geht. Gut sogar. Mit und durch den Wald kann man Kindern viel erklären und erzählen. Tatsächlich, der Wald selbst erzählt Geschichten, man muss nur genau hinhören und -schauen. Der St. Ingberter Bodo Marschall, mittlerweile als Förster im Ruhestand, weiß das genau. Er ist einer, der durch den Wald die Welt erklären will, und das auch kann. In seinen Geschichten geht es lustig, märchenhaft und spannend zu. Versammelt sind sie in „Förster Bodos Märchenwelt“ (KIGA-Fachverlag), dazu gibt es auch „Förster Bodos Waldaktionsbox“, ein Waldtheaterstück für Jung und Alt. Auf Phantasiereise geht es in „Der Zauberkristall“ (Edaphon) und auf Waldabenteuer mit “Mops Rüdiger im wilden Wald“ (Conte Verlag). Bodo Marschall schreibt Naturbücher zum Mitmachen und Nachdenken darüber, was man von Pflanzen und Tieren alles lernen kann.

Freundschaft, Liebeswirren, Erwachsenwerden

Eine erfolgreiche Vielschreiberin für nahezu alle Altersgruppen ist Juma Kliebenstein. Ihre Geschichten sind sowohl erdverhaftet als auch fantastisch. Wie „Mila und der Meermannpapa“ für Kinder ab sechs Jahren, die „Anton und Antonia“-Reihe für etwas Ältere und eine Erstlese-Reihe oder „Tausche Schwester gegen Zimmer“ und „Der Tag, an dem ich cool wurde“. Alle sind beim renommierten Oetinger Verlag erschienen. Kliebenstein ist stets nahe dran an den Problemen und Freuden des Kinderalltags. Familie, Freunde, Zickenzoff, Leben allein mit Papa, angehende Jung-Detektive, ein bisschen Grusel oder das völlig chaotische Leben samt Liebeswirren von Betty in „Bettys ultimativer Berater-Blog“ – was Kliebenstein auch erzählt, sie tut es mit den Kindern auf Augenhöhe. Und einem freundlichen Zwinkern.

Kleiner Exkurs: Es gibt nichts, was es nichts gibt. Kinderbücher bedienen alle Themen, vom Pappbuch bis zur Graphic Novel

An Themen, die in Büchern für Kinder und Jugendliche abgehandelt werden, gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt: Da wären: Klar, der ganz normale Alltag mit normaler Familie, Freunde, Schule, Ferien, aber auch Mobbing, Scheidung, Krankheit, Tod, Verlust von Eltern oder Geschwister, Patchwork-Familie, Singlevater oder -mutter auf Partnersuche, Sexualität, Politik, gesellschaftlicher Wandel, sozial Missstände, Religion, Fanatismus, Vorurteile, Heimat, andere Kulturen, und, und… Alles taucht auf, und zwar in jedem Genre. Vieles sogar schon im Bilderbuch. Dabei ist die Umsetzung vielfältig und der Einfallsreichtum der Künstler, was die Herangehensweise betrifft, groß. Und das ist auch bei den saarländischen Autoren so. Juma Kliebensteins „Speed-Dating mit Papa“, die Jugendbücher von Angelika Lauriel oder „Das Angstmacherchen“ von Markus Heitz seien hier als Beispiele genannt.

Nicht nur der Lemmes…

Den Lemmes sollte man als saarländisches Kind wirklich kennen. Falls das aber nicht so ist, kann Marco Reuther mit „Der Lemmes – das Saarland hat ein Geheimnis“ (Ulrich Burger Verlag) nachhelfen. Aus der merkwürdigen Redewendung hat er einen humorvollen Abenteuerroman gemacht, in dem zwei Freunde ein großes Geheimnis lüften müssen. Der Heusweiler Zeitungsredakteur und Autor hat zudem jede Menge Fantasyromane geschrieben, wie die „Halana“-Bände oder die „Des Königs Verräter“-Bücher für Jugendliche, „Klara Plotzky und der Elfenvampir“ für Jüngere, und er hat sogar ein Kochbuch mit Kurzgeschichten von Fantasy-Autoren herausgebracht. Und auch noch einen eigenen Verlag gegründet, den Armbrustverlag, in dem auch seine Bücher erscheinen. Dort gibt es vor allem natürlich Fantasy, Science Fiction und Thriller, Buchseite um Buchseite voller Magie und Zauberei.

Fantasy – eine unendliche Erfolgsgeschichte

Fantasyliteratur ist Schmökerstoff für alle, nicht nur Erwachsene verschlingen unzählige Bücher dieses Genres, auch Kinder und Jugendliche tun das. Schaut man sich auf den jährlichen Buchmessen um, glaubt man es zu spüren: Die Fantastik-Flut ist noch immer munter am Anschwellen. Kein Abebben der Welle in Sicht! Mit zur Erfolgsgeschichte Fantasy beigetragen hat auch der aus Mainz stammende und in Spiesen lebende Jens Schumacher. Bislang veröffentlichte er rund 80 Bücher und Spiele für jugendliche und erwachsene Leser, darunter Fantasyromane, Krimis, interaktive Spiel- und Sachbücher sowie diverse Ausgaben der international erfolgreichen Rätselspielserie „BLACK STORIES“ (moses Verlag). Dabei handelt es sich um interaktive Rätselgeschichten mit gruselig bis makaberen Themen, die sich bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit erfreuen. Ebenso wie die Mitrate- und Rätsel-Buchreihe „Die Welt der 1000 Abenteuer“ (Mantikore Verlag) oder die „Asmoduin“-Bände (Ueberreuter Verlag) und etliches weiteres Lesefutter für junge Leute. Schumachers Werke sind in 21 Sprachen übersetzt, Texte aus seiner Feder erscheinen regelmäßig in einer bekannten deutschen Zeitung. 2013 wurde Schumacher mit dem Stadtschreiberstipendium der Stadt Hausach im Schwarzwald ausgezeichnet, 2017 erhielt er den Kinder- und Jugendbuchpreis des Saarlandes für „Morlo – Voll auf Steinzeit“ (Ueberreuter Verlag).

Ein Schwergewicht der Fantasy-Szene ist Markus Heitz. Aktuell sind von ihm über vierzig Romane im Bereich Fantastik, Horror und Space Fiction erschienen, zusammen mit einer Auflage von 4,5 Millionen. Mit seinen Büchern heimst er regelmäßig den Deutschen Phantastik-Preis ein. Er schreibt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche, Bücher wie „Drachengift“ und „Wedora“ (beide: Piper) oder „AREDA-Die Rückkehr der Götter“ (Knaur). Auch bebilderte Bücher für kleine Kinder hat er herausgebracht wie „Prima, Monster!“ oder „Schafe zählen ist doof“ (Illu: Joëlle Tourlonias). Eine Gutenachtgeschichte für Kinder, na klar, mit Monster.
Oder „Das Angstmacherchen“ über Ole, der Angst vor Gewittern hat (beide: Baumhaus Verlag; Illu: Monica Parciak).

Lange schon ist auch der Gymnasiallehrer Christoph Marzi erfolgreicher und preisgekrönter Fantasy-Autor. Seine Bücher, wie die „Malfuria“-Trilogie, „Grimm“ oder „Die wundersame Geschichte der Faye Archer“ erscheinen bei Arena, Heyne und Piper. In seine faszinierend-mystische Welt verwebt er mit Vorliebe Stoffe vieler literarischer Vorbilder wie Edgar Allan Poe oder Charles Dickens.

Einen Hexenroman hat die in Saarbrücken geborene Annette John mit „Das Geheimnis des Rosenhauses“ geschrieben. Hexenkind Lulu muss mit einem Fluch, der ihre Familie trifft, zurechtkommen. Dabei lüftet sie das Geheimnis eines mysteriösen Hauses. Ihre Dystopie „Deadline 24“ spielt in der fernen Zukunft, nachdem eine Katastrophe die Zivilisation zerstört hat und die Überlebenden von Hybriden und Halbmenschen bedroht werden.

Zur Fantasy-Literatur im Saarland siehe auch den Beitrag von Kerstin Krämer.

Krimis mit Frankreichstrategie und viel Abenteuer

Eine erfolgreiche Schriftstellerin für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche ist Angelika Lauriel aus Heusweiler. Sie schreibt unter dem Pseudonym Laura Albers Liebesromane mit viel Romantik und französischem Flair für Erwachsene. Und unter dem Pseudonym Angelika Lauriel (eigentlich heißt sie Lauer) zweisprachige Kinderkrimis wie „Le Secret du bunker/das Geheimnis des Bunkers“ (alle: Langenscheidt) mit einer auf Deutsch erzählten Geschichte und französischen Dialogen, die sich gut für den Fremdsprachenunterricht eigenen. Lauriel bedient viele Genres, ihr „Phantanimal“ (Ulrich Burger Verlag) ist ein Fantasy-Roman für Kinder mit Fabelwesen, Formwandlern und Hexen. Daneben schreibt sie auch Jugendromane mit realen Themen wie Gehörlosigkeit, Selbstbetrug oder erste Liebe. Wichtig bei eigentlich allen ihren Büchern sind immer auch Fantasie und eine ordentliche Portion Humor.

Wie, Gedichte – was, Poetry Slam?

Gedichte, öde oder? Kommt ganz drauf an, was man daraus macht… Auf einem Slam mit Mark Heydrich hat sich noch selten ein Jugendlicher gelangweilt. Der in Zweibrücken geborene und in Saarbrücken lebende Autor hat es drauf, Erwachsene und eben auch Jugendliche mit seiner Vortragskunst zu fesseln. Und mit dem, was er schreibt natürlich auch. Meist ist das kurios, quicklebendig, humorig bis sarkastisch und voller merkwürdiger Begebenheiten, egal ob Gedicht oder Kurzgeschichte. Seine Erzählungen, wie den Band „Cloud City“, hat u.a. der Conte Verlag herausgebracht. 2009 wurde Heydrich das Förderstipendium der Stadt Saarbrücken für Literatur verliehen. Von 2008 bis 2013 war er Mitglied der Lesebühne Kanapee Poeten, Trier, und der Saarbrücker Dichterdschungel Lesebühne. Seit 2012 gibt er zusammen mit Andres Dury und Nelia Dorscheid Schreibkurse in er JVA Saarbrücken. Und beweist immer wieder, dass sein literarischer Einfallsreichtum reiche Blüten trägt.

Die Vor-Lese-Vermittler: Der Friedrich-Bödecker-Kreis Saarland

Die kümmern sich ums Lesen: Seit 1987 engagiert sich der Friedrich-Bödecker-Kreis Saarland in der Leseförderung für Kinder und Jugendliche aller Altersklassen. Hunderte renommierte AutorInnen hat er so auf Lesereise ins Saarland gebracht und an Kindergärten, Schulen, Bibliotheken und andere literatur-interessierte Institutionen vermittelt. Diese Autorenbegegnungen sind das Kerngeschäft des Friedrich-Bödecker-Kreises. Den jungen Zuhörern werden Bücher und Vorlesen auf direkte und nachhaltige Weise nahegebracht. Neben den Lesungen finden auch Schreib-Workshops, Bilderbuchkino, Ausstellungen, Frühkindliche Sprach- und Leseförderung, die Reihe „Erlebnis-Lyrik“, die sich nach dem Lehrplan der Schulen richtet, sowie diverse weitere Lese-Projekte wie „Begegnung der Kulturen“ für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund statt. Pro Schuljahr erscheint ein Programmheft, das die eingeladenen Autoren präsentiert und an alle saarländischen Schulen und weitere Einrichtungen verschickt wird, die ihren Wunschautor dann buchen können. Im Laufe der Jahrzehnte waren etliche bekannte Schriftstellen hier. Männer und Frauen der ersten Stunde, die auch immer mal wieder ins Saarland reisen, sind unter anderem Klaus-Peter-Wolf, Fredrik Vahle, Christa Zeuch, Manfred Schlüter oder Jürgen Banscherus. Für den FBK lesen natürlich auch viele, viele saarländische Autoren wie etwa Ibou, Dorota Wünsch oder Jens Schumacher. Der FBK kooperiert u.a. mit dem Theater Überzwerg, dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien und der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse. Seit April 2013 ist Christa Franzreb Vorsitzende des FBK Saarland, davor war Dr. Karin Lauf-Immesberger Vorsitzende, die dieses Amt seit seiner Gründung 1987 betraute. Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus sechs Personen. Die Geschäftsführung hat ihren Sitz im Saarländischen Künstlerhaus, der FBK hat über 200 Mitglieder. Er ist ein gemeinnütziger Verein, den es auch in den anderen Bundesländern gibt. Der FBK-Bundesverband hat seinen Sitz in Magdeburg.

Für die Kleinsten bietet der FBK ein Bilderbuchkino mit den Schauspielern Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner an. Tiefenbrunner ist im übrigen auch Mitbegründer des Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg, Kabarettist und Autor, auch von zahlreichen Kinderbüchern wie „Die geheimnisvolle Insel“ oder „Schwarze Kunst“ (beide zusammen mit Jochen Senf, Mosaik Verlag). Er ist nicht nur ein Erzähl-, sondern auch ein Vorlesekünstler, bei dem Kinder viel zu Lachen haben.
Eine Messe als Bücherfest: Die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse
Einmal im Jahr bringt auch die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse Autoren aus aller Herren Länder ins Saarland, dabei gibt es stets einen neuen Themenschwerpunkt und ein wechselndes Ehrengastland. Die Messe will Austauschort für die Autoren und ein Magnet für Lesebeflissene, aber ganz besonders auch für noch Leseunkundige und Anfänger sein. Zudem gibt es stets muttersprachliche Lesungen von ausländischen Autoren, die von Studierenden der unterschiedlichen Sprachwissenschaften der Universität des Saarlandes begleitet werden. Ort ist, nach vielen Wechseln, mittlerweile die alte Evangelische Kirche St. Johann am Cora-Eppstein-Platz, die dann auch eine große Bücherausstellung von den diversen europäischen Kinder- und Jugendbuchverlagen beherbergt. Nicht umsonst ist Ziel und Motto der Messe „Bücher bauen Brücken“ – sie möchte zwischen den Kulturen und Generationen vermitteln und schon Kindern den interkulturellen Austausch als eine essenzielle Sache nahebringen. Bekanntlich ist es nie zu früh andere Länder, Traditionen, Bräuche und Künste kennenzulernen.

Die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse e.V. ist ein gemeinnütziger Trägerverein mit regionalen und überregionalen Partnern und Sitz in Saarbrücken, der 2002 gegründet wurde. Die Leitung hat Astrid Rech, nachdem sich Yvonne Rech aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat.

Die Preise:

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis
Jährlich vergibt die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse zusammen mit der Stiftung für deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit auch den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis für ein herausragendes Werk der deutschen und französischen Kinder- und Jugendliteratur an einen deutsch- und an einen französischsprachigen Jugendbuchautor. Der Preis ist mit 6.000,- Euro für die beiden Preisträger dotiert, die Übersetzer der beiden Werke erhalten je 2.000,- Euro. Ermittelt werden die Preisträger von einer unabhängigen zehnköpfigen deutsch-französischen Jury. Preisträger waren auf deutscher Seite u.a. Benjamin Tienti, Angela Mohr, Julia Balogh und Birgit Murke.

Der Saarländische Kinder- und Jugendbuchpreis
Alle zwei Jahre vergibt der Minister für Bildung und Kultur den Saarländischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Hier küren Kinder, die zuvor die von einem Beirat vorgeschlagenen Titel lesen, ihren Favoriten. Denn die Jury setzt sich zusammen aus Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I. Erhalten haben den Preis bisher Stefan Gemmel, Erhard Dietl, Michael Kleeberg, Manfred Theisen und Jens Schumacher. Mit diesem Preis will die Landesregierung die Leistung von Kinder- und Jugendbuchautoren würdigen, die mit ihren Büchern dazu beitragen, die Lesemotivation zu steigern.

Auch die jährlich in Homburg stattfindende HomBuch vergibt neben Preisen in den Sparten Belletristik, Krimi/Thriller, Fantasy, Sachbuch auch einen in der Sparte Kinder- & Jugendbuch.

Hier mag man Kinderbücher

In allen saarländischen Buchhandlungen finden sich Ecken mit oder ganze Abteilungen für Kinder- und Jugendbücher. Ganz besonders engagiert ist man in der Poststraße in Merzig. Dort findet man die vielfach ausgezeichnete Buchhandlung Rote Zora, die es seit 1992 gibt und die nach wie vor von ihren Gründerinnen Gudrun Selzer und Ingrid Röder geleitet wird. Sie startete als Kinderbuchhandlung, die auch Literatur von schreibenden Frauen führte, das Sortiment wurde dann später 1996 erweitert. Mehrfach ist ihr Haus bereits als Buchhandlung bzw. Kinderbuchhandlung des Jahres geworden. 2012 wurde sie zu Deutschlands kreativster Kinderbuchhandlung gekürt, die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e. V. (avj) vergibt diesen Preis. 2018 ist sie wieder für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert, den sie auch 2015, im Jahr seiner Erstvergabe, schon gewonnen hat. Dieser Preis ehrt inhabergeführte Buchhandlungen, die sich in besonderem Maße um das Medium Buch verdient machen, sei es durch Leseförderung, Veranstaltungen oder spezielle Geschäftsideen. Kinderbuch ist immer noch ein Schwerpunkt, Autoren wie Juma Kliebenstein, Christoph Marzi oder Markus Heitz lasen schon in der Roten Zora.

Die machen Bücher für Kinder

In Saarlouis sitzt der Kinder Medienverlag, ein Fachverlag für moderne Kindermedien. Dort gibt es viel Lern- und Kreativmaterial, Fibeln, Comic-Malheft, Lern-CDs und -Quartette, aber auch Mal- und Bastelutensilien, Stundenplänen und was Kinder sonst noch so zum Erfahren, Gestalten und Entdecken in der Schule und zu Hause brauchen.

Und jetzt noch kurz: Nicht bloß lesen, auch schreiben

Kinder- und Jugendliche, die sich selber in schreibender Weise mal ausprobieren möchten, können das zum Beispiel in der Lese – und Schreibwerkstatt von Christine Sinnwell-Backes in Nalbach versuchen. Wöchentlich treffen sich dort verschiedene Gruppen und erarbeiten Geschichten, Geschichten, Geschichte. Auch wie man sie vorträgt, wird dort gelernt.

Nicht zu vergessen: Natürlich setzten sich auch die saarländischen Kultur- und Lesetreffs und Bibliotheken fürs Vor-Lesen ein, etwa dadurch, dass sie Kinder- und Jugendbuchautoren zu sich einladen.

Wortsegel-Schreibwettbewerb

Und was die Schulen betrifft: Die Gemeinde Tholey hat 2006 einen Schreibwettbewerb für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 3 bis 13 ins Leben gerufen. Wortsegel heißt er, in jedem Jahr gibt es einen bestimmten Literaten als sogenannten Impulsgeber. Dessen Zitate sollen die Kinder zum eigenen Dichten animieren, sie verarbeiten sie dann thematisch auf vielfältige Art in ihrer Lyrik. 2018 war dieser Impulsgeber zum Beispiel Joachim Ringelnatz. Gewidmet war der Wettbewerb auch schon Wilhelm Busch, Erich Kästner oder Johannes Kühn. Die besten Gedichte jeder Altersklasse zeichnet die Gemeinde Tholey mit einem Preisgeld aus. Zudem stellt der Minister für Bildung und Kultur Preise für die Klassen der Preisträger zur Verfügung und Melusine – Literarische Gesellschaft Saar-Lor-Lux-Elsass e.V. stiftet Buchpräsente und eine einjährige Schnuppermitgliedschaft. Das „Wortsegel“ lässt sich übrigens auch ganz real bestaunen, 13 Meter hoch und 30 Tonnen schwer, es ist eine Stahlplastik in der Nähe von Tholey-Sotzweiler. Professor Heinrich Popp hat sie als „Denkmal für Poesie“ geschaffen. Sie ist auch die Namensgeberin dieses Schreibwettbewerbs. Also, hier heißt’s kreativ sein und mal ein paar Hamburger Ameisen nach Australien reisen lassen…
www.tholey.de

Autorenliste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Markus Heitz,
geboren 1971. Schon immer von der seltsamen Idee besessen, eines Tages Autor zu sein, studierte er zuerst auf Lehramt. Dann wechselte er zum Magister, weil er den Titel „Meister“ als Anrede besser fand, und arbeitete danach als freier Journalist. Seit 2004 liegt der Fokus alleine auf dem Autorendasein. Aktuell sind von ihm über vierzig Romane im Bereich Phantastik, Horror und Space Fiction erschienen, zusammen mit einer Auflage von 4,5 Millionen.

Mark Heydrich,
geboren 1977 in Zweibrücken. Nach einer Maler- und Lackiererlehre studierte er Freie Kunst/Mixed Media an der HBK Saar. Seit 1998 hat er Hunderte von Lesungen und Poetry Slams im gesamten deutschsprachigen Raum absolviert. Er ist seit 2007 im Vorstand des Saarländischen Schriftstellerverbandes und seit 2008 im Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar e.V. tätig. Er lebt in Saarbrücken.

Ibou (Ibrahima Ndjaye),
geboren 1963 in Senegal. Er studierte Germanistik, Romanistik und Anglistik in Dakar und Saarbrücken und war danach als Autor, Schauspieler, Musiker, Tänzer und Geschichtenerzähler tätig. Er erhielt mehrere Preise in Deutschland, Frankreich und Senegal. 2011 wurde Ibou mit dem Adler Award als bester afrikanischer Schriftsteller Europas ausgezeichnet. Er lebt in Saarbrücken.

Annette John,
geb. 1951 bei Saarbrücken, studierte Germanistik und Romanistik. „Das Geheimnis des Rosenhauses“ ist ihr erster Roman.

Bernd Kissel,
geboren 1978 in Saarbrücken, hat in Luxemburg eine Lehre als Trickfilmzeichner absolviert und in einem Trickfilmstudio gearbeitet. Seit 2008 arbeitet er als freier Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen. Er lebt in Berus.

Juma Kliebenstein,
geboren 1972 im Saarland. Sie hat nach dem Abitur ein halbes Jahr in Frankreich gearbeitet und ein weiteres halbes Jahr bei einer Flugzeugfirma in Kanada. Kliebenstein hat Englisch und Deutsch studiert und als Gymnasiallehrerin gearbeitet. Seit 2009 arbeitet sie als Autorin.

Angelika Lauriel,
geboren im Saarland, studierte Übersetzen und Dolmetschen Englisch/Französisch. Sie begann mit dem Schreiben, als ihre drei Söhne aus den Windeln herausgewachsen waren. Sie schreibt Kinder- und Jugendromane – fantastische, kriminalistische und romantische, deutsch-französische Kinderkrimis und Romane für Erwachsene. Angelika Lauriel lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen im Saarland.

Bodo Marschall,
war über 40 Jahren Förster im Raum St. Ingbert. Langjähriger Unterricht als Pantomime und Schauspieler und seine Erfahrungen als Papa von fünf Töchtern helfen ihm, seine Geschichten als mimisches Hörspiel zu inszenieren. Er nimmt die Kinder, aber auch die Erwachsenen, mit auf eine Phantasiereise durch die vier Jahreszeiten; spannend, lustig, märchenhaft und manchmal auch recht sonderbar.

Christoph Marzi,
geboren 1970 in Mayen, aufgewachsen in Obermendig in der Eifel, studierte Wirtschaftslehre an der Universität Mainz. Mit seiner Erstveröffentlichung („Lycidas“) gelang ihm bereits der Durchbruch. Mit „Malfuria“ erschien eine Jugendbuchtrilogie, die in einem magischen Barcelona spielt. 2005 erhielt er den Deutschen Phantastik-Preis. Christoph Marzi ist Vater dreier Töchter, unterrichtet an einem Wirtschaftgymnasium und lebt mit seiner Familie in Saarbrücken.

Catrin Raber,
studierte nach einer Lehre zur Technischen Zeichnerin und eineinhalb Jahren Anstellung, Kommunikations-Design mit Schwerpunkt Buchgestaltung und Illustration in Trier. Die gebürtige Saarländerin lebt und arbeitet heute freischaffend in Schiffweiler. Seit über 17 Jahren erfindet Sie mit Stift, Pinsel und Farbe Bilderwelten für angewandte und freie Arbeiten. Ihr Schaffen findet sich in zahlreichen Büchern, der Werbung und in Ausstellungen in Deutschland und Luxemburg. In Kursen vermittelt sie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Zeichnen und Malen.

Jens Schumacher,
geboren 1974, erfindet Geschichten, seit er einen Stift halten kann. Bislang veröffentlichte er rund 80 Bücher und Spiele für jugendliche und erwachsene Leser, darunter Fantasyromane, Krimis, interaktive Spiel- und Sachbücher sowie diverse Ausgaben der international erfolgreichen Kartenspielserie BLACK STORIES. Seine Werke sind in 21 Sprachen übersetzt.

Helga Stalter,
geboren 1957 in St. Ingbert. Nach der Geburt ihrer Kinder begann sie von ihr erfundene Geschichten zu illustrieren und veröffentlichte 1994 ihr erstes Kinderbuch: „Elefanten haben keinen Geburtstag“. Es folgten weitere. Von 2001 bis 2011 war sie als Künstlerin in den Bereichen freies Schreiben, Illustration und kreatives Gestalten beim muse-e Programm (künstlerisches Programm für Schulen in Europa) tätig. Bis heute arbeitet sie im Nachfolgeprogramm „Kreative Praxis“ (Kulturelle Kooperation an saarländischen Schulen).

Peter Tiefenbrunner,
geboren 1952 in Singen am Hohentwiel. Schauspielausbildung in München, 1978 zog er ins Saarland um, wo er zusammen mit Alice Hoffmann, Ingrid Braun und Jochen Senf das Theater Überzwerg gründete. Kinderhörspiele und -geschichten für den Süddeutschen und Saarländischen Rundfunk hat er geschrieben. Er ist tätig als Autor, Moderator und Sprecher, u.a. für den SR. Tiefenbrunner schreibt und spielt für Kinder und Erwachsene.

Dorota Wünsch,
geboren 1962 in Lodz, Polen. Sie studierte Kunst in Lodz und in Mainz und lebt als freie Künstlerin in Saarbrücken. Sie hat drei mittlerweile erwachsene Kinder.

(Dieser Beitrag wurde im Oktober 2018 abgeschlossen. Die Verfasserin Ruth Rousselange ist Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreises Saarland.)