Hörspiele

Interview mit SR-Hörspielchefin Anette Kührmeyer

Portraitfoto der Hörspielchefin. Sie trägt schwarzes, kurzes Haar und einen dunklen Rollkragenpullover

Anette Kührmeyer, Foto: Tom Gundelwein

FRAGE: Wenn man Darstellungen liest über die Geschichte des Hörspiels beim SR, dann stößt man auf die Pioniertaten aus den 60er und 70er Jahren (siehe Zitat von → Werner Klippert). Wie ist das heute? Es gibt das Hörspiel noch. Welchen Raum nimmt es ein?

KÜHRMEYER: Der Saarländische Rundfunk produziert pro Jahr 7 bis 8 Hörspiele, darunter ist immer ein ARD Radio Tatort und eines für das Saarbrücker Festival „Primeurs“ für frankophone Gegenwartsdramatik, wo es dann live vor Publikum realisiert wird. Über die neuen Eigenproduktionen hinaus senden wir in unserem wöchentlichen Termin am Sonntagnachmittag Produktionen aus dem reichhaltigen Archiv des SR und außerdem wählen wir aus dem großen Hörspiel-Pool der ARD Stücke aus, die in unser Programm passen. Wie dieses Programm dann im Einzelnen aussieht, kann man in unserem halbjährlich erscheinenden Hörspielheft nachlesen.

FRAGE: Und wenn man den Termin am Sonntag verpasst hat, gibt es noch eine Möglichkeit im Internet?

KÜHRMEYER: Die Hörspiele stehen danach noch in der Regel 7 Tage lang in der SR2-Mediathek bereit. Außerdem versuchen wir, mit den Hörern direkt in Kontakt zu kommen, indem wir unsere Hörspiele vor der Ursendung im Radio öffentlich vorstellen, zum Beispiel in den Stadtbibliotheken von Saarlouis und Saarbrücken. Denn wir möchten von den Hörern erfahren: Kommen unsere Hörspiele an? Wie kommen sie an?

Eine Menschengruppe in einem Tonstudio

Foto: SR-Archiv

 FRAGE: Das, was Sie selber produzieren, produzieren Sie aber nicht mehr hier im Haus?

KÜHRMEYER: Etwa seit der Jahrtausend-Wende leidet das SR-Hörspiel unter fortschreitenden Einsparungen, beim Budget, beim Personal, bei den Produktionsmitteln, also auch der Studiokapazität. Von diesen Einsparungen waren allerdings auch andere Bereiche beim SR betroffen.

Nicht zuletzt mit Hilfe anderer ARD-Sender gelingt es uns, pro Jahr sieben bis acht neue SR-Hörspiele zu produzieren, und zwar auf ARD-Niveau. Denn so wie wir Hörspiele von anderen Sendern übernehmen können, stehen auch unsere Produktionen im ARD-Austausch zur Verfügung, und das wird auch genutzt.

FRAGE: Sie leiten das SR-Hörspiel seit 2004 Was machen Sie anders, als Ihre Vorgänger es gemacht haben? Sicher haben sich ja die Rahmenbedingungen geändert.

KÜHRMEYER: Auch vorher wurden beim SR schon Hörspiele französischer Autoren produziert, aber ich habe das deutlich intensiviert und außerdem noch einen zusätzlichen Schwerpunkt auf Autoren aus Québec gesetzt. Der SR gilt inzwischen bundesweit als Vermittler frankophoner Dramatik nach Deutschland. Wir lassen auch Stücke für die Hörspielproduktionen übersetzen und machen sie dadurch überhaupt erst einem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Darüber hinaus hat der SR auf meine Initiative hin das schon erwähnte Saarbrücker Festival Primeurs mitgegründet, das 2016 sein 10jähriges Jubiläum feierte.

Der Vermittlung frankophoner Dramatik ist auch eine weitere Kooperation gewidmet, nämlich die CD-Edition „Dramatik/que – Französisches Theater im deutschen Hörspiel“, diese geben wir seit 2005 gemeinsam mit dem Bureau du Théâtre et de la Dance in Berlin heraus, das ist eine Unterabteilung der französischen Botschaft.

Drei Vorleser sitzen an schwarzen Tischen mit Mikrofonen

SR-Hörspiel Schwanengesänge von Fabrice Melquiot im Nov. 2016 mit den Sprechern (v.l.n.r.) Oliver Urbanski, Taja Seibt, Wolf-Dietrich Sprenger, Foto: SR-Archiv

FRAGE: Aber Sie produzieren schon auch Hörspiele deutschsprachiger Autoren?

KÜHRMEYER: Oft werden Romane oder andere Literaturvorlagen für den Funk bearbeitet. Das können phantastische Hörspiele werden, aber zu unserem Profil beim SR gehört es, mit Autoren zusammenzuarbeiten, die direkt fürs Radio arbeiten, um die Möglichkeiten, die das Medium bietet, wirklich ausschöpfen zu können. Denn wir wollen, dass die Gattung Hörspiel weiterlebt, lebendig bleibt.

Dazu gehört auch, dass sich junge Leute fürs Hörspiel interessieren. Das versuchen wir in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) zu erreichen: Einmal im Jahr bieten wir gemeinsam eine Fortbildung für Lehrer an, damit sie ausgewählte SR-Hörspiele mit pädagogischem Material im Unterricht einsetzen können. Ergänzend dazu haben SR-Hörspiel und LPM 2015 auch eine Broschüre mit Hörspiel-Empfehlungen für alle Schulformen herausgegeben.

FRAGE: Sind unter denjenigen, mit denen Sie zusammenarbeiten, auch saarländische Autoren?

KÜHRMEYER: Es gibt drei Autoren, die ich regelmäßig als Dramaturgin betreue. Zum einen das → Liquid Penguin Ensemble, alsoKatharina Bihler und Stefan Scheib, eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit, bereits seit 2003. Außerdem schreiben →  Erhard Schmied und → Madeleine Giese seit 2008 im Wechsel die ARD Radio Tatorte für den SR.

schwarz-weiß-Aufnahme. Drei Menschen sitzten um einen Tisch und werden aufgenommen. Ein Mann hält das Mikrofon von oben

Foto: SR-Archiv

FRAGE: Woran messen Sie, ob Sie Erfolg haben mit Ihrem Angebot?

KÜHRMEYER: Wenn man will, kann man Erfolg an Auszeichnungen festmachen. SR-Produktionen haben seit 2008 alle nationalen Hörspielpreise gewonnen, nicht nur, aber vor allem dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Liquid Penguin Ensemble. Was ich aber genauso als Messlatte für den Erfolg unserer Hörspiele sehe, ist die Resonanz beim Publikum. Wenn also Zuschauer bzw. Zuhörer sich beim letzten Festival Primeurs entscheiden, dem Live-Hörspiel den Publikumspreis zu geben, dann sehe ich das als Erfolg. Ebenso, wenn unser ARD Radio Tatort im Internet zur Verfügung steht und wir lobende Kommentare von den Hörern bekommen. Und ich sehe es auch als Erfolg an, dass saarländische Lehrer unsere Hörspiele im Unterricht einsetzen.

Das Gespräch mit Anette Kührmeyer führte Rainer Petto am 28.12.2016

SR-Hörspiel auf SR 2 KulturRadio: sonntags, 17 h 04

SR-Hörspiel im Internet: www.sr2.de/hoerspielzeit (bis 7 Tage nach der Sendung) oder SR2-Mediathek