Navigation öffnen

Peter-Wust-Weg

Der Peter-Wust-Weg von Rissenthal nach Wahlen

Von Inge Plettenberg

Der Peter-Wust-Weg ist 2006 eingeweiht worden. Mit seinem engen Bezug zur Philosophie unterscheidet er sich natürlich sehr von all den Premium-Wanderwegen im Saarland, auch von dem durch eindrucksvolle Sandsteinfelsen führenden Rissenthaler Schluchtenweg . Auf dem insgesamt 8,8 Kilometer langen Rundweg von Rissenthal zur Wahlener Pfarrkirche St. Helena sind zehn „Meilensteine“ mit Zitaten Peter Wusts aufgestellt. Da kann man zum Lesen verweilen und sich Gedanken machen. Denn um Gedanken geht es ja.

Geburtshaus von Peter Wust

Der Weg beginnt am Geburtshaus des Philosophen in Rissenthal. Im Inneren eine kleine Ausstellung von Dokumenten und Fotos zu Leben und Werk, wo früher die Scheune war. Ein enger Durchgang zum Wohnbereich: Eine winzige Küche mit Herd zum Anfeuern, eine Stube und eine Schlafstube mit Nachttopf unterm Bett; ein paar alte Möbelstücke. Die Zimmerchen sind eng und niedrig; hier lebten ein Ehepaar und drei Kinder auf engstem Raum zusammen. Und hatten wahrscheinlich dennoch viel mehr Platz als eine Tagelöhner-Familie. Äußerlich hat das Gebäude mit dem Armeleute-Leben der Wusts und der Rissenthaler Bevölkerung nichts mehr zu tun; es ist heute ein adrett verputztes altes Haus aus dem 19. Jahrhundert. Über der Haustür ist eine Gedenkplakette angebracht.

Eine Informationstafel zwischen modernen Edelstahlpfosten an der Professor-Peter-Wust-Straße zeigt eine Karte und erläutert die Route. Wegmarke ist ein weißes Hämmerchen auf schwarzem Grund  – das Werkzeug des Siebmachers. Peter Wusts Vater war Siebmacher, und sein jüngerer Bruder Jakob der letzte im Saarland. Er starb 1976.

Vor der Rissenthaler Kirche steht der erste Meilenstein. Eine Sandstein-Stele mit einer Texttafel aus Metall. Darauf Worte Peter Wusts von 1924: „Tugend ist wohl stets mit Wissen vereint, aber das Maß des Wissens allein entscheidet noch lange nicht über das Maß der Tugend.“

Weiter, dem weißen Hämmerchen nach, durch die Straße Zum Kellerwald, den Berg hinauf. Es soll anstrengend werden; der Wanderer soll nachvollziehen können, wie den Menschen aus Rissenthal zu Mute war, wenn sie sonntags bei Regen, Eis und Schnee über die Höhe zur Messe in die Kirche von Wahlen pilgerten. Zu Fuß. Eine Stunde waren sie unterwegs, wird erzählt. Und dann eine Stunde zurück. Und das mehrmals am Tag. Und Peter Wust selbst wanderte nach der Entlassung aus der Volksschule 1898 anderthalb Jahre lang jeden Tag über den Berg zu Pfarrer Johann Braun ins Pfarrhaus von Wahlen, um sich mit seiner Hilfe für die Aufnahmeprüfung zum Gymnasium vorzubereiten. Morgens eine Stunde hin und abends eine Stunde wieder zurück.

Der heutige Peter-Wust-Weg ist zumindest auf der Rissenthaler Seite nicht mehr der von 1898; der hat einem Neubaugebiet weichen müssen.  Aber der Waldweg ist schön, vor allem an sonnendurchfluteten Herbsttagen. Die Anfangsstrecke ist relativ steil, und wenn man dann auf der Höhe ankommt, auf der es über einen befestigten Feldwirtschaftsweg an Windrädern vorbei weitergeht, wartet der dritte Meilenstein mit den Worten: „Ich wurde Philosoph, um Mensch zu werden. Aber eines Tages entdeckte ich dann, dass man erst Mensch werden müsse, um überhaupt Philosoph werden zu können.“ Irgendwie kommt man sich auf den Spuren des Peter Wust wie auf einem Kreuzweg vor.

WaldDer zehnte Meilenstein steht vor der Pfarrkirche St. Helena im Losheimer Ortsteil Wahlen. Er mahnt mit der letzten Bilanz, die Peter Wust kurz vor seinem Tode aus seinem Leben und seiner Wissenschaft gezogen hat: „Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt.“

Nach eigenem Bekunden hat Peter Wust es auch durch inniges Gebet erreicht, dass die große Wende in seinem Leben tatsächlich wahr wurde, dass er studieren durfte. Maßgeblich an dieser Wende beteiligt war der Wahlener Pastor Johann Braun. In seinem Pfarrhaus paukte er mit dem Siebmacher-Sohn aus Rissenthal zwei Jahre lang für die Aufnahmeprüfung zum Gymnasium in Trier. Und half auch finanziell; denn Vater Wust hatte nicht das Geld, um seinen Sohn studieren zu lassen. Das alte Pfarrhaus existiert nur noch in einer Bleistiftzeichnung; es wurde 1951 für den Neubau der Wahlener Schule abgerissen.