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Wolfgang Brenner

geb. 12. Nov. 1954 in Quierschied

Portrait des Autors

Foto: Privat

Wolfgang Brenner ist ein in verschiedenen Medien erfolgreicher Journalist und Schriftsteller. Seine Bücher, zum Teil Kriminalromane oder Thriller mit zeitgeschichtlichem Bezug, sind in großen Taschenbuchreihen erschienen, er hat Fernseh-Drehbücher für populäre Serien wie „Polizeiruf 110“, „Tatort“ oder „Flughafenklinik“ verfasst. In seinen Werken nimmt er immer wieder Bezug auf seine saarländische Heimat.

Wolfgang Brenner studiert Germanistik (Schwerpunkte Filmtheorie und Literaturverfilmung) und Philosophie in Trier und an der FU Berlin. Von August 1980 bis Oktober 1983 ist er am Philosophischen Institut der FU Berlin als Tutor angestellt und führt begleitende Lehrveranstaltungen für Studenten der Philosophie/Lehramtskandidaten durch. Seit dem Abschluss seines Studiums arbeitet er als Journalist, Autor und Filmemacher in Berlin und im Hunsrück.

Von 1987 bis 1991 Kino-Redakteur beim Berliner „Tip“. Journalistische Tätigkeit für „Spiegel Online“, „Die Zeit“, „Die Welt“, „Stern“, „Taz“, „Tip“, „Tagesspiegel“, „Frankfurter Rundschau“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Rheinischer Merkur“ u.a. Wolfgang Brenners Schmalenbach-Geschichten, die bei dtv und Eichborn in Buchform vorliegen, sind mehr als 17 Jahre regelmäßig in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erschienen.

Immer noch ein bisschen im Saarland

Für Literaturland Saar hat Wolfgang Brenner diesen Lebenslauf geschrieben:

„Ich bin im Saarland geboren. Am 12.11.1954 in Quierschied (genauer im Fischbacher Krankenhaus), wo meine Eltern irgendwo unterm Dach wohnten. Wir sind dann ziemlich schnell in eines der mittlerweile denkmalgeschützten Grubenhäuser nach Maybach gezogen. Dort beginnt meine Erinnerung, dort bin ich auch 1961 eingeschult worden. Mein Vater arbeitete als Steiger auf der Grube Maybach – so wie fast alle Männer der älteren Generation in meiner Familie bei den Saarbergwerken als Bergleute beschäftigt waren. Ich habe noch ein lebhaftes Bild von der Grubenwelt: Gegenüber meiner Grundschule (damals Volksschule) gab es die alten Schlafhäuser, in denen früher Bergleute aus entfernten Regionen des Saarlandes die Woche über hausten. Und mit 12 Jahren bin ich selbst mit meinem Vater in der Grube Göttelborn eingefahren und habe eine ganze Nachtschicht unter Tage erlebt. Das hat mich geprägt – im Guten wie im Schlechten.

1964, da war ich zehn, sind wir nach langen Jahren des mühsamen Eigenheimbaus nach Sotzweiler, also an den Schaumberg, gezogen. Das bäuerliche Nordsaarland war für mich, der ich aus dem Kohlengürtel kam, eine völlig neue Welt. Wir – mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich – brauchten eine gewisse Zeit der Eingewöhnung. Heute ist für mich das St. Wendeler Land eher eine saarländische Heimat als das alte Kohlenrevier um Friedrichsthal, wo meine Familie mütterlicher- und väterlicherseits herstammt.

Ab 1966 ging ich auf das Realgymnasium in Lebach. Nach dem Abitur 1975 verließ ich das Saarland – mit fast 21 Jahren. Ich habe, da meine Frau, auch eine Saarländerin, eine Stelle als Lehrerin in einem kleinen Dorf bei Morbach fand, erst im Hunsrück gewohnt und in Trier studiert und bin dann nach dem Grundstudium nach Berlin gezogen. (Dennoch ist unser erster Sohn 1982 im Saarland geboren – damals ging man als Saarländer „im Reich“ – noch auf Nummer Sicher.)

Heute lebe ich in Berlin und im Hunsrück – und ein bisschen im Saarland. Dort gibt es meine Eltern und die ältesten Freunde, die ich (zum Glück) noch habe.”

Honeckers Geliebte

Das Saarland hat in Wolfgang Brenners Veröffentlichungen immer wieder eine Rolle gespielt. In den 1980er Jahren schreibt er für den Saarländischen Rundfunk eine mundartliche Hörspielreihe „Dahemm“ mit saarländischen Geschichten, er schreibt für den SR eine TV-Serie über das Grenzgebiet, die zwar nicht realisiert wird, jedoch Jahre später in zwei Krimis einfließt: „Bollinger und die Friseuse“ und „Bollinger und die Barbaren“, bei dtv 2007 und 2008 erschienen.

In diesen beiden Romanen sieht sich der Saarbrücker Kriminalkommissar Felix Bollinger nach einer dienstlichen Verfehlung zur Bewährung in die (fiktive) Gemeinde Schauren versetzt, die teils deutsch (Klein-Schauren), teils französisch ist (Grand-Schauren). Hier soll er, als europäisches Pilotprojekt, ein gemischt deutsch-französisches Polizeirevier aufbauen. Doch der Deutsche verstrickt sich ins hinterwäldlerische Milieu des Dorfes und erzielt nur mäßige kriminalistische Erfolge. Saarländisch-lothringische Eigenheiten werden von Wolfgang Brenner sanft karikierend dargestellt, bei der Ansiedlung der Gerichtsmedizin in Saarbrücken (statt in Homburg) macht der Autor von seiner dichterischen Freiheit Gebrauch.

In dem Roman „Die Exekution“ (2000) über die Rückkehr der RAF nach Deutschland gibt es eine saarländische Linie. René Dörffler, EDV-Spezialist im Polizeidienst, hat beim LKA Saarbrücken keine Karrierechancen und lässt sich ans BKA in Wiesbaden versetzen, wo er in ein ganz großes Ding gerät. Aber an den Wochenenden kehrt er immer wieder zurück zu Frau und Kind nach Illingen/Saar.

In „Der Adjutant“ (2003), einem Thriller um die Verschwörer des 20.Juli, hat ein Saarländer aus St. Wendel ein ganz kurzes Gastspiel. Er stirbt auf Seite 1 den Heldentod.

Honeckers Geliebte (2008) im gleichnamigen „Berliner Mauerkrimi“ heißt Erika Schmitz und ist ein Mädchen aus Wiebelskirchen. Ihr Vater arbeitet in Neunkirchen auf der Hütte, er trinkt Becker-Bier aus St. Ingbert und ist Sozi, aber die Tochter ist in der Jungen Union. Bei einer Berlin-Fahrt mit der JU im Jahr 1984 macht sie die Bekanntschaft des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, der ja auch aus Wiebelskirchen stammt und der im Gespräch mit Erika von Heimweh ergriffen wird und in seinen Dialekt verfällt: „Vazeel m’r was aus Wiwwelskerje!“, worauf Erika nichts Besseres einfällt als: „Die neue Umgehungsstraße wird nicht gebaut.“ Es bleibt nicht bei dem offiziellen Kontakt, Honecker ist ein alter Schwerenöter und macht sich hinter dem Rücken seiner Frau Margot gern an junge Mädchen ran. So lädt er auch Erika in seine Wohnung in Wandlitz und dann in ein streng geheimes Bunkersystem des Nationalen Verteidigungsrates ein, wo sie ihn in Feinrippunterwäsche erleben darf. Aber da ist Erika längst in die Fänge des westdeutschen BND und der ostdeutschen Stasi geraten. Im Übrigen war der junge Erich Honecker verliebt in Erikas Tante Trudi, und weil die nichts von ihm wissen wollte, ging er seinerzeit nach Moskau. Die Trivialität, das Klischeehafte der Binnenhandlung des Romans sind durchaus gewollt –die Auflösung bietet die Rahmenhandlung.

Für den SR schreibt Brenner 2008 das Radio-Feature „Der Mörder ist unter uns“ (auch als Hörbuch erschienen), das auf Ereignissen in Weiskirchen/Saar beruht (und mit dem 1. Preis beim Internationalen Feature-Wettbewerb der Stiftung Radio Basel ausgezeichnet wird).

Hubert im Wunderland – Vom Saargebiet ins Rote Moskau“ ist ein Buch über ein saarländisches Schicksal, das – so Brenner – auch nur im Saarland erscheinen konnte. (siehe Oberlinxweiler in Ortsartikel Sankt Wendel

In dem Band „Zwischen Ende und Anfang“ über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland kommen auch zwei Zeitzeugen aus dem Saarland zu Wort. (RP)