Volkmar Gross

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copyright Institut für aktuelle Kunst im Saarland

geb. 29. März 1927 in Saarbrücken, gest. 19. Okt. 1992 ebenda

Der Saarbrücker Maler Volkmar Gross hat ein Tagebuch hinterlassen, das eines der raren Zeugnisse für das Paris-Erlebnis saarländischer Künstler in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist.

Als Student der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken erhält Volkmar Gross durch Unterstützung seines Lehrers, des international bekannten Künstlers Franz Masereel, ein Paris-Stipendium. Diese Stipendien werden auch an andere saarländische Künstler vergeben, sie sollen ein Mittel sein, die Künstler im französisch dominierten Nachkriegs-Saarland kulturell enger an Frankreich zu binden. Andere Stipendiaten sind u.a. Otto Lackenmacher, Fritz Berberich, Oskar Holweck, HansDahlem.

Volkmar Gross bleibt zwei Jahre lang in Paris, von 1949 bis 1951. Er studiert an der Kunstschule „La Grande Chaumière“ und besucht die Kupferstichklasse des „Collège Technique Estienne“. In dieser Zeit entsteht das „Kleine Tagebuch“, von dem eine spätere maschinenschriftliche Abschrift überliefert ist, die möglicherweise nur Auszüge der ursprünglichen Fassung wiedergibt. Der Nachlass von Volkmar Gross befindet sich in den Händen seiner Schwester Dietgard Eckhardt. Angeregt von persönlichem Interesse an Werk und Leben des Malers, der nur wenige schriftliche Dokumente hinterlassen hat, stoßen Claudia und Manfred Fuchs auf das „Kleine Tagebuch“, das von ihnen 2019 im AQ-Verlag von Erwin Stegentritt herausgegeben wird. Es handelt sich um 40 nummerierte, aber nicht datierte Einträge. Der Band enthält zusätzlich zum Tagebuchtext Faksimiles von Gross‘ Typoskript, kleine kommentierte Skizzen aus seinem Pariser Leben, die er an seine Familie in Saarbrücken schickt, und sechs Linoldrucke aus dieser Zeit, kommentiert vom Saarbrücker Kunsthistoriker und Künstler Till Neu, außerdem biographische Angaben, Anmerkungen und ein Nachwort der Herausgeber.

Nach seinem Paris-Aufenthalt ist Volkmar Gross als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Er entwickelt sich zu einem der bekannteren Künstler im Saarland, wird regelmäßig vor allem in der Saarbrücker Galerie Elitzer ausgestellt und erhält u.a. 1979 den St. Ingberter Albert-Weisgerber-Preis.

So knapp die Tagebuchnotizen gehalten sind, werfen sie doch Schlaglichter auf die Situation eines saarländischen Stipendiaten im damaligen Paris. Das Stipendium beträgt 9.000,- ffrs im Monat – ein Amerikaner, den Volkmar Gross kennenlernt, bezahlt allein so viel für sein Zimmer. Das Zimmer des Saarländers hat zu dünne Wände, die Heizung funktioniert nicht richtig, es gibt Wanzen. Das Geld ist oft vorzeitig aufgebraucht, dann schiebt der angehende Künstler Kohldampf und raucht seine alten Kippen. Als endlich wieder Geld ankommt, kauft er Wein, Schmalz und Weißbrot und diniert „herrlich und in Freuden“. Einmal bekommt er bei einer Einladung Austern vorgesetzt: „das Zeug schmeckt scheußlich“.

Volkmar Gross hat in Paris Kontakt mit der Kunstgeschichtsstudentin Annemarie Buschmann, die später Feuilletonredakteurin bei der „Saarbrücker Zeitung“ wird, und mit dem saarländischen Kommilitonen Otto Lackenmacher. In dessen Wohnung gibt es gar keine Heizung, und gelegentlich streckt Gross ihm Geld vor.

Gern würde man mehr erfahren über eine gewisse R., die dem jungen Künstler Modell sitzt, aber auch belegte Brote mitbringt und sein Geschirr putzt: „bin nicht zum Malen gekommen.“

Und wie ist es mit der Kunst? Angesichts von Bildern des sogenannt naiven Malers Henri Rousseau meint der Saarländer: „Ehrlich gemalt – warum quält sich unsereiner eigentlich mit all den Theorien, Krücken und Rezepten herum, die man an Kunstschulen verpasst kriegt?“ An anderer Stelle widerspricht er der Behauptung, dass man ein Bild nur aus Farbtönen aufbauen könne, für ihn ist ein Bild ohne Form „nichts wert“.

Als seine Zeit in Paris abgelaufen ist, empfindet Volkmar Gross Abschiedsschmerz. Zu seiner Ankunft auf dem Bahnhof in Saarbrücken notiert er: „‘Endlich zuhaus‘, sage ich heuchlerisch.“ (RP)

Alle Infos zum Künstler Volkmar Gross im Online-Künstlerlexikon des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis: institut-aktuelle-kunst.de/kuenstlerlexikon/gross-volkmar