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Ulla Vigneron

geb. 1. April 1944 in Friedrichsthal, gest. 6. Nov. 2016, beigesetzt auf dem Friedhof in Petite Rosselle

selbstportrait Ulla Vigneron war eine der „experimentierfreudigsten Autorinnen des Saarlandes“.
Verheiratet mit einem Franzosen, lebt Ulla Vigneron von 1963 bis 1985 in Paris und arbeitet als Designerin und Lektorin. 1985 kehrt sie ins Saarland zurück. In Veröffentlichungen heißt es: „Tätigkeit als Übersetzerin, Fremdenführerin, Lehrerin, Lektorin, Büroangestellte, Designerin und Souffleuse“.

Ihre einzige eigenständige Buchveröffentlichung ist „Einer raucht nStixi“ in der Reihe des Saarländischen Schriftstellerverbands. Katja Leonhardt schreibt in ihrer Dissertation über saarländische Lyrikerinnen der Gegenwart: „Dieser Band enthält Lyrik und Kurzprosa, wobei die Grenzen zwischen den Gattungen meist verschwimmen. Die zahlenmäßig häufigeren Prosatexte sind meist experimenteller Art und weisen starke lyrische Züge auf.“ Die Figuren, aus deren Perspektive Vigneron die Welt betrachte, seien oft Ausgestoßene. Ein häufiges Thema sei die Aufarbeitung der Nazi-Zeit, vor allem dort, wo das totalitäre System bis in die letzten Ecken des Privatlebens vordringe. Von Katja Leonhardt stammt die Formulierung, Ulla Vigneron sei „eine der mutigsten und experimentierfreudigsten Autorinnen des Saarlandes“.

Ulla Vignerons Gesellschaftskritik ist, auch wo sie formal ungewöhnlich erscheint, durchaus konkret. Im Saarbrücker Kulturkalender „kakadu“ veröffentlicht sie ein kritisches Saarbrücken-Gedicht, laut Anmerkung der Autorin entstanden 1992, dem „Jahr, da der Schlachthof ins Exil verbannt wurde, ein Taubenfütterungsverbot und ein Hundeanleingebot ordnungsamtlich u.ä.m. erlassen wurden“. (→ Zitat in Ortsartikel Saarbrücken ) Der Text „Die Brücke von Remich“ ist eine Sympathieerklärung an einen jungen Luxemburger, der an der Grenze gegen die Deutschen demonstriert, „die über die Brücke in sein Remich einreisen, um dort, wie er es empfindet, Kaffee, Zigaretten, Benzin zu plündern“; später protestiert er gegen die Einrichtung eines Drive-In auf der Luxemburger Seite der Brücke. Er ist ein friedlicher, eher schüchterner Demonstrant, aber in einem Gedankenspiel der Autorin sprengt er schließlich die Brücke und lässt die Tankstellen hochgehen.

2011 erscheint in der Saarbrücker Literaturzeitschrift „Streckenläufer“ der innere Monolog eines Mannes, der sinnend in Paris auf dem Pont Mirabeau steht, nachdem die Geliebte aus früheren Zeiten ihm die Urne mit ihrer Asche vermacht hat mit der Auflage, sie in die Seine zu streuen. Dabei entsteht das illusionslose Bild eines Mannes mit Bindungsängsten: „Ich habe deinen Kuss erwidert, ja, und ich habe mich von dir in mein Bett zerren lassen, ebenfalls ja. Aber ich wollte keineswegs Tag und Nacht, Tag für Tag und Nacht für Nacht mit dir in aller Exklusivität den Rest meines Lebens absolvieren.“ (RP) ZITAT