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Theo Schwalb

geb. 28. Februar 1910 in Blieskastel, gest. 25. Oktober 1978 in Blieskastel

Theo Schwalb, der poetische Koch aus Blieskastel, schmiedete Reime auf Kulinarik und Heimatgeschichte.

zwei Männer und eine Frau sitzen am Tisch in einem Haus

Theo Schwalb (rechts)1976 beim Literarischen Freundeskreis des Volksbildungswerks Altstadt. Foto: Martin Baus

Die Kombination von Lyrik und Kochkunst war die Spezialität von Theo Schwalb. Über Jahrzehnte hinweg war das von ihm betriebene Gasthaus eine Institution in der Blieskasteler Altstadt. Zu beinahe jeder Tageszeit war die Wirtsstube Treffpunkt örtlicher Originale wie auch der Honoratioren. Die Küche genoss weit über den Ort hinaus hervorragenden Ruf.

Theo Schwalb stand aber nicht nur hinter Zapfhahn und Herd, er verfasste unentwegt Gedichte, wobei er seine Akzente auf die von ihm zubereiteten Gerichte setzte. Allein in seinem 1973 erschienenen Kochbuch „fein gekochtes gut gereimt“ finden sich drei Dutzend Mahlzeiten, die im Gasthaus Schwalb auch serviert wurden. ZITAT

Obwohl fest in der Region verwurzelt, schrieb der Autor nicht in deren Mundart, sondern in Hochsprache. Teilweise mit Zeichnungen aus eigener Hand illustriert, teilweise mit Skizzen und Bildern des befreundeten Künstlers Hans Dahlem ausgestattet, fanden seine Kochanleitungen in Versen große Resonanz.

Aber auch mit Lokalhistorie befasste sich Theo Schwalb. Arbeiten zu Blieskastel, Kleinblittersdorf und Wolfersheim, letzteres eine Kurzgeschichte, stehen in seinem Werkverzeichnis. Bei seinen Veröffentlichungen „Rund um den Gollenstein“ und „Blieskastel“ handelt es sich um geradezu epische oder balladeske Dichtungen in schlichten Versen, die gezielt auf Humor und Komik setzen, aber auch einer hintergründig-kritischen Seite nicht entbehren. Wilhelm Busch mag Pate gestanden haben.

Sein 1971 erschienener Erstling schließlich beschäftigte sich mit der Geschichte der eigenen Familie. In dieser „Schwalbenchronik“ reflektiert er das tragische Unglück, bei dem der eigene kleine Sohn ums Leben kam, und das ebenfalls mit der Kochleidenschaft in Verbindung steht:

„Der jüngste Schwalb ging in die Weit
und hat per Fahrrad schon gefreit.
In Altstadt fand er, mollig-fein,
vom Naumann-Wirt das Töchterlein.
Die brachte er ins Schwalben-Nest:
Nach einem Jahr, da schien es fest:
Gesichert schien der Schwalbenstamm
als hier ein Sohn, der Willi, kam.
Doch, leider, nach vier Jahren schon,
ward uns genommen unser Sohn …“

Die Verbindung, die Theo Schwalb zunächst über seine Eheschließung mit einer Wirtstochter zu dem Kirkeler Ortsteil Altstadt hatte, hielt noch viele Jahrzehnte, später vor allem über literarische Bande. Beim in den 1970er-Jahren gegründeten und sehr aktiven „Literarischen Arbeitskreis des Volksbildungswerks“ war er häufig und gern gesehener Gast. Theo Schwalb starb 1978, sein legendäres Wirtshaus in der Blieskasteler Gerbergasse ist schon lange verwaist. Das Grab befindet sich auf dem Blieskasteler Friedhof. (MB)