Ralph Schock

geb. 13. Febr. 1952 in Ottweiler

Seitenaufnahme aif Wiese

Foto: Ute Werner

Weit über die Landesgrenzen hinaus hat sich Ralph Schock als Literaturwissenschaftler, Publizist und Literaturredakteur des Saarländischen Rundfunks in der Kultur- und Literaturszene einen Namen machen können.

Schock besuchte das Gymnasium Wendalinum in St. Wendel, wo er auch sein Abitur ablegte. Studierte anschließend Germanistik und Philosophie an der Universität des Saarlandes (u. a. bei Gerhard Schmidt-Henkel), unterbrochen 1973-74 durch die Ableistung des Zivildienstes. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Institut von 1977 bis 1984. In dieser Zeit auch erste eigene literarische Texte. Ab 1978 mit Schmidt-Henkel Aufbau der „Arbeitsstelle für Gustav-Regler-Forschung“, aus der sich später das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsaß entwickelt. Mitherausgeber der „Einzelheiten“ (Saarbrücker Alternativpresse) 1977-78. Promovierte mit einer Dissertation über Gustav Regler.

Von 1987 bis 2017 in der Literaturredaktion des Saarländischen Rundfunks, deren Leiter er 1998 wurde – als Nachfolger von Hans Arnfrid Astel. Führte die Hörfunkreihen „Literatur im Gespräch“, „Fortsetzung folgt“ und „Bücherlese“ fort. Initiierte 1999 als Herausgeber eine Reihe mit jährlich stattfindenden „Reden an die Abiturienten“, gehalten von namhaften Literaten (u. a. Herta Müller, Wilhelm Genazino, Dieter Wellershoff, Guntram Vesper, Juli Zeh). Mitherausgeber der auf 15 Bände angelegten Gustav-Regler-Werkausgabe. Seit 1995 Herausgeber der auf die Großregion bezogene literaturhistorische Reihe „Spuren“.

Maßgeblich beteiligt an der Auslobung zweier Literaturpreise, des Gustav-Regler-Preises der Kreisstadt Merzig und (mit Josef Gros) dem Eugen-HelmléÜbersetzerpreises. Juror auch für weitere Kulturpreise, u. a. Kunstpreis des Saarlandes und Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis.

Seit 1978 Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) und im deutschen PEN-Zentrum (seit 2010).

Neuerdings veröffentlicht Ralph Schock (wieder, wie schon gelegentlich in den 70er Jahren) auch subjektivere, nicht-wissenschaftliche Texte. Sie erschienen in der Saarbrücker Literaturzeitschrift „Streckenläufer“ (Frühjahr 2014, Frühjahr 2016) und in den „Saarbrücker Heften“ (Frühjahr 2016). 2017 legte Schock im Berliner Verbrecher Verlag mit dem Buch „Kaffeeschmuggler und Steckdosenmäuse“ sein literarisches Debüt vor. In 122 Miniaturen erinnert er sich an seine Kindheit in den 1950er Jahren, als das Saarland sich wandelt vom mehr oder minder autonomen „Saarstaat“ zum seinerzeit jüngsten Bundesland der BRD. Martin Willems bringt es in der Zeitung „Junge Welt (vom 9.10.2017) auf den Punkt: „Viele nach 1945 Geborene erkennen womöglich in den teilweise wenige Zeilen umfassenden Erinnerungsfetzen ihre persönliche Adoleszenz. Das ist ein Merkmal wahrer Literatur: dass der Text eines Fremden zum eigenen werden kann.“

Als „Realweltmensch“ agiert Ralph Schock unter seinem Namen in dem Roman „Das Lese-Liebeseheglück“ des georgischen Schriftstellers Giwi Margwelaschwili: eine phantastische Zeitreise, die von 1990 aus u. a. an den Hof der nassau-saarbrückischen Fürsten am Vorabend der Französischen Revolution führt.

Schock lebt in Saarbrücken. (RS)