Karin Klee

geb. 24. Dez. 1961 in Wadern. Lebt im Stadtteil Löstertal, arbeitet in Wadern.

Autorin, Mundart-Kolumnistin, Bibliothekarin und Zeitungsredakteurin,

Sie wirkt sehr zurückhaltend. Weiß aber, wenn es sein muss, sich auch selbst in Erinnerung zu bringen. Sie ist in der Szene vernetzt, als Mitglied und später auch Sprecherin der Bosener Gruppe, als Mitglied der Autorengruppe Zweibrücken und, seit Januar 2018, auch des Saar-Krimi-Kartells Mörderische Schwestern. Im „richtigen Leben“ ist Karin Klee verheiratet, führt ihren Geburtsnamen Gehlen, ist Mutter eines erwachsenen Sohnes und einer erwachsenen Tochter und Großmutter zweier Enkelkinder. Wer sich in Wadern Bücher zum Lesen ausleiht, kann ihr in der Stadtbibliothek begegnen; dort verdient sie ihr täglich Brot. In der „Saarbrücker Zeitung“ schreibt sie eine Kolumne in moselfränkischer Mundart.

Zusammen mit ihrem Mann, der in einem Stahlbetrieb in Trier arbeitet, restauriert sie in Niederlöstern ein hundert Jahre altes Bauernhaus mit riesiger Scheune. Zeitfresser und Groschengrab. Aber wenn man dann in der wiederhergestellten Küche sitzt und sich an „Emil“, Uromas altem Holzfeuerherd, wärmt, auf dem Ehemann Andreas zuvor eine ordentliche Gemüsesuppe gekocht hat, ist sofort klar: die Mühe lohnt sich.

Auf ihrer Webseite erwähnt Karin Klee „20 Jahre Literaturpause“ , nachdem sie, die frisch gebackene Zeitungsredakteurin, 1984 einen Preis beim Saarländischen Mundartwettbewerb gewonnen hatte. Zwanzig Jahre, in denen die Prioritäten anders gesetzt werden mussten. Wegen der (ersten) Heirat und der Geburt zweier Kinder; aber auch, weil eine schwere Erkrankung ihren Tribut forderte.
Nach Kurztexten und zahlreichen Gedichten in Mundart und in Hochdeutsch kam Karin Klee schließlich mit ihrem ersten Buch heraus, der Erzählung „Am Holländerkopf“. Ein Hügel zwischen Wadrillbach und Lösterbach und zwischen den heutigen Waderner Stadtteilen Gehweiler und Löstertal hat der Erzählung den Titel gegeben. Zugleich ist der Holländerkopf aber auch ein Organismus: der Kopf und mit ihm die Innenwelt des an Schizophrenie leidenden Metallarbeiters und gelernten Landwirtes Rainhold Holländer. ZITAT

Die Geschichte spielt sich in einem Dorf namens Laufstein ab; der fiktive Name ist unschwer als Gehweiler am Fuße des Hügels Holländerkopf zu entschlüsseln. Dorfgemeinschaften haben Menschen wie Holländer seit jeher ausgegrenzt; in Zeiten vor der political correctness belegte man sie mit dem diskriminierenden Namen Dorfdepp. Ein psychisch kranker Mann in Gehweiler, der sich am Ende das Leben nahm, hat die Autorin nach eigenem Bekennen zu ihrer Erzählung inspiriert. Am Beispiel des Holländer liefert Karin Klee eine Studie ländlichen Lebens im Hochwald am Anfang des 21. Jahrhunderts, die Maria Croon und Claus Schmauch fortschreibt und aktualisiert.

Seither hat die Autorin sehr viel geschrieben, immer in der kleinen Form. Man wünscht sich und ihr, dass sie wieder einmal eine größere Geschichte erzählt. Schreiben muss sie offensichtlich. Als Mitglied der Zweibrücker Autorengruppe ist sie gefordert, bei den monatlichen Zusammenkünften jedes Mal einen neuen Text zur Besprechung vorzulegen. Bei all den Pflichten des Alltags und des Brotverdienens keine leichte Übung. In vielen ihrer Texte schimmert ein sehr schwarzer Humor. So kann sie auch getragene Stimmungsmomente mit einer sarkastischen Pointe noch kippen. ZITAT

Zu den Prioritäten, die Karin Klee heute in ihrem Leben setzt, gehört auch die Natur. Nicht nur auf dem Weg zu ihrem Roman-Schauplatz Holländerkopf sammelt sie den Müll ein, den Spaziergänger in die Büsche oder an den Wegrand werfen. Oben auf dem Holländerkopf haben im Schutze einer Hecke anscheinend mehrere Leute im Freien Party gemacht und danach Weinflaschen und Plastikteller samt Besteck und Speiseresten in einem blauen Müllsack, der gerissen ist, zurückgelassen. Vielleicht war es dieser Anblick, der Karin Klee in ihrer Mundart-Kolumne zur Definition einer neuen Spezies inspirierte, über die sich die Anthropo-Archäologen in fünfhundert Jahren den Kopf zerbrechen mögen: die Spezies Rieslingmensch, ausgewiesen durch die von ihr in der Natur hinterlassenen Weinflaschen. Wenn diese den Archäo-Anthropologen in fünfhundert Jahren Rätsel aufgeben, wird das Papier der „Saarbrücker Zeitung“ mit der Mundart-Kolumne längst zu Staub zerfallen sein. Karin Klee indessen stemmt sich dagegen, dass die corpora delicti des Rieslingmenschen überhaupt in der Natur zurückbleiben. Deshalb hat sie jedes Mal, wenn sie durch die Wälder streift, einen Müllsack bei sich. (IP)