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Johann Christian (von) Mannlich

geb. 2. Oktober 1741 in Straßburg, gest. 3. Januar 1822 in München

Johann Christian (von) Mannlich war Architekt von Schloss Karlsberg in Homburg und Chronist eigener amouröser Abenteuer.

schwarz weiß Malerei

Selbstportrait

„… ungeordnetes Haar umrahmte ihr frisches, rosiges Gesichtchen. Sie war ein Bild der Gesundheit, und aus den großen blauen Augen, die vertrauend in die Welt blickten, sprach ihre unschuldsvolle Seele. Die leicht angedeuteten Linien ihres schönen, schlanken Körpers und die entwickelten Formen verrieten, daß sie zur Jungfrau herangereift war … ihre Küsse hatten elektrischen Funken gleich mein ganzes Wesen durchdrungen; ich war berauscht und entzückt“: Beileibe kein Kind von Traurigkeit war er, und wenn dereinst einmal seine auf Französisch verfassten Memoiren in neuer deutscher Übersetzung und in vollem Wortlaut veröffentlicht werden, dann wird es aller Voraussicht nach weitere Aufschlüsse über seine amourösen Passionen zumindest in seinen jüngeren Jahren geben. Ob er dann dem ihm vorauseilenden Ruf eines „Zweibrücker Casanovas“ gerecht werden kann, ist eine Frage, deren Beantwortung sicherlich mit Spannung erwartet werden darf.

Verfasst wurden diese Zeilen, die sich auf einen Besuch in jungen Jahren in Kirkel beziehen, von Johann Christian Mannlich, jenem Kunstmaler, Baumeister, Schriftsteller, Buchillustrator, Chronisten, Naturforscher, Höfling, Schöngeist und Galeriedirektor also, der zwei Herzögen am Zweibrücker Hof treue Dienste leistete und nach dem Untergang des Ländchens seine Karriere am bayerischen Königshof in München fortsetzte. Nach Zweibrücken kam er auf Umwegen: Sein Vater Konrad, 1700 in Augsburg geboren, stand als Hofmaler 1726/27 in Diensten von Christian III. in dessen elsässischer Besitzung Rappoltstein (Ribeauvillé). Nachdem sein Herr Herzog von Pfalz-Zweibrücken geworden war – nach dem Tod seines Cousins Gustav Samuel Leopold 1731 –, zog Konrad Mannlich 1733 nach Zweibrücken um. Dort heiratete er Katharina Elisabetha Straß, die Tochter des Glasermeisters Johann Jacob Straß, der auch Vorsteher der lutherischen Karlskirche war. Am 2. Oktober 1741 kam – während eines Aufenthaltes in Straßburg – Johann Christian Mannlich zur Welt.

Naturgemäß machte er unter Anleitung seines Vaters auch die ersten Gehversuche in Sachen Malerei. Zwar war es der erklärte Willen der Mutter, dass er sich auf theologischem Feld ausbilden lassen sollte, doch seine „unwiderstehliche Neigung für die Künste“ war stärker. Nach dem Besuch des Zweibrücker Gymnasiums nahm er 1758 das Studium an der Mannheimer „Zeichnungsakademie“ auf, und zwar als „Pensionär“ von Herzog Christian IV. – der sorgte mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung dafür, dass sich Mannlich sorglos ausbilden lassen und ausgiebige Reisen auch zu Studienzwecken unternehmen konnte. Aber auch die erotischen Eskapaden kamen nicht zu kurz. Insbesondere seine Visite in Italien, die von 1766 bis 1771 währte, scheint in dieser Hinsicht äußerst erlebnisreich gewesen zu sein: Unter der Überschrift „Liebesabenteuer“ wird dem Thema in der wohlgemerkt nur auszugsweise auf Deutsch erschienenen Autobiographie „Rokoko und Revolution“ ein eigenes Kapitel gewidmet. ZITAT

Nach seiner Rückkehr bekam der so vielfältig ausgebildete Maler 1772 eine offizielle Anstellung am Zweibrücker Hof: Mannlich wurde die Leitung der neu gegründeten Zeichenschule und der herzoglichen Gemäldesammlung übertragen. Zudem war er zuständig für die Bühnenstaffage des Theaters, und bald ernannte ihn Christian IV., sein Gönner, zum ersten Hofmaler. Der Tod des Herzogs am 4. November 1775, den er in seinen Erinnerungen ausführlich beschreibt, hatte für das Herzogtum wie für Mannlich selbst gravierende Konsequenzen. Hatte Christian IV. sich den Ruf eines aufgeklärten, modernen Landesherrn erworben, so galt sein Neffe und Nachfolger Karl II. August als absolutistischer Herrscher mit teilweise despotischen Zügen. Mannlich behielt die ihm zugeteilten Aufgabenbereiche bei, bekam aber noch gehörig zusätzliche Arbeit aufgetischt – die Bauleitung von Schloss Karlsberg bei Homburg nämlich. Über bald zwei Jahrzehnte hinweg widmete er sich der Errichtung dieser Landresidenz, die als größter und prachtvollster derartiger Bau des späten 18. Jahrhunderts in Europa gilt.

Ohne jedwede Ausbildung in Architektur musste er sich erst in die Materie einarbeiten und hatte dabei die vielfältigen und ständig wechselnden Wünsche seines Gebieters zu erfüllen. So beschreibt er selbst denn die Veränderungen, die sich mit der neuen Aufgabe für ihn ergaben und welch ungewohntem Druck er sich durch das Schlossprojekt plötzlich ausgesetzt sah: „In dieser Zeit begann mein Amt als Generalbaudirektor sehr anstrengend zu werden. Zur Überwachung und Leitung der Arbeiten mußte ich mich täglich zu dieser neuen Ansiedlung begeben und konnte erst nach der Abfahrt des Herzog in das mehr als drei Meilen entfernte Zweibrücken zurückkehren. Am Morgen zu früher Stunde mußte ich Baugeschäfte erledigen, die Rechnungen durchsehen und die Bezahlungen anweisen, dann in Eile essen und nach dem Karlsberge fahren, wo der Herzog nie fehlte.“

Mannlichs eigene Sammelleidenschaft war es denn auch, die Karl II. August dazu bewog, eine hochkarätige Gemäldesammlung für seine Homburger Residenz in Angriff zu nehmen. Ein unangekündigter Besuch des Herzogs in der Behausung seines Baudirektors in der Zweibrücker Vorstadt war das Fanal dafür. Von den Bildern, die im dortigen Salon hingen, war der Landesherr derart angetan, dass er sie sofort haben wollte: „Wisse Er, daß ich auch welche zu besitzen wünsche und gern mit den seinen den Anfang machen möchte“, machte Karl II. August aus seinem Begehr keinen Hehl. Mannlich, der dem Herzog nicht über den Weg traute und wusste, dass dieser ohne Rücksicht Schulden auf alles und jedes machte, ließ es sich fürstlich dafür bezahlen – in Gestalt einer „lebenslänglichen Rente“, die auf ihn selbst und seine Ehefrau Barbara (die er Ende 1777 geheiratet hatte) ausgestellt wurde: „Diese Rente sollte in Colmar auf die Kasse von Lützelstein im Elsaß angewiesen und eingetragen werden, auf die der Herzog nicht so leicht einen Wechsel abgeben konnte, da sie unter der Oberhoheit Frankreichs stand“.

Mannlich oblag es danach, die Galerie auf dem Karlsberg permanent zu erweitern, und auch die übrigen Sammlungen standen unter seiner Obhut: Das Naturalienkabinett, das Münzkollektion, die Bibliothek und die „Alterthümer“ beispielsweise. Um letzteren Fundus auszubauen, war Mannlich auch archäologisch tätig: So wurde unter seiner Federführung in Schwarzenacker erstmals nach römischen Relikten gegraben; bei dem Areal, das er südlich des heutigen Museums absuchen ließ, wurde ein antiker Friedhof freigelegt, die Funde wurden in die Antikensammlung des Herzogs einsortiert.

Die Französische Revolution setzte dem prunkvollen Treiben des Zweibrücker Hofes in Homburg bekanntlich ein jähes Ende, und es war Mannlich, der alles daran setzte, die wertvollen Exponate vor den Sansculotten in Sicherheit zu bringen: Die „Zweibrücker Galerie“ mit annähernd 2000 Bildern konnte er in letzter Not ebenso retten wie die Bücher oder die Waffensammlung und auch Teile des Inventars. Vieles fiel freilich den Plünderungen und Zerstörungen zum Opfer. Mannheim war der erste Zufluchtsort des Zweibrücker Hofstaates, und Mannlich standen dort weitere schwere Schläge des Schicksals bevor: Seine „siebenjährige Flucht“ nannte er selber diese Zeit, in die hinein der Tod seiner Frau Barbara 1793, das unsichere Exil am Kurpfälzer Hof und auch der Tod von Karl II. August 1795 fielen. Die Erbfolge ging nun an dessen Bruder Maximilian Joseph über, der 1799 Kurfürst der Pfalz und von Bayern wurde.

Als dieser 1799 seine Residenz nach München verlegte und fortan als Maximilian IV. regierte, folgte ihm Mannlich. Die Gemäldesammlung des Karlsbergs bildete dort den Grundstock der „Alten Pinakothek“, die Homburger Bibliothek fand in Bamberg eine neue Bleibe. Mannlich selbst avancierte zum Generaldirektor aller Kunstinstitute, Kabinette und Galerien in München, Mannheim und Düsseldorf; zudem war er ab 1803 als „Kommissar“ zuständig für Inventarisierung und Sicherung sämtlicher Kunstschätze der säkularisierten Klöster. Mannlich betätigte sich fortan auch als produktiver Publizist: Lehrbücher für Kunstschüler, ein Katalog der „kurpfälzischen-bayerischen Gemäldesammlungen“, Veröffentlichungen zu volkskundlichen Themen stehen in seiner Werkliste. Das Bündnis mit dem napoleonischen Frankreich 1806 machte aus Maximilian IV. nunmehr den ersten bayerischen König Maximilian I. Joseph. Er erhob Mannlich zwei Jahre später in den persönlichen Adelsstrand.

SeiNahaufnahme der Brinzebüsetne Memoiren, mit denen er im Alter von 72 Jahren begann und die in deutscher Sprache 1909 auszugsweise von Eugen Stollreither herausgegeben wurden, sind bis heute eine wichtige Quelle für die Zustände in der Endphase des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Johann Christian Mannlich starb am 1. Januar 1822, sein Grab befindet sich auf dem Münchener Südfriedhof. Seine Tochter, 1784 geboren und auf ausdrücklichen Wunsch des Herzogs Karoline Amalie getauft (nach ihm selbst und seiner Frau), führte in den späteren Münchener Jahren Mannlichs Haushalt. Gleichermaßen erging es seinem 1787 geborenen Sohn Karl August Christian, der als königlich-bayerischer Rittmeister im 1. Chevauxlegers-Regiment unter Napoleon am Russland-Feldzug teilgenommen hatte und 1832 in Zweibrücken als Forstmeister starb.

In Homburg ist die Erinnerung an Mannlich noch lebendig im Namen des „Christian von Mannlich“-Gymnasiums, in dessen Eingangsbereich die Bronzebüste Mannlichs steht. Auch eine Straße ist nach Mannlich benannt. Die Runen des nach Mannlichs Plänen gebauten Residenzschlosses sind auf dem Homburger Karlsberg zu erwandern. (MB)