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Georg Fein

geb. 8. Juni 1803 in Helmstedt, damals „Königreich Westphalen“, gest. 26. Januar 1869 in Diessenhofen, Kanton Thurgau, Schweiz

Georg Fein war „Zweiter Redakteur“ bei der „Deutschen Tribüne“ in Homburg, beherzter Satiriker und vieler freiheitlicher Literaten Freund.

„Das Langerwartete ist geschehen: der verantwortliche Redakteur der Tribüne, Johann Georg August Wirth, sitzt in peinlicher Haft. Freitags den 16. März durch einen Gendarmen vom Mittagessen weg vor den Untersuchungsrichter gebracht, wurde er unmittelbar von dort in’s Gefängnis geführt. Die Regierung beschuldigt ihn, durch den Artikel ‚Deutschlands Pflichten‘ in Nr. 29 der Tribüne, und durch alle nachfolgenden Artikel, welche von der Unterstützung des deutschen Vaterlandsvereines handeln, zum gewaltsamen Umsturz der baierischen Staatsverfassung aufgefordert zu haben. Mit einem Worte: die Regierung beschuldigt ihn des H o c h v e r r a t h s !“: Unmittelbar, nachdem Wirth, der Herausgeber der Deutschen Tribüne, in Homburg festgenommen und nach Zweibrücken ins Zuchthaus verbracht worden war, schlug sein Vertreter Alarm, mobilisierte mit dieser Meldung auf dem Titelblatt der weit verbreiteten und viel gelesenen liberalen Zeitung die Öffentlichkeit. „Zweiter Redakteur der deutschen Tribüne“ unterschrieb Georg Fein namentlich den großen, bald vierseitigen Artikel.

Derlei Courage sollte allerdings schwere Konsequenzen für Fein nach sich ziehen. Unmittelbar danach konnte er seinem Chefredakteur im Kerker Gesellschaft leisten, ehe er am 21. März 1832 aus der Pfalz abgeschoben wurde. Dabei war er eigens in die Region Homburg/Zweibrücken gekommen, um bei der „Deutschen Tribüne“ zu arbeiten. Fein gerierte sich in dieser Aufgabe als liberaler Journalist mit polemischem Biss. Ironie und Satire waren stets die Merkmale seiner „Schreibe“. Georg Fein war insbesondere für das Ressort „Auslandsberichterstattung“ zuständig. Der intensiven Korrespondenz mit seiner Mutter ist ein lebendiges Bild jener aufgewühlten Zeit in Homburg zu verdanken. Fein war in Homburg mit der Tochter seines Vermieters verlobt. ZITAT

Mit seiner Abschiebung ging auch das Ende der „Tribüne“ einher: Unter dem gleichen Datum erschien die Zeitung letztmalig vor ihrem Verbot. Seine Inhaftierung und Abschiebung sorgten in Zweibrücken für massive Proteste. So kursierte in hoher Stückzahl ein Flugblatt in der Stadt, in dem zum Widerstand aufgerufen wurde. Die große Menge davon, die im Gasthaus von Peter Ladenberger in Bubenhausen aufgefunden wurde, ließ die Urheberschaft in den einschlägigen liberalen Kreisen vermuten – das Wirtshaus war der Treffpunkt der liberalen Oppositionsbewegung.

Georg Fein wurde nach Winnweiler in der Nordpfalz gebracht. Von dort sollte er über die Grenze abgeschoben werden. Friedensrichter Karl August Klein unterzeichnete den Ausweisungsbefehl freilich nicht, sondern ließ den Verurteilten entgegen allen juristischen Gepflogenheiten einfach frei – und geriet deswegen selbst ins Visier der politischen Justiz, musste schließlich gar die Flucht ergreifen.

Georg Fein indes traf sich auf dem Hambacher Fest wieder mit Wirth und den anderen Zweibrücker Liberalen – hinter den Kulissen wohlgemerkt, um sich nicht weiterer Verfolgungen auszusetzen. Sein Porträt findet sich dennoch auf dem „Hambacher Tuch“, einer Art Reliquie der Demonstration, auf der insgesamt 16 populäre liberale abgebildet sind. Vier Tage danach trat Fein aber wieder bei einem liberalen Volksfest in Bergen/Frankfurt auf. Am 22. Juni 1832 hielt er auf dem Freiheitsfest von Wilhelmsbad bei Hanau vor über 5000 Menschen eine Rede – was zur Folge hatte, dass er fortan in allen deutschen Ländern persona non grata war.

Um sich der fortdauernden Bespitzelung und Verfolgung zu entziehen, floh er zunächst nach Straßburg und von da aus in die Schweiz, wo er von Dezember 1833 an als Redakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“ Anstellung hatte. Im August 1834 musste er die Redaktion wegen seiner antireaktionären Artikel aber schon wieder aufgeben. Unmittelbar darauf baute er in Zürich eine Handwerkerbewegung auf, was zu seiner Ausweisung aus dem Kanton Zürich führte. Fein ließ sich nun in Liestal nieder, der Hauptstadt des liberalen Neukantons Baselland. Dort stand er wieder in Kontakt mit dem „Homburger Hambacher“ Christian Scharpff, der inzwischen führend im „Jungen Deutschland“ war.

In Bern, wo Siebenpfeiffer Asyl bekommen hatte, steuerte er 1834 das Vorwort zur „Sammlung patriotischer Lieder“ bei, in der vor allem die wesentlichen Texte der beim Hambacher Fest gesungenen bzw. als Flugschriften umgelaufenen freiheitlichen Lieder dokumentiert waren. Im Februar 1835 trat Georg Fein ebenfalls dem literarischen Geheimbund des „Jungen Deutschland“ bei und präsidierte dessen Zentralkomitee von August 1835 bis Februar 1836. Wegen politischer Differenzen trat er allerdings im März 1836 wieder aus. Im Juni 1836 wurde er aus der Schweiz ausgewiesen.

Nach Erbschaft finanziell unabhängig – sein Vater war Bürgermeister in Helmstedt gewesen –, begann er, durch Europa zu reisen. Dabei war er mit stetig wechselnden Decknamen unterwegs. Erste Station war Paris, wo er dem „Bund der Geächteten“ beitrat und in dessen Zeitschrift „Der Geächtete“ publizierte, die von einer frühsozialistischen Emigrantenorganisation herausgegeben wurde. Nach einer polizeilichen Vernehmung und der Inhaftierung im Februar 1837 reiste er nach London, wo er einen deutschen Leseverein gründete. Im September 1837 siedelte er nach Oslo über. Viele Reisen führten ihn in den nächsten Jahren nach Straßburg sowie zurück nach London, Paris und in die Schweiz.

Im Jahr 1842 gab er Hoffmanns von Fallersleben von der Zensur in Sachsen gestrichene Vorrede zu dessen „Politischen Gedichten“ mit einem eigenen Nachwort in Straßburg heraus. Im Januar 1843 wurde Fein Präsident der Deutschen Lesegesellschaft in London. Auch militärisch engagierte er sich: Im Winter 1844/45 zog er mit Freischaren der Schweizer Freisinnigen gegen den klerikalen Kanton Luzern. Bei dem Unternehmen geriet er Gefangenschaft. Die braunschweigische und die norwegische Regierung lehnten seine Abschiebung auf ihr Territorium ab, worauf er auf Metternichs Weisung 1846 in die USA deportiert wurde. In Philadelphia hielt er Anfang 1847 eine Vortragsreihe über „Fortschritte der Freiheitsbestrebungen in Deutschland“, die im Herbst des gleichen Jahres in Cincinnati fortgesetzt wurde.

Zeit seines Exils unterhielt Georg Fein teilweise intensive Kontakte und Freundschaften mit bekannten politischen Literaten seiner Zeit, beispielsweise mit Heinrich Heine, Georg Büchner, Jacob Venedey, Harro Harring und Hoffmann von Fallersleben.

Nach der Märzrevolution kehrte er im September 1848 nach Deutschland zurück. In Bremen wurde er zum Ehrenmitglied des demokratischen Vereins in ernannt und nahm als Delegierter der Stadt am zweiten Demokratenkongress Ende Oktober 1848 in Berlin teil. Nur für kurze Zeit amtierte er als Präsident des Kongresses. Unerwartet legte er das Amt auf eigenen Wunsch nieder und ließ sich danach auch nur in den Ausschuss für Organisation wählen. Hintergründe für diesen Rückzug wurden nicht bekannt. Möglicherweise war die Verlobung mit Ernestine Freifrau von König, verwitwete Lastrop, aus Braunschweig der Hintergrund. Sie drängte ihn, sich auf dem Kongress zurückzunehmen. Nach der Eheschließung im März 1849 lebte er bis an sein Lebensende in der Schweiz, zunächst in Liestal und – nach dem Tod seiner Frau – ab 1862 in Diessenhofen.

In seinen letzten Lebensjahren litt Fein an einer Herzkrankheit, die schließlich auch zu seinem Tod führte. Neben seinen publizistischen Arbeiten, z.B. Flugschriften und Zeitungsartikeln, schrieb er bis zum Schluss auch weiterhin politische Gedichte. Eine geplante Autobiographie konnte er nicht mehr verwirklichen. Sein Freund Hoffmann von Fallersleben widmete ihm im Februar 1869 das Gedicht „Nachruf auf Georg Fein“. (MB)