Gerd Fuchs

geb. 14. September 1932 in Nonnweiler, gest. 13. April 2016 in Hamburg

Geboren in Nonnweiler, aufgewachsen in Hermeskeil: “Ich glaube, die frühen Erfahrungen, die Kindheitserfahrungen, sind die mächtigsten” (Interview Detlef Grumbach, “Saarbrücker Zeitung” vom 3. April 1992). Noch während der Schulzeit fasst Gerd Fuchs den Entschluss Schriftsteller zu werden: “Ich würde schreiben. Ich würde Bücher schreiben, ein Schöpfer sein. Ich war sechzehn”.

Nach dem Abitur 1952 in Trier begann Fuchs in Köln in den Fächern Germanistik und Anglistik mit dem Studium fürs höhere Lehramt. Als Werkstudent. “Wenn du studieren willst, hatte meine Mutter gesagt, kannst du das tun, aber du musst es dir selbst verdienen”. Und so ging Fuchs denn im Frühjahr 1954 “nach Herne, Zeche Friedrich der Große, Schacht vier”. Oder stand Modell für Arno Breker, den im Nationalsozialismus geförderten und noch immer geschätzten Bildhauer. 1959 absolvierte Fuchs das Erste Staatsexamen, 1963 das Zweite.

Als Fuchs einer Einladung der Gruppe 47 zu einer Tagung in Berlin folgte, hatte er “nicht mehr als fünf oder sechs Erzählungen” in der Tasche. Dass er “durchkam”, war Günter Grass und Siegfried Lenz zu verdanken. „ Mit dem Text, den ich vorgelesen hatte, hatte ich mich fürs Erzählen entschieden … Und erzählen, das hieß, dass von der Vergangenheit die Rede sein würde. Und die Vergangenheit war der Faschismus, war der Krieg, denn wie sollte man einen Menschen verstehen, wenn man nicht verstand, was er in Russland getan hatte oder in Oradour-sur-Glane oder Lidice oder Auschwitz? Ich spürte, dass sich der Wind längst gedreht hatte. So wollte man nicht gefragt werden.“
(Heimwege, 2010. Seite 199/200)

1964 Feuilleton-Redakteur bei der “Welt”, 1967 Promotion zum Dr. phil. und Kulturredakteur beim “Spiegel”. Seit 1968 freiberuflicher Schriftsteller in Hamburg, Mitherausgeber der AutorenEdition und Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.

Fuchs’ Romane spielen vorzugsweise in der selbsterlebten Zeit, und das oft im Wechsel mehrerer Zeitebenen. Sie sind dennoch keine historischen Romane im Sinne einer Aufarbeitung zeitgeschichtlicher Phänomene. “Der Mensch steht bei mir immer im Vordergrund. Mir geht es darum, zu zeigen, wie sich Menschen in Situationen verhalten, die ihnen ihr Menschsein absprechen.” (Gespräch Thomas Wolter mit Gerd Fuchs, “Saarbrücker Zeitung” vom 24. September 1992)