Navigation öffnen

Franz Juncker

geb. 14. April 1899 in Speyer, gest. 15. Juni 1980 in Homburg

Franz Juncker war Pfarrer, Lehrer, Maler, Dichter – und warmherziger Kritiker seiner Heimatstadt Homburg.

Der Sohn eines Beamten aus Unterfranken studierte, nachdem er nach mehreren Stationen in Homburg das Progymnasium besucht und 1918 in Zweibrücken Abitur abgelegt hatte, Theologie. 1924 heiratete Franz Juncker Gertrud Helene Runck, die Enkelin des protestantischen Pfarrers Heinrich Runck (1833-1899). Von diesem stammt der detaillierte Bericht über den Kriegsbeginn 1870 und die damit verbundenen Ereignisse in Homburg.

Seine erste Pfarrstelle trat Juncker in Gauersheim in der Nordpfalz an. 1931 wechselte er auf die Stelle eines Religionslehrers am Reformrealgymnasium (heute: Saarpfalz-Gymnasium) in Homburg. Die Jahre 1936 bis 1938 stellten die erste produktive Phase seines literarischen Schaffens dar, es entstanden Gedichte und Novellen. Nach Kriegsausbruch unterrichtete er zudem die Fächer Deutsch, Latein und Geschichte, zudem unterrichtete er 1944 in Saarbücken und Neunkirchen „Flak“-(Flugabwehrkanone)Helfer. Völlig unerwartet wandte er sich in dieser Zeit der Malerei zu: Nach ersten Ölstudien 1940 fand bereits 1944 in Homburg die erste Ausstellung seiner Bilder statt. Viele weitere auch andernorts folgten.

Zwischen 1955 und 1980 war Junckers Homburger Wohnhaus Podium der sogenannten „Mittwochsgespräche“ über Kunst, Literatur und Philosophie. Viel beachtet war seine Festrede, die er zum 400-jährigen Stadtjubiläum von Homburg (1958) hielt. 1962 trat er, inzwischen zum Oberstudienrat befördert und unter seinen Schülern als „Mondlouis“ geläufig, in den Ruhestand. ZITAT

Zweifelsohne ist Franz Juncker, der auch dem Saarländischen Künstlerbund angehörte, durch seine Malerei bekannt geworden. Das Gros seiner Lyrik aus den Jahren 1922 bis 1969 befindet sich unveröffentlicht in einer handschriftlichen, kalligrafischen Kollektion. Naturmotive, autobiografische, historische und selbst antike mythologische Themen stehen im Mittelpunkt der etwa 170 Gedichte. Seine Prosatexte behandeln nicht zuletzt aktuelle Probleme seiner Zeit, die er durchaus nicht ohne Kritik und Ironie, dabei aber intellektuell höchst anspruchsvoll anspricht. Die Kunstkritikerin Sabine Graf charakterisierte die Kunst Junckers in einer Rede 2008: „Die Quelle, aus der Franz Juncker seine Welt mit Bildern, ob in Worten oder Bildern speiste, war die vom Schwiegervater gestiftete Bibliothek. Sie diente gleichermaßen der Alltagsflucht wie dem Lebenserhalt. Sie erfüllte das Leben und bildete die Voraussetzung, um sich mit der eigenen Hand als Maler, aber auch als Dichter sein Leben aufzubauen. Wiederum nutzt Franz Juncker die Gedichtform, um sich darüber zu verständigen. Es ergeben sich zwei Ebenen: Die des unmittelbar Schaffenden und des darüber Reflektierenden. So schreibt er in dem Gedicht ‚Für meine Kinder die letzte kleine Predigt‘: ‚Und Glück, das ich im Leben fand, / es ist die Lust, sich Eignes schaffen, / des eignen Geistes eignes Land, / doch nicht um Rang und Gold zu raffen.‘“