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Eugen Helmlé

Portraitfoto schwarz weiß

Foto: Margret Helmlé

geb. 7. Sept. 1927 in Ensdorf/Saar, gest. 27. Nov. 2000 in Sulzbach/Saar

Bedeutender Übersetzer avantgardistischer französischsprachiger und spanischer Literatur, Autor experimenteller Romane.

Schon bald nach der Geburt von Eugen Helmlé (ursprünglich: Helmle) Umzug der Familie von Ensdorf nach Saarlouis. 1932 Umzug nach Neuweiler, 1937 nach Sulzbach. Hier Beginn der lebenslangen Freundschaft mit dem späteren Schriftsteller Ludwig Harig, der ihn in seinen autobiografischen Werken immer wieder erwähnt und mit dem gemeinsam er Raymond Queneaus „Stilübungen“ ins Deutsche überträgt (1961). Erlernt das Konditorhandwerk im väterlichen Betrieb. Diese handwerkliche Vorgeschichte wird in biografischen Darstellungen gern übergangen, nicht so von Ludwig Harig, der in seiner Kunstpreis-Laudatio rühmt: „Die Metamorphosen des Sauerteigs sind ihm ebenso vertraut wie die Verwandlungen der Sprachen ineinander.“ Als Übersetzer ist Helmlé (eigentlich: Helmle) Autodidakt. Schon als Schüler hat er einen Hang zu fremdsprachlichen Wörterbüchern. Um seine französischen Sprachkenntnisse zu verbessern, heuert er später in einem Hotel-Restaurant in Lyon als Konditor an. Als literarischer Übersetzer ist er spezialisiert auf avantgardistische Autoren (wie z.B. René de Obaldia, Georges Perec, Raymond Queneau), die erst durch ihn in Deutschland bekannt werden; zusätzlich wirbt er für sie durch Vorworte, Rundfunk-Essays, Features und Interviews. Bei der Verleihung des Prix Lémanique wird an seinen Übersetzungen gerühmt, er habe „sich dabei auf äußerst schwierige Texte spezialisiert, die ein Höchstmaß an Sensibilität und Gehör für Nuancen, einen wachen Sinn für die Konnotationen von absichtlich von der gewohnten Sprache abweichenden sprachlichen Figuren, für Sprachspiele verlangt und dann natürlich ein Höchstmaß an sprachschöpferischer Phantasie“ (Traugott König). Für die populäre Hörfunkserie „Papa, Charly hat gesagt“ schreibt er in den 1970er Jahren zahlreiche Folgen. Später wird er der von der französischen Autorin Yasmina Reza autorisierte Übersetzer ihrer erfolgreichen Theaterstücke („Kunst“, 1994, „Drei Mal Leben“, 2000). Von Helmlé werden insgesamt mehr als 500 Werke übertragen, Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele, Essays.

Blick auf das Forum

Helmlé beklagt wiederholt die Geringschätzung der Übersetzer. Die Verleihung des Kunstpreises des Saarlands in der Sparte Literatur ist eine Anerkennung der kreativen Leistung seiner Übersetzungen. Der Saarländische Rundfunk regt 2004 den Eugen Helmlé-Übersetzerpreis an, Partner sind die Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und seit 2010 auch die Stadt Sulzbach. Im gleichen Jahr erhält der Platz vor der Sulzbacher Aula den Namen Eugen-Helmlé-Forum.

Ohne E und ohne R

Nachdem er Georg Perecs ohne Verwendung des Buchstaben E geschriebenen Roman „La Disparition“ ebenfalls E-los ins Deutsche übertragen hat („Anton Voyls Fortgang“, 1986), schreibt er selber zwei sogenannt leipo- oder lipogrammatische Romane, „Im Nachtzug nach Lyon“ (1993, ohne E und R) und „Knall und Fall in Lyon“ (1995, zunächst ohne E, dann ohne R).

Foto desgeschliffenen Denkmalsteins

Helmlé ist, wie Harig, Mitglied im Collège de Pataphysique, einer surrealistischen, auf Alfred Jarry zurückgehenden Dichter-Vereinigung mit dem Wahlspruch: „Nur die Pataphysik unternimmt nichts, um die Welt zu retten.“

Mit dem Saarland hat Helmlé sich literarisch nicht weiter befasst, außer dass er in seine Übersetzung von Perecs „La Disparition“ einen entsprechenden E-losen Absatz einschmuggelt („Auch das Saarland tat, was machbar ist.“). Helmlé sei bekanntlich kein überzeugter Anhänger des Saarlandes gewesen, schreibt Harig, weder die saarländische Mutter noch der schwäbische Vater hätten es vermocht, ihren Sohn mit einem landsmannschaftlich geprägten Geist auszustatten: „Der von Eugen absichtlich gesetzte Accent aigu über dem E am Ende seines Familiennamens bezeugte seine Vorliebe zum Französischen und hütete ihn davor, saarländische Gemütsnähe und schwäbische Verniedlichungen zu bekräftigen.“ (RP)
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