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Edmund Hoff

geb. 05. Dez. 1935 in Merzig, Kreis Merzig-Wadern, lebt heute im Merziger Stadtteil Besseringen.

bei einer LesungIm aktiven Berufsleben war Edmund Hoff Grund-und Hauptschullehrer. Erst im Ruhestand fand er Zeit, die Kriegs-und Nachkriegserinnerungen seiner Kindheit in Buchform zu bringen. Der Gollenstein-Verlag publizierte die beiden Bücher und half damit, Zeugnisse saarländischer Kriegs-und Nachkriegskinder der Nachwelt zu erhalten. Die Kinder von damals sind heute zwischen 80 und 90 Jahre alt; viele gibt es nicht mehr, die noch erzählen können. Der Alltag eines Neunjährigen ist keine Chronik; seine Erinnerungen rekonstruieren nicht den Gang der Weltgeschichte und der „großen Politik“, aber sie sind authentisch, widerspiegeln das Leben der Menschen und die Schauplätze ihres Lebens ganz unmittelbar. Edmund Hoff hat dabei mindestens so detailliert wie Gustav Regler in seiner Zeit, Ansichten der Stadt Merzig festgehalten, die man nie wieder sehen wird.

„Seinen“ Krieg erlebte Edmund Hoff teils in Merzig, teils bei den Großeltern mütterlicherseits in dem Bauerndorf Rimlingen, das heute Ortsteil von Losheim am See ist. „1939 bis 1945“, schreibt Edmund Hoff in einer Aufstellung seiner Lebensdaten, „spielte sich für den damaligen Jungen vieles auf dem Weg von der Waldstraße Merzig bis zum Hansenberg Rimlingen ab (zu Fuß, mit leerem oder beladenem Handwagen, mit der Kleinbahn (‚Klinsch‘) von Merzig-Ost bis Bachem und zurück, oder dem Fahrrad.

Über weite Strecken war diese Zeit auch für den kleinen Edmund Hoff eine ganz normale, aus heutiger Sicht trotz der Zeitumstände sehr heile Kindheit mit Obstpflücken, Rollschuhlaufen, Raufereien und Schabernack, dem Dienst bei den Messdienern. Eine einzigartige Kindheit wiederum, weil er selbst sie zum ersten und einzigen Mal erlebte. Zu seinen Kriegserinnerungen im engeren Sinne gehörten Ende 1944 die V2-Abschüsse aus dem Wald bei Losheim und die Angriffe amerikanischer Jagdbomber (Jabos), die auch in einem so abgelegenen und Sicherheit verheißenden Dorf wie Rimlingen Häuser zerstörten und Menschen töteten. Die Ankunft der Amerikaner als abschließendes Kriegserlebnis im März 1945 verlief ohne Blutvergießen; nicht zuletzt, weil die Frauen weiße Betttücher aus ihren Fenstern gehängt hatten. Viel stärker drückte anschließend die Frage, in welchem Zustand das mit allem Inventar zurückgelassene Elternhaus in Merzig bei der Rückkehr aus der Evakuierung vorgefunden würde.

Die Nachkriegszeit in Merzig: Spielen in Trümmerlandschaften, vom Feuer geschwärzte Fensteröffnungen in Ruinen, für Edmund Hoff die „schwarzen Augen“ der Stadt. Aber auch der Weg in ein neues, hoffnungsvolles Leben. Die Schule wird abgeschlossen, aber nicht mit dem Abitur, sondern nach missglückter Aufnahmeprüfung zum Gymnasium „nur“ mit dem Volkschul-Abschlusszeugnis. Als er von einem Bekannten der Familie erfährt, dass man auch ohne Abitur Lehrer werden könne, löst sich mit einem Mal das Problem der lange nicht gefundenen beruflichen Orientierung. 1950 bis 1957 besucht Edmund Hoff das Lehrerseminar in Lebach. Da seine Leidenschaft der Musik gehört, meldet er sich 1955 am Staatlichen Konservatorium in Saarbrücken an, wo er Tonsatz und Violinspiel studiert. Die Musikalität hat Edmund Hoff von seinen Eltern mitbekommen; die Mutter konnte gut singen. Mit zwölf lernte er Geige, auf dem Instrument eines verstorbenen Onkels, und Unterricht nahm er bei dem auch unter Kindern der ersten Nachkriegsgeneration in Merzig wohlbekannten Lehrer Lambert. Weiteren Schliff erhielt die musikalische Früherziehung des Jungen bei Kaplan Flesch und den Messdienern der Kirchengemeinde St. Josef.

Ins Berufsleben als Grund-und Hauptschullehrer startet Edmund Hoff 1957, als er in Orscholz an der Saarschleife seine erste Stelle antritt und kurz darauf an die Katholische Volksschule Weiten wechseln muss. Sein Unterrichtsschwerpunkt ist das Fach Musik. Das Studium am Konservatorium in Saarbrücken muss er dennoch 1958 aufgeben – die öffentlichen Verkehrsverbindungen zwischen Orscholz bzw. Weiten und Saarbrücken sind lückenhaft, die Fahrten im vorhandenen Zeitrahmen nicht zu schaffen. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme. Der Musik bleibt Edmund Hoff dennoch verbunden, nicht nur als langjähriges Mitglied der Landesfachkonferenz und der saarländischen Lehrplankommission Musik. Er absolviert Zusatzausbildungen in Chorleitung u.a. bei den Professoren Karl Berg und Klaus Fischbach, singt u.a. im Spee-Chor in Trier mit, gründet und leitet Kinderchöre, leitet Chöre des Saar-Sängerbundes. Er musiziert instrumental im Hoff-Quartett, hilft beim Aufbau der Streichergruppe des Schulorchesters am Peter-Wust-Gymnasium in Merzig, des späteren Collegium Musicum unter Hans Kohn. 1992 gründet Edmund Hoff das Kammerorchester Merzig. Nach rund 20 Jahren übergibt er die Leitung des Orchesters an Dennis-Jens Ernst und übernimmt das Amt des Konzertmeisters, bis heute. 2017 feierte das Kammerorchester Merzig sein 25jähriges Bestehen.

Zu Edmund Hoffs 1962 gegründeter Familie gehören zwei Söhne, eine Tochter und sieben Enkelkinder. Sein aktives Berufsleben beendete er 1999 als Rektor der Grundschule St. Josef in Merzig, ganz in der Nähe seines ehemaligen Elternhauses in der Waldstraße. Seinen (Un)Ruhestand lebt Edmund Hoff im Merziger Stadtteil Besseringen. (IP)