Edith Aron

geb. 4. Sept. 1923 in Homburg, lebt in London

Edith Aron ist eine in Homburg geborene, in der Nazizeit emigrierte Autorin, die lateinamerikanische Literatur ins Deutsche übersetzte.

Edith Aron, Tochter jüdischer Eltern, verbrachte ihre Kindheit in Homburg. Ihr Vater war der Kaufmann Sigmund Aron, ihre Mutter Elisabeth („Else“) geb. Wolf. In Homburg besuchte sie die jüdische Schule. Keine drei Wochen, nachdem sich das Saargebiet infolge der „Saarabstimmung“ vom 13. Januar 1935 an das nationalsozialistische Deutsche Reich angeschlossen hatte, emigrierte Edith Aron mit ihrer Mutter nach Buenos Aires / Argentinien. Die dafür ausgestellten Auswanderungsdokumente, die sich bei der Stadt Homburg erhalten haben, datieren auf den 18. März 1835. Edith Aron selbst berichtete aus ihrer Erinnerung heraus indes stets, dass die Emigration bereits 1834 erfolgt sei. Die Diskrepanz zwischen offiziellen und persönlichen Angaben ließ sich nicht aufschlüsseln. Der Vater blieb zunächst in Homburg und hielt sich während des Zweiten Weltkrieges in Südfrankreich auf.

Dem Besuch der Pestalozzi-Schule in der argentinischen Hauptstadt folgte Anfang der 1950er-Jahre der Umzug nach Paris, wo sie bald damit begann, Werke von Julio Cortazar ins Deutsche zu übersetzen. Den Schriftsteller hatte sie auf jenem Schiff persönlich kennengelernt, mit dem sie nach Europa reiste, um ihren Vater wiederzusehen. Zu dem 1914 in Brüssel geborenen Schriftsteller entwickelte sie eine intensive Beziehung. Cortázars „Rayuela“ gilt als einer der wichtigsten Romane Lateinamerikas. Die Hauptfigur Maga ist unverkennbar an Aron angelehnt.

In Paris lernt sie Paul Celan kennen. Mit Celans Frau, der Grafikerin Gisèle Celan-Lestrange, blieb sie bis zu deren Tod befreundet. Zu Beginn der 1960er-Jahre hielt sie sich in Westberlin auf, wo sie für den Hessischen Rundfunk insbesondere lateinamerikanische Literatur bearbeitete.

Edith Aron begann auch eigene Texte zu schreiben, vor allem Erzählungen, die auf ihrer Biografie aufbauen. Erfahrungen, Momente und Erinnerungen aus der Emigration, aber auch aus der Kindheit in Homburg sind in ihrer Literatur wiederzufinden. ZITAT

Weiterhin betätigte sie sich als Übersetzerin von Werken aus Lateinamerika. Neben Cortazar übertrug sie auch Jorge Luis Borges und den späteren Nobelpreisträger Octavio Paz ins Deutsche.

Ihre Geburtsstadt Homburg stiftete ihr zu Ehren einen „Edith-Aron-Schulpreis“, der erstmalig 2011 verliehen wurde. Für den Preis war ein Zweijahresrhythmus vorgesehen, die Auszeichnung war mit 1500 Euro dotiert. Prämiert werden sollten damit Arbeiten von Schülern, die sich mit Migration, Emigration und Integration auseinandersetzen. Edith Aron widersprach aber der Verwendung ihres Namens für diese Auszeichnung, da sie nicht aus politischen oder religiösen, sondern aus rein persönlichen Gründen emigriert sei.

Unter der Regie von Boris Penth entstand über mehrere Jahre hinweg ein Dokumentarfilm, in dem das Schicksal Edith Arons nachgezeichnet wird. Das dabei aufgezeichnete Londoner Interview von 2010 ist ein zeitgeschichtliches Dokument. Edith Aaron erzählt darin von ihrer Zeit in der jüdischen Schule in Homburg und von der Machtergreifung der Nazis, die sie als Zehnjährige 1933 miterlebte, ohne die politische Tragweite auch nur annähernd zu erfassen. Detailliert erinnert sich Aron an das Homburg der frühen 1930er-Jahre, an Nachbarn, Straßenzüge, Feste. Und sie berichtet, aus welchem Grund ihre Mutter mit ihr das Saargebiet verließ. Die Nazis spielten dabei kaum eine Rolle. Vielmehr wollte die Mutter nicht mehr länger mit ansehen, wie ihr Mann sie mit anderen Frauen betrog. Elf Jahre war Edith Aron alt, als sie Europa verließ und in Rotterdam den Dampfer Richtung Südamerika bestieg. Der schmerzliche Abschied vom Vater erwies sich Jahre später als Glück im Unglück. Dieser blieb zunächst noch in Homburg, floh jedoch Anfang der 1940er-Jahre nach Südfrankreich, wo er nur zufällig den Fängen der Gestapo entkam. Der Dokumentarfilm „Das Papier sagt nichts, hört zu“ wurde 2015 fertiggestellt. Homburg besuchte Edith Aron letztmals 2003; dabei weilte sie auch in der Ruine der Synagoge. (MB)