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Christian Scharpff

geb. 12. April 1804 in Homburg, gest. unbekannt

Christian Scharpff – radikaler Verseschmied aus Homburg und Mitbegründer des „Jungen Deutschland“.

„Dem großen Ziele, das dein Herz sich hehlet; / Für Bürgerglück, für Kunst und Wissenschaft, / Für edelen Ruhm ist Ludewig beseelet; / Und Bayerns Wohl erblüht in freud’ger Kraft.“: Königstreuer hätten sie kaum ausfallen können, jene Zeilen, die ein „junger Philolog“ auf seinen Monarchen verfasst hatte. Als Bayernkönig Ludwig I. im frühen Sommer 1829 auf Visite in „seiner“ Pfalz war, hatte der Verseschmied in höchsten Tönen eigens Lobgedichte auf den Monarchen und seine Gattin Theresia gereimt.

Ganz gegenteilig klangen indes die Sätze, die derselbe Autor keine drei Jahre später zu Papier und öffentlich zu Gehör brachte: „Der beste Fürst von Gottesgnaden ist ein Hochverräther an der menschlichen Gesellschaft, und erst dann ist ein besserer Zustand an der gesellschaftlichen Ordnung zu hoffen, wenn die Repräsentanten des befreiten Deutschlands und die Vertreter der freien, unabhängigen Völker Europas zu Congressen zusammentreten“.

Christian Scharpff lautet der Name des servilen Untertans, der sich binnen kurzer Zeit zum Demokraten gewandelt hatte. Obwohl er im engsten Umfeld von Siebenpfeiffer und Wirth agitierte, obwohl er auf dem Hambacher Fest eine gewichtige Rede hielt, ist von seiner Biografie vergleichsweise wenig bekannt. Geboren wurde er als Sohn eines Kaufmannes und Uhrmachers 1804 in Homburg. In Zweibrücken besuchte er das altehrwürdige Gymnasium, in dem er die Schulbank unter anderem mit August Ferdinand Culmann drückte, dem späteren Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche und Begründer der Steinkohlengrube Frankenholz. 1823 zunächst Jurastudent in Erlangen, immatrikulierte sich Scharpff 1824 als Student der Philologie in München, von wo aus er 1827 nach Würzburg wechselte.

In dieser Zeit veröffentlichte er erstmals Lyrisches: „Gedichte“ betitelte er schlicht sein „Bändchen“, das er „elegant kattonirt“, im August 1829 im Verlag von Georg Ritter in Zweibrücken in „abgeänderte und vermehrter“ Auflage herausgab. Troffen die Verse darin noch vor schwülstiger Anbiederung, überschwänglichem Pathos und der nationalistischen Aufgeblasenheit der Zeit, so folgte die radikale Kehrwende auf dem Fuß. Als jedenfalls die liberale Bewegung 1831/32 im Raum Homburg/Zweibrücken eskalierte, war Christian Scharpff an vorderster Front mit dabei – als Mitarbeiter und Redakteur der „Deutschen Tribüne“ veröffentlichte er zahlreiche Artikel und Gedichte, er trat als Redner auf dem Fest zu Ehren von Friedrich Schüler Ende Januar in Zweibrücken auf. Eine Lobeshymne auf den gefeierten Landtagsabgeordneten hatte er eigens zu diesem Anlass gedichtet. „Bürgerehre / Wachs‘ und mehre / Wackrer Männer starke Zahl, / Die, wie Schüler, standhaft streiten, / Fest durch Ihn, zum Kampfe schreiten. / Volk, dich ehrt nur solche Wahl!“, heißt es darin.

Scharpff war schließlich auch einer der wichtigsten Redner auf dem Hambacher Fest. Auf der Burgruine über die Rheinebene präsentierte er sich ausdrücklich als Fürsprecher einer Internationalisierung der Demokratie-Bewegung und der „Vereinigten demokratischen Staaten von Europa“. ZITAT

Schon Monate vorher hatte er in der „Tribüne“ seine Vorstellungen dazu unter der Überschrift „Einigung der Völker“ öffentlich artikuliert. An der federführend von Wirth herausgegebenen Dokumentation des Festes war er als Mitarbeiter beteiligt. Auch für die „Zweibrücker Zeitung“, die nun zum Mitteilungsblatt des „Preßvereins“ wurde, war er mit der Feder aktiv. Christian Scharpff wirkte anschließend daran mit, den Vorstand dieser bislang von Zweibrücken aus agierenden Organisation nach Frankfurt zu verlegen – dort hatte er Kontakte zu studentischen Kreisen, die später, im April 1833, in den „Frankfurter Wachensturm“ verwickelt waren.

Am 17. August 1832 wurde Scharpff festgenommen und inhaftiert. Speziell wegen seiner Ausführungen in Hambach stand er genau ein Jahr später als Angeklagter vor dem großen Geschworenengericht in Landau, „weil er durch seine Behauptung, dass von den Fürsten aus Unverstand, bösem Willen oder Herrschsucht keine Verbesserung zu erwarten sei, diese gehässig zu machen versucht und eine gewaltsame Umwälzung für möglich hält“. Trotz Freispruch flüchtete Christian Scharpff 1834 nach Straßburg im Elsaß, wo er dem „Jungen Deutschland“, einer Vereinigung demokratischer Literaten, beitrat. Unter dem Decknamen „Essig“ wurde er in diesem Geheimbund geführt. Kurz darauf wurde er auch Mitglied in dessen „Zentralkomitée“ mit Sitz in Bern – dort hatte sich bekanntlich auch Siebenpfeiffer nach seiner Flucht angesiedelt.

Noch einmal geriet er hier in Konflikt mit der Justiz: In einem Flugblatt, datiert vom 18. Juni 1834, forderte er die „teutschen Soldaten“ auf, nicht länger „Knechte des Soldes, blinde Diener des Gehorsams und der Despoten“ zu sein. Vielmehr sollten sie sich dem „heiligen Bund“ anschließen und für die Freiheit in Deutschland kämpfen. Während alle übrigen Unterzeichner des Aufrufs verhaftete wurden, gelang Scharpff die Flucht. Wiederum hielt er sich in Straßburg auf, wo er sich „wissenschaftlich damit beschäftigte, unsere Volkssprache zum Gegenstand seiner literarischen Forschungen zu machen“ (Neue Speyerer Zeitung, 1. Februar 1835). Zur gleichen Zeit erhielt er an der Universität von Mühlhausen im Oberelsaß eine Professur für deutsche Literatur und Sprache. Noch einige Jahre lang war er in der dortigen Handwerkerbewegung aktiv – 1843 wird er als Vorsitzender des dortigen Handwerkervereins aufgeführt.

Von nun an – Scharpff war kaum 40 Jahre alt – verliert sich völlig seine Spur; Informationen über sein weiteres Schicksal liegen nicht vor. (MB)