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Tholey

Tholey ist der Hauptort des Schaumberger Landes (der Schaumberggemeinde wie es offiziell heißt), mit neun Dörfern zwischen Prims und Blies. Wir sind am südlichen Rand der so genannten Hochwaldromania, in der Galloromanen, unbehelligt von Invasoren, bis ins 8./9. Jahrhundert fortleben konnten. Das Landschaftsbild wird von den Ausläufern des Hunsrück geprägt: Hügel im Wechsel mit Tälern. Tholey, Theley und Sotzweiler gehören dem Naturpark Saar-Hunsrück an. Wegen des milden, zugleich erfrischenden Klimas erhielten Tholey und Theley zudem das Prädikat Luftkurort.

Es sind die Menschen, die Leute, die aus dem Land erst so etwas wie eine Landschaft machen, die Feld und Wald hat und Häuser und Straßen und menschliche Beziehungen … Und insofern sind’s die Leute – vom Tholeyer Mönch bis zu Nikolau Warken dem Eckstein, vom dichtenden “Schang” bis zu den Alten im Bohnental und den Jungen beim Rockfestival auf dem Schaumberg – insofern macht die Summe ihrer Geschichten die Geschichte dieser Landschaft aus, im Schatten des  Schaumbergs. 
(Fred Oberhauser)

Am steil abfallenden Südhang des 569 m hohen, langgestreckten Schaumbergs lagert das “Abteidorf” Tholey. Die Geschichte des Dorfes ist auch die Geschichte der Abtei.
Den Reisenden
ein erstrebenswertes Ziel,
den Dorfbewohnern angenehme Heimat,
das alte Kloster
in Tholey.
(Johannes Kühn, Abtei St. Mauritius in Tholey)

Ein Rundes Portal über der Tür in grauem Stein. Die Verzierungen sind leider nicht mehr gut erkennbar

Das Hauptortal der Abteikirche

Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt steht die dem Hl. Mauritus geweihte Kirche. „Die Abteikirche von Tholey hat einen ganz eigenen Baustil. Die sehr stark reduzierte frühe Gotik vermittelt Einfachheit und Harmonie besonders auch im Innenraum“ (Helga Knich-Walter). Eine Ausnahme machte das Hauptportal: „verhalten wittert das Figurenportal“. „Der Engel Gabriel ist das Lächeln von Tholey, das Tholeyer Teufelchen kauert als Fledermaus in den Blattwerkkapitellen“ (Ludwig Harig). Der Verkündigungsengel steht seit längerer Zeit im Chorraum, „das Lächeln: naiv und listenreich, freundlich und fremd zugleich“ (Fred Oberhauser). Das Teufelchen im Turmuntergeschoss ist hingegen schwer zu entdecken.

Ein stehender Engel mit schräg geneigtem Kopf steht an einer Säule im Chorraum

Der Verkündigungsengel

Unter dem Plattenfußboden dieser Kirche liegen Fundamente einer komfortablen römischen Badeanlage. In ihren Ruinen errichtete auf einer Fläche von 13 mal 15 Metern der fränkische Adelige Adalgisel Grimo die erste Kirche des Saarlandes und vermachte sie 634 der Kirche zu Verdun. Diese wurde zu einem Seelsorgezentrum bis in den Hunsrück hinein. Das Testament ist die älteste Urkunde des Rheinlandes. ZITAT

Im 8. Jahrhundert ziehen Benediktiner ein. Makarios Hebler OSB begründet, “warum gerade hier die Errichtung einer Klosteranlage (und vorher schon einer Kelten-und Römersiedlung) sich als besonders günstig erwies.” ZITAT

Zum Kloster gehörte eine Klosterschule. Womöglich wurden die ersten lateinischen Wendelslegenden von den Tholeyer Mönchen oder Klosterschüler niedergeschrieben. So viele „aufsehenerregende Wunderzeichen“ sie in St. Wendel, am Grabe des Heiligen, auch geschehen lassen, das bedeutsamste Mirakel spielt in Tholey, beim Begräbnis des Heiligen. ZITAT

Im 14. Jahrhundert kam das Gebiet als Amt Schaumburg (weitaus größer als die Schaumberggemeinde heute) an Lothringen, 1787 wegen Grenzregulierung an Pfalz Zweibrücken. Wenig später wird Tholey von französischen Revolutionstruppen besetzt, die Klosteranlage samt Inventar vom französischen Staat versteigert. Die Klosterkirche bleibt als Pfarrkirche erhalten. 1795 wird das Land zwischen Prims und Blies dem Saardepartement zugeschlagen und kommt 1815 als “Amt Tholey” an Preußen. Die Äbte und Mönche jedoch bleiben, so will es die Sage, mit ihrer Wirkungsstätte “ungelöst verbunden”. ZITAT

1949 wird die Abtei wieder belebt. Heute ist die gesamte Anlage mit Kirche, Klostergebäuden, Gästehaus und Klostergarten zu einem “Schmuckstück” geworden.. Nach all den Bauarbeiten sind auch Ruhe und Stille dieses gastfreundlichen Domizils mit seiner schlichten Kirche zurückgekehrt.

Tholey hat seit 2004 auch einen kleinen Verlag namens ETAINA in der Varuswaldstraße 17. Gegründet hat ihn die Rheinländerin Martina Merks-Krahforst, die im Oktober 2017 verstorben ist. Frau Martina Merks war selbst Lyrikerin und als Verlegerin sehr engagiert, in der Grenzregion an der Saar deutsche und französische Autorinnen und Autoren in zweisprachigen Textausgaben zu veröffentlichen, um damit Sprachbarrieren zu überwinden. Im Haus gibt es zudem seit 2007 eine Gedichtwerkstatt. Die “Sprachspielerinnen” haben zum 80. Geburtstag von Johannes Kühn anhand von zehn Zitaten selbst gedichtet. Die Verlegerin hat die Texte rechtzeitig 2014 unter dem Titel “Über die Hügel wehen Verse” herausgebracht, als “Hommage an einen großen Dichter und sehr liebenswürdigen Menschen”.

Wer so lange schon in Tholey lebt, kennt die Landschaft und das Dorf. In der Hommage an Johannes Kühn sind Gedichte auch der Herausgeberin. Das ausgewählte fand ihre Zustimmung: “Bleiben wir bei dem Katzengedicht! Ich mag es sehr.” ® ZITAT

Schaumberg

Foto über ein Feld, Richtung Schaumberg

Schaumberg, Foto: Martin Oberhauser

Und des Südvolks Söldner
hat er gesehn, der Hüter
entfernter Geschichte,
die Sommer
römischer Herrlichkeit
gingen ein in die Augen,
er bewahrt und bewacht.
(Johannes Kühn, Tholey. Meine Wanderkreise, 1990)

Den “Hausberg des St. Wendeler Landes” ersteigt man am besten von seiner nördlichen, der abgeflachten Seite. Durch drei halbkreisförmig angelegte Gräben und Erdwälle führt der Weg aufs Plateau zu den Resten der mittelalterlichen Schauenburg. Jüngst wurden Massivbauten aus der späten Römerzeit freigelegt. Die Sage weiß es seit langem: Eine schnurgerade Straße habe den Spiemont, den “Spähberg” südlich St. Wendel, mit dem Schau(en)berg verbunden. In Sichtweite lagen sich die beiden “Schlösser” der feindlichen Varus-Brüder gegenüber. Der 37,5 m hohe Aussichtsturm, 1928 als Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Saarländer errichtet, wurde 29 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu einer Gedenkstätte der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Dazu noch einmal Makarios Hebler. ZITAT

Vicus Wareswald

Die größte römische Siedlung der Region lag am Schnittpunkt der am meist frequentierten Handelsstraßen und verband Metz mit Mainz und Trier mit Straßburg. Blütezeit im 2. Jahrhundert. Funde beweisen, dass in diesem bis 20 Hektar großen Gebiet eine kontinuierliche Besiedlung von Römern auf Kelten stattfand. Wohl wegen der Namensgleichheit hat hier Rixius Varus, der “blutrünstige Christenverfolger”, seine gerechte Strafe gefunden und wurde zum Wiedergänger. ZITAT