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Sankt Wendel

Das Panoramabild zeigt die Stadt von oben

Hat der Dom nicht/Hirtengestalt/Lagern wie Lämmer/Hügel nicht um/und die Häuser?
(Johannes Kühn, 1965)

Geschichte der Stadt

Der Patron hält die Bibel in der einen, und einen Wanderstock in der anderen Hand

Der Kirchenpatron an der Wendalinusbasilika

Seit Mitte des 7. Jahrhunderts gehörte das an der alten Trierer Straße gelegene Basonvillare dem Bistum Verdun. Das baute den Ort zum kirchlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt seiner Grundherrschaft aus. Um das Jahrtausend ist die Grabstätte des Hl. Wendelin hier bezeugt, schon 1180 sind Kirche und Dorf nach ihm benannt. 1328 erwarb Balduin von Luxemburg, Kurfürst und Erzbischof von Trier, den Besitz, sorgte für Stadtrechte und ließ eine neue Pfarr- als Pilgerkirche erbauen. Der Wendel brachte Wandel und der Wandel Handel: Wallfahrten und eine lange Tradition als viel besuchte Marktstadt. “Die Kirche halte warm und in ihrem Schatten sei gut wohnen” (ein Sprichwort der St. Wendeler).

Das 17. Jh. war ein Jahrhundert der Kriege. 1798 wurde St. Wendel Kantonstadt im Saardepartement und – infolge der Aufteilung der linksrheinischen Gebiete im Wiener Kongress – 1819 Hauptstadt des “Fürstentums Lichtenberg von Sachsen-Coburg-Gotha”. 1834 preußisch, Kreisstadt im Regierungsbezirk Trier.Die großen Auswanderungsbewegungen brachten mit dem Ortsnamen auch den Kult des Heiligen in die neue Heimat.

Wer war dieser Wendelin, dessen weltweite Verehrung vor mehr als tausend Jahren an seinem Grab den Anfang nahm? Die historische Notiz ist dürftig. Um so mehr nahm sich die Legende seiner an. Und die bot genügend Spielraum, den Heiligen nach den Vorstellungen ihrer Verfasser und den Wünschen ihrer Leser immer neu zu gestalten. Ein Paradebeispiel, wie sich im Wandel und Wachstum der Legende die Zeitläufe widerspiegeln.

Auf den Spuren des Heiligen

Der “schönste gotische Bau des Saarlandes” (so das Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler) ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden. In ihrem südlichen Seitenschiff zeigt eine Steinplastik (zwischen 1260 und 1270) den Kirchenpatron so, wie ihn schon die lateinischen Legenden schildern: einen Mönch mit Tonsur und Krummstab. Bis 1989 empfing dieser Wendelin im Gewände des Eingansportals die Pilger (dort jetzt eine Kopie).

aufnahme des oberen Teils der betenden Tumba.

Tumba-Deckplatte mit dem Heiligen Wendelin und den Schafen in der Basilika St. Wendel

Ziel der Verehrung ist die Tumba inmitten des 1360 geweihten Chores, wenn an hohen Festtagen der Reliquienschrein des Heiligen auf ihr zur Schau gestellt wird. Unter den Blendarkaden steht beiden Aposteln auch der hl. Wendel, wiederum im Mönchshabit, neben ihm ein Pilger mit Ränzlein und einer großen Opferkerze. Die “Wendelslade” hat ansonsten ihren Platz im Chorumgang, in einem um hundert Jahre jüngeren Hochgrab.

Die Balduinstraße hoch, geht es rechts über den Kapellenweg ins Bosenbachtal zur Wendelskapelle. (Erbaut nach der 1704 erschienenen Legende von Pfarrer Nikolaus Keller.) In dieser bukolischen Gegend habe der Heilige (ein schottischer Königssohn) als Einsiedler gelebt, hier wurde und wird er als “Beschützer des lieben Viehs” aufgesucht. So präsentiert sich im Altar Wendelin denn auch als Hirte, samt Rind und Schaf, die verschmähte Königskrone mit Füßen tretend. An seiner Seite die Seuchenheiligen Sebastian und Rochus.

Im Baldachin des Brunnens die Inschrift:
“SANCTI PASTORIS QUI FONS DE RUPE SALUTIS/SCATURIT/AEQUE HOMINI SUBVENIT ATQUE GFREGI” (Quelle des heiligen Hirten, die dem Felsen des Heils entspringt, komm zu Hilfe den Menschen und Tieren).
Wendelin ist beides: “Heiland” der Stadt” und “Hirte des St. Wendeler Landes“. ZITAT

Von der Wendelinuskirche führt ein Wendelinus-Pilgerweg zur Mauritiuskirche in Tholey, ein Wendelinus-Rundweg über die Wendelskapelle.

Große und kleine Geschichten

Die Stadt hat ihre großen und kleinen Geschichten, Anekdoten und Sagen. Häuser, Straßennamen und Denkmäler erinnern an sie.

Seitliche Aufnahme der ganzen Statue

Bronzestatur des Nikolaus von Kues

Seit Ende 2013 steht am Fruchtmarkt vor dem Pfarrgarten überlebensgroß das Denkmal für Nikolaus von Kues. Der in Kues an der Mosel 1401 geborene Schifferssohn gilt als bedeutendster Philosoph und Theologe des ausgehenden Mittelalters. Weniger bekannt sind seine astronomischen Studien und Experimente. Die Scheibe, die er in Händen hält, zeigt einen von ihm konstruierten Sternenhöhenmesser.

Spätestens 1446 erhielt Nikolaus Cusanus die reich begüterte Wendelspfarre vom Trierer Erzbischof Jakob I. von Sierck als Pfründe. Ein von ihm bestellter Pfarrer übernahm statt seiner die Seelsorge. Vermutlich zeigte Cusanus sich erkenntlich und stiftete die Kanzel in der Wendelinuskirche. Eines ihrer Wappenschilder zeigt sein Wappen: einen roten Krebs auf silbernem Grund; darüber der Kardinalshut. Urkundlich belegt ist die Schenkung nicht. Wie auch immer, die Stadt hält Cusanus hoch in Ehren. Auf dem großen Platz vor der Kirche ist eine Bodenplatte eingelassen, die Inschrift: “COINCIDENTIA OPPOSITORUM” (Das Ineinsfallen der Gegensätze). Dazu wurden eine Straße und ein Gymnasium nach ihm benannt.

Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Tode des großen Philosophen hat ein Reichsritter seine Spuren in der Stadt hinterlassen: Franz von Sickingen. Der Hauptmann der oberrheinischen Ritterschaft zog von seiner Burg Nannstein oberhalb Landstuhl 1522 gegen den Trierer Kurfürsten Richard von Greiffenklau und stürmte am 3. September, unterwegs sozusagen, die kurtrierische Stadt St. Wendel.

Die Steintafel ist mit der Basilika verbaut und trägt die Aufschrift: "Beschießung und Plünderung der Stadt: 1522"

Steintafel an der Wendelinskirche

Eine Steinkugel und eine Tafel am südöstlichen Strebepfeiler des Chorhauptes erinnern an “Beschießung und Plünderung der Stadt 1522“. Franz von Sickingen zog über den Hochwald weiter nach Trier, seinen Sohn Johann ließ er mit einer kleinen Besatzung sicherheitshalber zurück. Der aber glaubte sich dem tierischen Feldhauptmann Gerhard von Isenburg nicht gewachsen und floh durch eine Bresche in der Stadtmauer: dem “Sickinger Loch”. In der Oberstadt hält ein Rest der Mauer die Erinnerung wach (Wegweiser an der Balduinstraße).

Die Aufnahme zeigt den Oberkörper der Statue hinter dem Eingangsgeländer

Bronzestatur der Herzogin Luise auf der Rathaustreppe in St. Wendel

Die Historie verliert sich in die Sage: Das “Fränzchen” (das sich schon als Kurfürst gesehen hatte) soll durch einen Boten seinem Sohn befohlen haben, „den Kirchenschatz des heiligen Wendelinus zu rauben, die Gebeine des Ortspatrons zu vernichten und die Stadt einzuäschern. Der Borte aber kam zu spät. – Und alles war wieder gerettet“. Ein Jahr nach der Erstürmung der Stadt wird Franz von Sickingen auf seiner Burg schwer verwundet und stirbt.

Die St. Wendeler werden heute noch als “Coburger” gehänselt. Sie verdanken das Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Verdienste bei Waterloo: 1816 bekam er einen schmalen Landstrich zwischen St. Wendel und Baumholder zugeteilt, den er “Fürstentum Lichtenberg“ taufte, mit St. Wendel als Kapitale. Die kleine Residenz bekam bald ihre Romanze. Seine Frau, Herzogin Luise, die mit den Jahren mehr ihrem Stallmeister als ihrem Gemahl zugetan war, wurde 1824 von Coburg nach St. Wendel ausgewiesen. Wo sie das ehemals kurtierischen Amtshaus, Schlossstraße 7 bezog (heute Rathaus 1, mit Luisenzimmer). So steht die Herzogin denn auch in figura, modisch gekleidet, auf dessen Freitreppe.

Kaum angekommen, schrieb Luise an ihren Gemahl: “Die Gegend muß im Sommer recht freundlich sein. Die Stadt ist sehr Gräßlich”. Nach der Scheidung heiratete Luise im Oktober 1826 ihren zum Grafen beförderten Stallmeister und hielt Hof. “Und nun begann eine kostbare Zeit höfischen Lebens für unsere kleine Stadt“ (Max Müller). Luise pflegte Kontakt mit Jedermann, gleich welchen Standes. Fuhr auch gern vierspännig in die Umgebung. „Frau Herzogin“, sagte eines Tages die „Schulbarwel”, die Wirtin Barbara Volz von Niederlinxweiler, zu ihr, „wie han Sie et doch so scheen geje us geblkode [geplagte] Bauerschleit, Sie kenne in der Schees fahre, wann Sie wolle, un immer sammetne un seidene Kleider ahnduhn.“ Die Herzogin, wird überliefert, habe daraufhin tief geseufzt: „Sina Sie nur zufrieden, gute Frau, unter Sammet und Seide wohnt oft großes Leid.“ Der Seufzer rührt die “Coburger” heut noch, sagt man.

Ein Heft mit der Geschichte und Geschichten von St. Wendeler NationalfestMit dem Herzog und seinem Beamtenstaat verstanden sich die “Coburger” weniger. 1832, am selben Tag, an dem auf dem Hambacher Fest die Souveränität des Volkes und die Einheit Deutschlands gefordert wurden, errichteten St. Wendeler Bürger auf dem Bosenberg einen “Freiheitsbaum”: einen mit schwarz-rot-goldenen Bändern umwundenen Maibaum. Der Herzog reagierte: er rief preußische Soldaten ins Ländchen und verkaufte es 1834 an Preußen.

Die Statue hält sich ihren Babybauch und hat ein Foto in der Hand

Eine fast lebensgroße Bronze-Statue von Lenchen Demuth steht in St. Wendel.

„Ein Fest im Demokratennest” nennt Gerhard Bungert sein Hörspiel. Das beginnt mit der Herzogin, die „nähwenaus gang is“, und endet mit „Die Preiße komme … Jetzt isses aus“.

In der Oberstadt begenet man Helene (Lenchen) Demuth. Die treue Haushälterin der Familie Jenny und Karl Marx stammt aus St. Wendel. Sie wurde in der Obergasse als fünftes von sieben Kindern des Tagelöhners, Bäckers und Ackerers Michel Demuth geboren. Die Gasse gibt es nicht mehr, das Geburtshaus ist abgerissen, vor dem leeren Platz ihre Skulptur: hochschwanger, in der Linken ein Bild von Karl Marx.1845 war Lenchen (auch Nim, Nimmy und Nimmche genannt) in den Dienst der Familie Marx gekommen und ging mit ihr nach London, “im höchsten und edelsten Sinn das Mädchen für alles” (Wilhelm Liebknecht, 1896). Es durfte nur nicht darüber gesprochen werden, dass der Vater von Lenchens Sohn “Freddy” der Hausherr selbst war. In ihre Heimat kam Lenchen oft zu Besuch: „Außerdem habe ich Lenchen, die sehr krakschälig, seit lange versprochen, sie nach ihrer Heimat zu fördern, wo sie nicht ganz gratis leben kann. Außerdem hat die Familie noch allerhand Anschaffung für die Reise nötig.“ So der immer in Geldnöten lebende Karl Marx im Brief vom 23. Juli 1877 an Friedrich Engels.

Gerhard Bungert und Marlene Grund haben 1983 einen Almanach “Karl Marx. Lenchen Demuth und die Saar” herausgebracht, mit einer Ballade von Ludwig Harig , einem Hörspiel von Gerhard Bungert und Marlene Grund, einer Novelle von Stephan Großmann und – besonders dankenswert – mit einer Auswahl von Briefen, Erinnerungen und biographischen Aufzeichnungen. Ohne sie wüsste man von Helene Demuth, die schreiben nicht gelernt hat, wenig. ZITAT

Regionale Literatur

Sie fand vor allem in den “Heimatbüchern des Kreises St. Wendel” eine breite Leserschaft.

Richard Wenz, 1876 in St. Wendel geboren, ging früh ins Rheinland, das ihm für seine Geschichten auch den Stoff lieferte. Seiner Geburtsstadt gedachte er bereits im ersten Erscheinungsjahr der “Heimatbücher“ 1948 mit Beiträgen wie “Der Wendelsbrunnen“, “Nachtgespräch in St. Wendel”; “Der Wendelinusstock”, die Geschichte eines Spazierstocks, mit dem “bärtigen Elfenbeinhaupt des Heiligen” (1949).

Zur 600-Jahrfeier von St. Wendel 1932 verfasste der Trierer Hanns Maria Lux Hymnen auf die Stadt. Unter anderen “Ode auf St. Wendel”, “Die Vaterstadt” (Heimatbuch 1949, 1969/70). Eine Kostprobe der “Vaterstadt“: „Wir lieben Dich, Du uns’rer Väter Stadt,/Du uns’rer Enkel einst ersehntes Ziel,/Ihr Hügel, Fluren, Wälder weit und breit!“ Bekannt wurde H. M. Lux vor allem als Jugendbuchautor und Verfasser des “Saarlandliedes”.

Der 1935 in St. Wendel geborene Germanist Alfons Klein wurde, nach vielen Auslandsaufenthalten wieder daheim, als Schriftsteller “Sachwalter der kleinen Leute”. Er erzählt aus ihrer Sicht, lässt sie reden wie sie denken. Seine Geburtsstadt ist dabei in vielen “wahren Geschichten” und “erfundenen Tatsachen” zu entdecken.
So etwa wenn Klein Goethe, da der nun schon mal im Lande ist, auch St. Wendel besuchen lässt: “Goethe war hier”, in: “Die Leute erzählen viel, aber es ist auch viel wahr” (Trier 2004): Sechs Jahre zuvor erschien sein erstes Buch: “Kriegskinder”, “ein Beitrag zur Alltags- und Mentalitätsgeschichte” der NS-Zeit”. ZITAT

Auf der Straße des Friedens

Die schwarze, hohe Pyramide hat im oberen Drittel eine goldene Aufschrift

Pyramide von Leo Kornbrust

Trotz Expansion von Wohnungs- und Gewerbebauten überragt der “Wendelsdom” mit seinem an die 70 Meter hohen Turm nach wie vor die Stadt. Auf den Fruchtmarkt hat der Bildhauer Leo Kornbrust eine Pyramide aus Basalt-Lava gesetzt. Im Sommer ist sie von Sonnenschirmen und Pflanzkübeln verdeckt und wird kaum wahrgenommen. Wo sie doch, nur zwei Meter hoch, im Sinne des im KZ ermordeten Otto Freundlich, das “Herzstück” einer völkerverbindenden Skulpturenstraße quer durch Europa ist. Auf der Pyramide zu lesen in Französisch, Polnisch, Russisch und Deutsch:

ZUR ERINNE/RUNG AN DEN/BILDHAUER/UND MALER/OTTO FREUNDLICH/GEBOREN 1878/IN STOLP/GESTORBEN 1943/IN MAJDANEK/DEM DIE STRASSE/DER SKULPTUREN/GEWIDMET IST/1988 VOIE DE LA FRATER/NITE ET SOLIDARI/TE HUMAINE
Straße der Skulpturen

An der Damra

Außerhalb der Stadt, Am Symposion (früher An der Damra), lebte und arbeitete Felicitas Frischmuth – die “Fee” ihrer Freunde und beste Lyrikerin der Moderne im Saarland: ruhig, bescheiden, ohne viel Aufhebens:
„Die Damra liegt nicht in St. Wendel. Die Damra liegt außerhalb. Manchmal meine ich, es gäbe sie gar nicht“ (schreibt Fee in dem 1975 ihrem Mann Leo Kornbrust gewidmeten Gedicht “Arbeitsplatz”). Sie liegt ja auch wie versteckt. Auf der Höhe der Landstraße (L123) von St. Wendel nach Baltersweiler geht vom Parkplatz “Am Symposion” (dem von Kornbrust initiieren Bildhauersymposion) ein “steiler Stich” hinab zu einer von Büschen und Bäumen umstandenen Mulde: der „Dammer auw”, einst einer Aue am “mühlen wehr” der Blies. Dort stand bis zu Beginn der 1970er Jahre das alte Haus der Kornbrusts.
… Es war einmal ein Haus es war einmal ein Garten
Die Pflanzen brechen über uns herein
Die Blätter decken uns zu
Die Bäume wachsen in den Himmel …

Blich auf das am Feldweg gelegenen Haus im Sommer

Blick auf das Haus der Kornbrusts

Das Haus hatte Leos Vater 1924 “ganz aus Holz” gebaut. Mit Küche und zwei Zimmern, bei Kerzenlicht und Wasserpumpe außerhalb – „ihr habt nach einer alten Quelle gegraben/ nach längst versiegtem Wasser/ihr habt behauptet daß es sie gibt/ihr habt einen Frosch gefunden“ – lebte das Ehepaar zehn Jahre. Zwei Menschen mit “extrem gegensätzlichen Anlagen: Schreiben – Steine behauen” (so Leo). Und gerade darin finden sie am engsten zusammen. Schrift und Stein

Als die Berlinerin zum ersten Mal „in diese spinnenverwobene zugewachsene Laube kommt, in dem alte Waben von vorher zeugen/Jahrhundertstaub und wo der unverwüstliche Holunderstrauch/beschattet und behütet im Sommer den Ort“, da ist es schon entschieden: „wir sägen Holz wir bleiben.“

Im „Nest aus der Keltenzeit“ fanden sich bald die saarländischen Freunde ein (Brigitte Harig immer mit einer Schüssel Kartoffelsalat): „Und wieder trinken wir auf die Freunde/auf die Eltern auf die Kinder auf die/Verstorbenen auf dich auf mich auf uns …“
Gastmahle wie im alten Griechenland!

(Die Zitate entnommen aus: Kein Zaun Keine Mauer Parolen auf ein Haus, Erzählgedicht in 13 Teilen. Saarbrücken 1983.)

Rechtzeitig zu Beginn des internationalen Bildhauersymposions 1971 ist die „neue Damra” (das Haus hatte im Laufe der Zeit den Flurnamen angenommen) fertig geworden. Fees Arbeitsplatz war in ihrem Zimmer der Tisch vor dem Fenster: „Mein Arbeitsplatz ist grün …“

„In ihren Gedichten und in ihrer Prosa hat Felicitas Frischmuth ihre saarländische Wahlheimat nicht verheimlicht” (Gerhard Sauder).
Und Fee: „Der Stoff, aus dem ich schreibe: die Faszination des Anfangs, die Beweglichkeit, der Ortswechsel, die Zwischenräume, die Verwandlung einer vertrauten Landschaft in einen unbekannten Raum.“
(In: Metamorphosis, Wolnzach 2008)

Wer sich auf die assoziativen Verse von Frischmuth einlässt, läuft auf “Fee’s” Spuren. ZITAT