Navigation öffnen

Püttlingen

 

Püttlingen ist mit rund 19.000 Einwohnern eine der kleineren Städte im Regionalverband Saarbrücken. Es liegt im mittleren Köllertal und grenzt an die Landeshauptstadt. Die Stadt pflegt die materiellen Überbleibsel ihrer Vergangenheit und verfügt über eine aktuelle Kulturszene, in der auch die Literatur eine Rolle spielt.

Mittelaltermarkt auf Burg Bucherbach

Auffälligstes Wahrzeichen einer nicht unbedeutenden Historie ist die Ruine der Burg Bucherbach im Stadtteil Köllerbach. In Köllerbach-Kölln steht die Martinskirche, die 1223 erstmals urkundlich erwähnt wurde und deren Vorgängerbau aufs 8. Jahrhundert zurückverweist.

Im 14. Jahrhundert entstand im heutigen Stadtzentrum eine Wasserburg, als deren Überbleibsel der Stumpf des so genannten Hexenturms galt. Die Existenz der beiden Burgen, der Burg Bucherbach und der Wasserburg, zeugt für die getrennte territoriale Entwicklung von Püttlingen (Grafen von Saarbrücken) und Köllerbach (Johann von Forbach).

Sellerbach Malditz-Brunnen

Aufs 18. Jahrhundert verweist das „Schlösschen“, ein ehemaliges Jagdhaus des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken (1745-1794), das er auf dem Gelände der alten Püttlinger Burg errichten ließ. Sagenumwoben ist der Oberjägermeister Georg Wilhelm von Malditz (oder Maldiss, Maldit, Maldix) als der wilde Jäger des Saarlandes, der auch im Köllertal sein Unwesen trieb. Im Ortsteil Sellberbach erinnert eine Brunnenfigur an ihn.

In Rittenhofen steht ein Nachfahre der 2004 gefällten so genannten Freiheitskastanie, unter deren Original Napoleons Truppen gerastet haben sollen.

Literatur und Literatissimo

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab der Bergbau die entscheidenden Impulse zur Industrialisierung im überwiegend landwirtschaftlich geprägten Köllertal. So entstanden die Steinkohlegruben Viktoria I und II in Püttlingen (1866 und 1881), der Aspenschacht (1891) und die Grube Viktoria III (1902) im Köllerbacher Ortsteil Engelfangen. Rund hundert Jahre nach der Abteufung der ersten Grube stürzte der Niedergang der Montanindustrie die Stadt in eine Krise, die letzte Kohlengrube wurde 1963 geschlossen. Seitdem durchläuft Püttlingen einen Umstrukturierungsprozess mit Stadtkernsanierung und umfangreichen Erneuerungsmaßnahmen. An die jüngere Bergbauvergangenheit erinnert im Ortsteil Engelfangen ein Bergbau-Freilichtmuseum mit modernem Gerät.

Freilichtmuseum Engelfangen

Malditz- und andere Sagen hat Karl Ludwig Rug (1901-1985) überliefert. Er wirkte von1928 bis 1968 als Pfarrer in Köllerbach. „Trotz seiner streng nationalen Gesinnung trat er entschieden für die Sache der Bekennenden Kirche ein und scheute nicht den Konflikt mit den örtlichen Größen von NSDAP und Geheimer Staatspolizei.“ (Joachim Conrad) Rug ist mit landeskundlichen Publikationen hervorgetreten, er leitete Grabungsarbeiten an Burg Bucherbach, deren Verfall er zu verhindern half, und an der Martinskirche. Rug war so etwas wie der Karl Lohmeyer des Köllertals, 1980 gab er ein Buch heraus, das Sagen, Märchen, Volks- und Kinderlieder sowie Schilderungen und Anekdoten aus dem Raum der alten Kulturlandschaft des Köllertales versammelt. ZITAT

Zu den zahlreichen Ehrungen, die Pfarrer Rug zuteil wurden, gehört die Püttlinger Ehrenbürgerschaft 1981.  Auch auf einen katholischen Ehrenbürger ist man in Püttlingen besonders stolz: Kardinal Maurer. Clemens Maurer (1900-1990), der Redemptoristen-Missionar und spätere erste Kardinal Boliviens, ist hier als Sohn eines Bergmanns geboren; nach ihm sind ein Platz und eine Straße benannt.

Zum Umstrukturierungsprozess gehören auch kulturelle Initiativen. Nach der Stilllegung der Köllertalbahn wurde der Püttlinger Bahnhof denkmalgerecht restauriert und in ein Kulturzentrum verwandelt. Der „Püttlinger Kulturbahnhof“ feiert mit Veranstaltungen in der Stückguthalle 2018 sein 25jähriges Jubiläum mit einer Mischung aus Kabarett, Folk, Pop und Chanson.

Das saarländische Uhrenmuseum in Köllerbach, 1992 eröffnet, stellt die Entwicklung der Zeitmessung von der Antike bis zur Gegenwart aus: von den Elementaruhren über Turm- und Prunkuhren bis hin zu den Taschen- und Armbanduhren der Gegenwart.

Namensgeber der Gemeinschaftsschule ist der aus dem saarländischen Rissenthal stammende Philosoph Peter Wust, der eine Zeitlang in Püttlingen als Lehrer gewirkt hat.

Literaturweg

Auf dem Püttlinger Literaturweg („Ein Weg zum Erleben von Lyrik im Einklang mit ihrer Umgebung“) kommt Literatur in den öffentlichen Raum. Seit 2005 werden an markanten Stellen in der Stadt wechselnde Texte des „Literatissimo“-Quartetts lokaler Autorinnen/Autoren ausgehängt. Georg Fox, mehrfach prämierter Mundartautor, hat darüber hinaus „Köllertaler Skizzen“ veröffentlicht, u.a. mit Erinnerungen an Pfarrer Rug („eine Autorität in Sachen Burg im Köllertal“), und den Text zu einem von der Stadt herausgegebenen Buch über Püttlingen geschrieben (beide 1987). Margret Roeckner ist eine religiös grundierte Autorin mit erfolgreichen Veröffentlichungen in überregionalen Verlagen. Mitglieder von „Literatissimo“, dessen Texte für den Literaturweg zweimal im Jahr ausgetauscht werden, sind außerdem Eva Dörr-Vieregge und Vera Hewener.

Nicht zu dieser Gruppe gehört Friedrich Ebert, der schon lange in Wadern lebt, aber immer noch Texte in Püttlinger Mundart und teilweise auch zu Püttlinger Motiven veröffentlicht. Mit „Pittlinger Hexendònz“ hat er sogar ein Mundartspiel geschrieben. Das „Pittlinger Platt“ ist deshalb besonders reizvoll, weil die Sprachgrenze zwischen mosel- und rheinfränkischer Mundart bis heute quer durch das Köllertal verläuft. ZITAT

In Püttlingen lebt seit den 1970er Jahren die aus Ottweiler stammende Lyrikerin Ellen Diesel, die u.a. ein Gedicht über die Püttlinger Landschaft geschrieben hat. ZITAT

Deana Zinßmeister hat den Püttlinger Hexenturm zum Schauplatz eines ihrer Historienromane gemacht, bei dem es um Hexenverfolgung geht („Der Hexenturm“, 2010).

Träger von öffentlichen Büchereien in Püttlingen sind die katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen im Stadtteil Püttlingen und die katholische Kirchengemeinde Herz Jesu im Stadtteil Köllerbach.