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Neunkirchen-Wiebelskirchen

 

Seit der „Übernahme“ im Rahmen der Gebietsreform von 1974 ist Wiebelskirchen der zweitgrößte Stadtteil Neunkirchens – ein Ort mit Bürgern, die auf die Tatsache, dass „Wibilischiricha (= Kirche des Wibilo) bereits 765 erstmals urkundlich erwähnt wurde, stolz sein dürften. Unweit von dort, wo die Oster in die Blies mündet, befindet sich die evangelische Kirche (mit dem spätmittelalterlichen Turm).

Foto des Kopfes der schmalen Bronzestatue

Ein Pfarrer der Gemeinde (der 27. seit der Reformation) sorgte für einen – zwar inzwischen weitgehend vergessenen – aber handfesten Skandal in der deutschen Literaturgeschichte: Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen. (→Kirchtturmmuseum Wiebelskirchen) Der Autor zahlreicher kirchenpolitischer Schriften wagte es, den schon zu seiner Zeit eher unangreifbaren Dichterfürsten Goethe zu kritisieren. Anfangs anonym parodierte Pustkuchen dessen „Wilhelm Meisters Wanderjahre“, was zu heftigen Debatten führte und auch Goethe nicht kalt ließ.

Foto des Straßenschildes "Pustkuchenstraße"

Einer politisch zumindest als zwiespältig zu bewertenden Persönlichkeit hat Wiebelskirchen (im Verbund mit Neunkirchen) internationale Aufmerksamkeit zu verdanken: Erich Honecker Staatsratsvorsitzender der DDR bis zu seinem Sturz 1989, stammte aus Neunkirchen. Die frühen Jahre im Saargebiet, aber auch seine offenbar unverbrüchliche Heimatverbundenheit wurden sowohl in diversen (Auto-) Biografien als auch in Essays verarbeitet und thematisiert. In „Aus meinem Leben“ (1980) ist Honecker erstaunlich offenherzig, beschreibt detailliert auch das familiäre Umfeld. Er kommentiert auch sehr kritisch das „System Stumm“, so wie es ihm wohl von seinen Anverwandten geschildert wurde, und welche Rolle es für ihn spielte, sich zum „klassenbewussten Proletarier“ zu entwickeln.

Ludwig Harig zeichnete 1981 für die Kulturzeitschrift „Freibeuter“ „ein Bild des Staatsratsvorsitzenden als Saarländer“ – so der Untertitel zu „Erich sein Strohhut“. 1992 gelang es Harig, den nunmehr in der Haftanstalt Berlin-Moabit einsitzenden Honecker besuchen und mit ihm ein Interview führen zu dürfen. Dieses erschien unter dem Titel „Bei Erich dehemm“ in der „ZEIT“ (vom 5.2.1993).

schwarz weiß Foto. Auf dem langen Stoffplakat steht unter anderem gross: Freiheit

Eckert Hans (links) bei einer Demo vor dem Elternhaus von Erich Honecker, Wiebelskirchen
Foto: Privat

Als Honecker im September 1987 im Rahmen seines Staatsbesuchs der Bundesrepublik auch einen Abstecher ins Saarland (inkl. Neunkirchen und Wiebelskirchen) unternahm, gab es neben der inszenierten Euphorie vor Ort auch kritische Stimmen. So veröffentlichte Hans Eckert umgehend mehrere Texte in seinem Büchlein „Septemberbesuch“.

Eher parodistisch ist das Honecker-Bild in Wolfgang Brenners Krimi „Honeckers Geliebte“, wo ein Mädchen aus Wiebelskirchen in die Fänge von BND und Stasi gerät.

Der zitierte Beitrag von Armin Schmitt mit literaturhistorischen Anmerkungen zu Neunkirchen findet sich auch im Internet: www.industriekultur-ansichten.com