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Mandelbachtal-Bliesmengen-Bolchen

 

Bliesmengen ist 1180 als „Maingen“ (Ort des „Mago“, ahd. Rufname) erwähnt, Bolchen erstmals 1288 (von lat. „betuletum“: Birkenwäldchen). Nach der Ortschaft nannte sich eine Ritterfamilie, deren Wasserburg nahe der Blies 1362 zerstört worden ist. Die Herren von Mengen waren Vasallen der Herzöge von Lothringen. Zur gleichen Zeit waren auch die Klöster Gräfinthal, Wörschweiler, Wadgassen und Tholey durch Schenkungen Eigentümer im Ort geworden. Danach wechselten die Besitzer ständig: Rechte und Eigentum hatten die Grafen von Saarbrücken oder das Herzogtum Lothringen. Mit letzterem wurde die Ortschaft 1766 französisch, ehe sie 1781 an die Grafen von der Leyen überging.

Auf dem Bann von Bliesmengen-Bolchen befindet sich Gräfinthal, ein ehemaliges Wilhelmitenkloster, dessen Gründung der Legende nach auf 1243 datiert. Es wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. In Gräfinthal lebte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Wilhelmitenbruder Friedrich „Friedericus“ Schaal. Das von ihm verfasste, 1671 veröffentlichte „Mirakelbuch“ lässt nicht nur die legendenhafte Geschichte des Klosters Revue passieren, es listet akribisch auch die Wunder auf, die von Gräfinthal und seiner Pfeilenmadonna ausgingen. Die Schrift hatte mithin den Zweck, nach den Verheerungen des 30-jährigen Krieges die Wallfahrten wieder anzukurbeln und dem Kloster neue Einnahmequellen zu verschaffen.

Laut August Becker stand Gräfinthal in den 1850er-Jahren wieder hoch im Kurs: „Schöne Gärten umgeben die Wallfahrtskapelle, die aus dem Chor der Klosterkirche wieder hergestellt wurde. In ihr thront die wundertätige ‚Muttergottes von Gräfinthal‘, welche an den Marientagen viele Gläubige hierher lockt. In der Kirche liegt die bemalte Figur eines jungen Mädchens. Es ist das Grabmal einer Tochter Königs Stanislaus von Polen. Auf den Hügeln umher wächst die beste Sorte des Bliesweins, der ‚Muttergotteswein‘.“ Der St. Ingberter Heimatdichter Karl Uhl (1886-1966) hat den wohl nicht unüblichen Ablauf der Wallfahrt ein Jahrhundert später in vielen Mundartversen als schnapsgeschwängerte Odyssee humorvoll dokumentiert. „Es wollte emol Vier noo Gräwedaal“, lautet der Titel seines Gedichts.

Über die „Pont de Passeur“, die „Fährmannsbrücke“, kann man zu Fuß von Bliesmengen-Bolchen aus den Grenzfluss überqueren und ins lothringische Blies-Schweyen gelangen. Der Name der Passage erinnert an den dieser Stelle bis 1959 üblichen Fährbetrieb. Vermutlich wurde dieser auch von Alfred Döblin genutzt, um den unmittelbar an Bliesmengen-Bolchen angrenzenden Ritthof (zu Bliesransbach) zu besuchen – es wäre der schnellste Weg von Saargemünd gewesen, wo er während des Ersten Weltkriegs (1914-1917) als Militärarzt stationiert war. In dem Gehöft, das sich noch heute in Alleinlage am Hang zur Blies hin befindet, pflegte Döblin dem dort angebauten Wein zuzusprechen. Seine Erzählung „Das Gespenst vom Ritthof“, die wohl durch die Aufenthalte dort inspiriert wurde, erschien am 1. Oktober 1915 in der expressionistischen Zeitschrift „Der Sturm“.