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Mandelbachtal

 

Landschaftsaufnahme im FrühlingMandelbachtal ist eine Wohngemeinde im ländlichen Raum an der Grenze zu Frankreich. Die Gemeinde gehört zum Unesco-Biosphärenreservat Bliesgau. Sie wurde bei der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 durch die Zusammenfassung von acht bis dahin selbständigen Gemeinden gebildet. Pate für den Ortsnamen stand jener Bach, der durch einige der heutigen Ortsteile fließt. An seinen Ufern wurden traditionell Kopfweiden gepflanzt und gepflegt, die unter anderem der Korbherstellung dienten. Diese bewirtschaftete wie ökologisch wertvolle Baumvariante wird in der Region „Mandel“ genannt, weil das Laubwerk jenem des Mandelbaumes ähnelt. Unmittelbar an der Mündung des Mandelbachs in die Blies lag im Mittelalter der Ort Mandelbach (erstmals 1239 erwähnt). Die Wahl des Ortsnamens hat damit einen sowohl historischen als auch geographischen Hintergrund, auch wenn nicht alle Ortsteile der Gemeinde unmittelbar Anteil an diesem Fließgewässer haben. Verwaltungssitz der Kommune ist Ormesheim.

Der Bliesgau, in dem die acht Mandelbachtaler Dörfer liegen, ist altes Kulturland, von Menschenhand über die Jahrtausende hinweg gestaltet und genutzt. Durch eine Vielzahl von Funden und Ausgrabungen ist frühe Besiedlung immer wieder belegt worden. Aufgrund der klimatisch und geographisch günstigen Lage gehörte das Gebiet der heutigen Gemeinde Mandelbachtal zu jenen Landstrichen, die von den Römern bevorzugt besiedelt wurden. Allein in Erfweiler-Ehlingen und in Wittersheim wurden mehr als zehn römische Siedlungsstellen entdeckt, darunter auch zwei größere Gutshöfe. Auf einem Friedhof aus der Merowingerzeit, ebenfalls in Wittersheim ausgegraben, kamen prachtvolle Grabbeigaben ans Licht. Aus dem hohen Mittelalter stammen die Rundtürme in Bebelsheim und Erfweiler- Ehlingen, die ursprünglich zu burgähnlichen Gebäuden gehörten. Im Volksmund „Römertürme“ genannt, dienen beide heute als Kirchtürme. Dergleichen finden sich im grenznahen Lothringen häufig.

kleines Haus auf Stelzen

Taubenhaus

Ins Mittelalter zurück reichen schließlich die Anfänge des Klosters Gräfinthal, das wohl bekannteste Bauwerk der Gemeinde, das ein beliebtes Ausflugsziel speziell für Besucher aus der Region Saarbrücken ist. Markantes Erkennungszeichen der Klosteranlage, die von einer alten Mauer umgeben ist, ist das aus dem 18. Jahrhundert stammende Taubenhaus, das einzige Gebäude dieser Art im Saarland. Die Ruine der Marienkapelle ist von jeher ein Wallfahrtsort. Darin bestattet ist vermutlich die Stifterin des Klosters, die Blieskasteler Gräfin Elisabeth. Ein großer Förderer des Klosters war der polnische König Stanislaus Leszczynski, der sich zeit seines Exils in Zweibrücken (1714-1719) und auch danach immer wieder gerne in Gräfinthal aufhielt. In dieser Zeit wurde unter der Federführung des schwedischen Baumeisters Jonas Erikson Sundahl auch mit dem Bau der Kapelle in Gräfinthal begonnen. In dem noch unfertigen Sakralbau wurde 1717 Prinzessin Anna Leszczynska bestattet, die 18-jährig vermutlich einem Attentat zum Opfer gefallen war, das eigentlich ihrem Vater gegolten hatte.

Klosteranlage

Unweit des Klosters befindet sich in landschaftlich reizvoller Lage die Gräfinthaler Naturbühne, ein Freilichttheater, in dem seit 1932 regelmäßig sowohl für Kinder als auch für Erwachsene Aufführungen stattfinden. Die Akteure sind ausschließlich Laienschauspieler aus Bliesmengen-Bolchen und Habkirchen. Ein Netz von Wanderwegen ermöglicht es, die Region zwischen Mandelbach, Saarbach und Blies hin zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden. Eine besondere Attraktion ist das „Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld“ in Wittersheim: Die Anlage in ungemein reizvoller Lage bietet Besuchern vielfältige Möglichkeiten, sich näher mit der Natur, Umwelt und Landschaft des Bliesgau auseinanderzusetzen. Ein unter ökologischen Aspekten bewirtschafteter Weinberg, Streuobstwiesen, Kräuter-, Bauern-, Rosen-, Beerengarten, Bienenvölker und vieles mehr geben Einblicke in die Traditionen des Bliesgaus. Im Kulturlandschaftszentrum finden wechselnde Ausstellungen, Vorträge und Seminare statt. Der Außenbereich ist täglich durchgehend und kostenlos zugänglich.

Foto der Ansichtstafel am Wanderweg

Döblin Wanderweg

In die Literatur eingegangen ist die Region u.a. durch Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“), der den hier gelegenen Ritthof zum Schauplatz einer Erzählung machte; in Erinnerung an Döblins Aufenthalt während des Ersten Weltkriegs wurde ein Wanderweg mit Info-Tafeln eingerichtet.

Das Zollmuseum im Ortsteil Habkirchen gibt unter speziellem Aspekt Einblick in die regionale Geschichte vom 18. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit.