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Kirkel

 

Die Gemeinde Kirkel entstand bei der Gebiets- und Verwaltungsreform zum 1. Januar 1974. Sie wurde aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Altstadt, Limbach und Kirkel-Neuhäusel konstruiert, wobei größere Flächen der beiden letztgenannten Orte (mit den Annexen Eschweiler Hof und Bayrisch Kohlhof) abgetrennt und der Stadt Neunkirchen zugeteilt wurden. Kirkel-Neuhäusel lieferte teilweise den Namen für die neue Gebietskörperschaft, der Verwaltungssitz verblieb, mithin historisch bedingt, in Limbach.

Während Kirkel-Neuhäusel insbesondere durch seine ausgedehnten, hügeligen Wälder charakterisiert ist, sind Altstadt und Limbach durch das Bliestal landschaftlich geprägt. Der hier begradigte Fluss bildet auch die Grenze zwischen den beiden Ortsteilen. Die Gemeinde Kirkel ist Schnittpunkt überregionaler Verkehrsverbindungen: Die Autobahnen Saarbrücken – Mannheim (A6) und Neunkirchen – Pirmasens (A8), die stark frequentierte Landstraße 119 (früher Bundesstraße 40 / „Kaiserstraße“), sowie die Bahnlinie Saarbrücken – Mannheim (auch ICE-Trasse) queren den Ort. Diese Verkehrssituation hat historische Wurzeln, verlief doch schon in gallorömischer Zeit eine wichtige Ost-West-Achse an etwa gleicher Stelle durch die heutigen Ortschaften. Über die „Geleitstraße“ („via regalis“) des Mittelalters wurde daraus nach 1810 die napoleonische Kaiserstraße. Auch in Nord-Süd-Richtung, in etwa dem Bliesverlauf folgend, bestand eine weitere wichtige Fernverkehrsverbindung.

Kirkel-Neuhäusel

Kirkel ist 1075 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich von lat. circulus (Kreis, kreisrunder Erhebung als Standort der Burg) ab. Der Zusatz Neuhäusel (1708) erklärt sich als Bezeichnung für neue Gebäude, die auf dem Boden der älteren, aber untergegangenen Siedlung „Volkerskirchen“ entstanden und dann mit Kirkel zusammengewachsen sind. Weithin sichtbares Wahrzeichen von Kirkel-Neuhäusel ist besagte Burgruine, die aus dem 11. Jahrhundert stammt und deren bis dahin verfallender Rundturm 1955 zum Aussichtsturm aufgebaut wurde. Von 1410 bis zur Französischen Revolution gehörten Burg und Dorf zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken; in diese Zeit fällt die Zerstörung der Burg (1689).
Die Burgruine selbst war insbesondere unter dem Einfluss der Romantik Motiv in Erzählungen, Gedichten und Reiseliteratur (August Becker, Friedrich Blaul u.a.). Johann Christian Mannlich erinnert sich in seiner Autobiografie „Rokoko und Revolution“ an einen Ferienaufenthalt in den späten 1750er-Jahren in Kirkel und an ein erstes seiner amourösen Abenteuer. Der Kirkeler Wald, speziell die von Sagen umrankte Wegekreuzung „Sieben Fichten“ war 1717 Schauplatz eines (gescheiterten) Attentats auf den in Zweibrücken exilierten Polenkönig Stanislas Lesczcynski. Aus Kirkel-Eschweiler Hof stammt der Autor Karl Leibrock (1877-1923), der mit seinen „Träumereien aus dem Westrich“ (1912) zu seiner Zeit große Resonanz erfuhr. Leibrock besticht insbesondere durch seine prägnanten Mundartgedichte. Limbach ist der Wohnort von Sabine Müller, die zwei historische Romane über die Homburger Hohenburg verfasst hat.

Limbach

Limbach, erstmals 1219 als „Limpach“ (ahd. Schlamm, Lehm) erwähnt, befand sich zu jener Zeit noch auf dem östlichen Bliesufer (heute Altstadt). Im 13. Jahrhundert, aus dem noch der untere Teil der evangelischen Kirche stammt, siedelten die Bewohner sukzessive in die Bliestalaue um. An der Bliesbrücke an der „Geleitstraße“ unterhielt das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken über Jahrhunderte hinweg eine einträgliche Mautstelle, die mithin ausschlaggebend für den relativen Wohlstand der Ortschaft war. Aus Limbach stammt Theobald Hock, geboren 1573, der sich mit dem Gedichtband „Schönes Blumenfeld“ (1603) in die deutsche Literaturgeschichte einschrieb, ansonsten aber als korrupter Politiker von sich reden machte und allein durch den „Prager Fenstersturz“ (1618) vor der Vollstreckung des über ihn verhängten Todesurteils bewahrt wurde.

Einen Gedichtband, „Sängergrüße vom Lande an der pfälzischen Kaiserstraße“ (1909) betitelt, hinterließ auch Louis Lehmann (1854-1924). Geburtstagslyrik für Bismarck, „Gelegenheitsgedichte“ an lebende oder verstorbene Personen, eindringliche Verse über den Tod von Frau und Kind und Reime mit kuriosem Zeitkolorit sind der Inhalt.

Altstadt

Altstadt, als „Altenstatt“ 1299 urkundlich erwähnt, hieß ursprünglich Limbach. Durch die Umsiedlung der Bewohner auf das westliche Ufer der Blies im 13. Jahrhundert entstanden zunächst die „beiden Limpach in der alten und der nuwen Statt“. Im hohen Mittelalter war der Ort im Besitz der Grafen von Homburg, die auf der weithin sichtbaren, höchsten Erhebung, dem „Galgenberg“, ihre Todesurteile zu vollstrecken pflegten. 1492 wurden die „armen Leute zu der Altenstatt“ dem Nassau-Saarbrücker Grafen Ludwig als Hochzeitsgeschenk überlassen. So verlief zwischen am alten und neuen Limbach über mehr als zweieinhalb Jahrhunderte eine Staatsgrenze, die für die sozialen und kulturellen Verhältnisse prägend war. Aus Altstadt stammt der Künstler Hans E. Schwender (1929-2006), dessen düstere Malerei geprägt ist von einem Aufenthalt in Auschwitz, wo er zwischen 1942 und 1945 das Vernichtungslager als Augenzeuge erlebte – sein Vater arbeitete dort für I.G. Farben. Schwender verfasste Gedichte und Geschichten in Mundart, die er auch akribisch sammelte, sowie Aphorismen.

Und: In Altstadt soll 1749 Goethe zur Welt gekommen sein, als seine hochschwangere Mutter Catharina Elisabeth Textor (1731-1808) auf der Geleitstraße von Paris zurück nach Frankfurt unterwegs war. Diese Unterwegs-Geburt, die einen kurzen Aufenthalt der Kutsche in Altstadt erforderlich machte, wurde geheim gehalten, blieb aber in der lokalen Erinnerung verankert.