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Homburg

Die Kreisstadt mit etwas mehr als 40.000 Einwohnern liegt im saarländischen Osten und ist ein regionaler Industriestandort, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum sowie Sitz des Landeskrankenhauses und der Universitätskliniken des Saarlandes. Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform zum Jahreswechsel 1973/74 ist die heutige Gebietskörperschaft durch die Vereinigung der Stadt Homburg mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Einöd, Jägersburg, Kirrberg und Wörschweiler entstanden.

Statue am Marktplatz

Als „Homberc“ (Ableitung von „Hohem Berg“) 1180 erstmals erwähnt, wurde im 12. Jahrhundert auf dem Schlossberg die namensgebende „Hohenburg“ errichtet. Diese Befestigungsanlage diente den Grafen von Homburg als Sitz. Diese Phase der Stadtgeschichte im hohen Mittelalter bildet die Kulisse in den beiden historischen Romanen „Das Mal der Burgherrin“ (2013) und „Das Erbe der Burgherrin“ (2014) der in Kirkel-Limbach beheimateten Autorin Sabine Müller. Kaiser Ludwig der Bayer verlieh Homburg 1330 erstmals Stadtrechte. Als 1449 der letzte Graf von Homburg starb, fiel die Stadt an Nassau-Saarbrücken. Unter Kaiser Karl V. erhielt Homburg 1551 die Marktrechte, und 1558 war es dann Kaiser Ferdinand I., der in Verbindung mit der Genehmigung, eine Stadtmauer zu bauen, zum zweiten Male die Stadtrechte verlieh. Mit diesen mehrfachen Verleihungen war die Absicht verbunden, die Stadt bedeutender zu machen und ihr zusätzliche Einnahmequellen zu verschaffen, was aber allen Anstrengungen zum Trotz nicht gelang.

Hitsorischer Marktplatz. Foto: Pressestelle

Im 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Burg unter Graf Johann IV. von Nassau-Saarbrücken zu einem Schloss im Renaissancestil umgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg folgte die totale Zerstörung der Anlage auf dem Schlossberg wie auch der Stadt zu dessen Fuß. Nach den Plänen des französischen Festungsbaumeisters Vauban wurden Stadt und Festung 1682-1692 neu angelegt – bis heute ist die sogenannte „Altstadt“ am Schlossberg durch diesen planmäßigen Wiederaufbau geprägt.

Zu jener Zeit kam Homburg die bis heute wichtigste Rolle in seiner Geschichte zu: „Hombourg la forteresse“ hatte zumindest vorübergehend Rang und Funktion einer französischen Provinzhauptstadt, die im Süden alle deutschsprachigen Teile des Herzogtums Lothringen umfasste, im Westen bis an die Prims, im Norden über den Hunsrück bis an die Mosel und im Osten bis in die Haardt, zum Donnersberg und zum Rheingrafenstein an der Nahe reichte. Anton Bergeron de la Goupillière, der Intendant dieser Saarprovinz, regierte vom Homburger Schlossberg aus. Homburg verlor diese Bedeutung aber 1685, als die neu erbaute Festungsstadt Saarlouis bezugsfertig war.

Für die Erzählung „Hier irrt der Herr Marquis de la Brétèsche“ (1980) von Erni Deutsch-Einöder (1917-1997) bildet diese Phase den historischen Hintergrund. Der „Lappentascherhof“, eine kleine Ansiedlung an der Homburger Grenze zu Kirkel-Altstadt hin, verweist mit ihrem allerdings verballhornten Namen auf das seinerzeitige Gehöft von Esprit Josseaume Marquis de la Bretesche.

Infolge der Friedensschlüsse von Rijswijk und Baden musste die Festung 1697 und 1714 „geschleift“, also zerstört werden, Stadt und Dörfer im Umfeld wurden wieder Nassau-Saabrücken zugeordnet. Durch Gebietstausch gelangten Stadt und Amt Homburg 1755 zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Um der Stadt wirtschaftliche Impulse zu verleihen, ließ dessen Landesherr, Herzog Christian IV., in Homburg das herzogliche Waisenhaus mit angeschlossener „Schamass“- [Tuch-]Manufaktur errichten, was in der Tat einen Entwicklungsschub zur Folge hatte.

1776 begann unter der Regentschaft seines Nachfolgers Karl II. August beim heutigen Stadtteil Sanddorf die Errichtung von Schloss Karlsberg, der prunkvollsten Landresidenz des Ancien Regime. Die Kosten für das Schloss sowie für die Domizile des Hofstaates, die am unmittelbaren Stadtrand entstanden, überstiegen die finanziellen Möglichkeiten des Landes um ein Vielfaches und sorgten für erheblichen Unmut. So kam es denn nicht von ungefähr, dass die Zerstörung der Schlossanlage durch französische Revolutionstruppen am 28. Juli 1793 breite Unterstützung bei der heimischen Bevölkerung fand.

Nahaufnahme der Brinzebüset

Johann Christian Mannlich Statue

Bereits in seiner Entstehungsphase wie auch seiner Hochzeit bot Schloss Karlsberg reichlich Stoff für die Literatur. Die Fülle der Belege, die sich mit dem „Feen-Schloß“ (Adolph Freiherr von Knigge 1792) befassen, ist schier unüberschaubar. Auch der „Bauherr“, Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken, ist häufig Gegenstand zeitgenössischer literarischer Bearbeitungen. Die umstrittene und sicherlich diffizile Persönlichkeit wird aus unterschiedlichen Perspektiven von dem damaligen Jakobiner Georg Friedrich Rebmann (1768-1824), dem Feldprediger Samuel Christoph Wagener (1763-1845), dem Hofmaler und Schlossbaumeister Johann Christian Mannlich (1741-1822) und vielen anderen thematisiert.

Nach seiner Zerstörung wurde Schloss Karlsberg rasch zum Mythos, wobei der Ruinenkult der Romantik insbesondere Friedrich Aulenbach (1810-1882), Pfarrerssohn aus Homburg und zeitweise Bewohner des einzigen erhaltenen Karlsberggebäudes, zu vielfältigen Bearbeitungen des Motivs inspirierte. Ruinen und Mythos fanden auch in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts zumeist romantisch, bisweilen aber auch kritisch ihren Niederschlag. Erst recht spät setzte die fiktionale Bearbeitung des Sujets ein; der große „kulturgeschichtliche Roman“ von Ernst Pasqué mit dem Titel „Der Karlsberg“ machte 1875 den Anfang. Die literarisch wohl hochwertigste Arbeit lieferte Paul Gurk (1880-1953) aus Berlin; unter dem Pseudonym Franz Grau erschien von ihm 1940 der Roman „Serenissimus. Im Schatten der Revolution“. Geschliffene Dialoge und subtile Ironie sind die bemerkenswerten Charakteristika seines Romans. Die sich um Schloss Karlsberg insgesamt rankende Literatur wurde 2010 von dem Literaturwissenschaftler Reiner Marx unter dem Titel „Der Karlsberg und Karl II. August“ als kommentiertes Lesebuch in der Reihe „Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde“ (Sonderheft) zusammengefasst.

Die Kampfhandlungen zwischen den alliierten deutschen Militäreinheiten und französischen Revolutionstruppen zogen sich im Raum Homburg 1792/93 lange hin. Theodor Fontane (1819-1898) lässt die Situation in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ als Zitat aus Briefen Otto von Rohrs einfließen: „Eine Hölle war uns dieser Aufenthalt“ (in Homburg). Zehn Jahre später macht Madame de Staël auf Durchreise Station in Homburg: „In einer kleinen Stadt in einem Gasthof eingekehrt, empfing mich ein zauberhaftes Klavier in einer verräucherten Stube, wo über einem eisernen Ofen nasses Wollzeug zum Trocknen hing. So kommt mir hier alles vor: ein Konzert in einer verräucherten Stube“.

Freiheitsbrunnen mit Siebenpfeiffer und Wirth

Von 1798 bis 1813 war Homburg Kantonsstadt im Departement Mont Tonnere (Donnersberg). 1816 mit der Pfalz bayerisch geworden, avancierte die Stadt 1818 zum Sitz eines der insgesamt zwölf pfälzischen Landkommissariate. Erster „Landcommissär“ war Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der sich dem oppositionellen Journalismus zuwandte und damit von Homburg aus das Startsignal für die „Hambacher Bewegung“ gab. Unter Siebenpfeiffers Federführung kam es 1832 zum „Hambacher Fest“. Ende 1831 siedelte sich der aus München kommende Journalist Johann Georg August Wirth in Homburg an, um von hier aus seine liberal-demokratische Zeitung „Deutsche Tribüne“ zu drucken und zu verteilen. Sie wurde zum wichtigsten Sprachrohr im Vormärz und hatte zeitweise eine Auflage von 5.000 Exemplaren. Flugblätter wurden von Wirth und seinen Mitarbeitern in Stückzahlen von bis 50.000 gedruckt. Zusammen mit der Nachbarstadt Zweibrücken war Homburg zu dieser Zeit das Zentrum der Freiheitsbewegung in den deutschen Landen. Die damaligen Ereignisse sind autobiographisch in Wirths Novelle „Walderode“ (1845) sowie in dem Roman „Johann Georg August Wirth. Vorkämpfer für Einheit, Recht und Freiheit“ (1997) von Michail Krausnick (geb. 1943) bearbeitet.

Buntzeichnung wie Menschen zum Schloss marschieren

Hambacher Fest

Weitere namhafte Vormärz-Autoren in Homburg waren Christian Scharpff (1804 in Homburg geboren) und Georg Fein (1803-1869) aus Helmstedt. Eine von Wirths Druckerpressen ist im Foyer des Siebenpfeiffer-Hauses zu besichtigen.

Mit Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 war Homburg Hauptquartier des preußischen Generalstabes. Nahe der französischen Grenze, aber doch in sicherer Entfernung zu den Kampfhandlungen, logierte der preußische Generalstab Anfang August für einige Tage in Homburg. Der spätere Kaiser Wilhelm I., Bismarck und der spätere Prinzregent Luitpold von Bayern hatten hier Quartier bezogen, während die Stadt selbst ein einziges Lazarett voller Schwerverwunderter war. Die Ereignisse wurden vom protestantischen Pfarrer Heinrich Runck (1833-1899) festgehalten.

In Homburg geboren wurde 1923 die Schriftstellerin Edith Aron, die mit ihrer Mutter noch vor der Saarabstimmung und der Nazi-Barbarei nach Argentinien auswanderte. In ihrer Erzählung „Der Besuch von Fräulein Hesekin“ (1989) erinnert sie ein tragisches Erlebnis ihrer Kindheit, das mit der Homburger Vorstadt und der Nervenheilanstalt auf dem Areal des Landeskrankenhauses in Zusammenhang steht. In der zweiten Nachkriegszeit sind Franz Juncker (1899-1980) und Hans Leyser (1923-1998) als Autoren anzuführen, die sich literarisch mit der Stadt auseinandersetzten.

Die Literaturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Regisseurin Sabine Göttel (Jahrgang 1961), die nicht mehr im Saarland lebt, ist in Homburg geboren, aber im pfälzischen Dorf Gries im Kreis Kusel aufgewachsen. Ihre Erläuterung dazu: „Die Grieser verstehen sich aber ideell eher zu Homburg als zu Kusel zugehörig, also als Saarpfälzer und nicht als Pfälzer.“ Sabine Göttel ist hervorgetreten mit Erzählungen und mit Lyrik, in der die Erinnerungen an ihre Familie und das Dorf Gries eine große Rolle spielen, neuerdings hat sie sich an Prosatexten in rheinfränkischer Mundart versucht.

Die Familie des 1967 in Homburg geborenen Schauspielers Joachim Meyerhoff, der seit 2011 sehr erfolgreich mit einer Serie autobiographischer Romane („Alle Toten fliegen hoch“) hervorgetreten ist, hat nur drei Jahre lang in dieser Stadt gelebt, so dass ihm von dieser Zeit nur eine Elster auf der Schiebestange seines Kinderwagens in Erinnerung geblieben ist.

Der Stadt Homburg eingegliedert wurden bereits 1913 die Dörfer Beeden (der Ortsname ist noch keltischen Ursprungs) und Schwarzenbach, es folgten 1936 Erbach und Reiskirchen sowie 1938 Bruchhof und Sanddorf. Zu diesen Stadtteilen gibt es einige kleinere Miszellen, so etwa das Gedicht „Der Kirchthurm von Beeden“ von Friedrich Aulenbach (1860) oder die Tagebuchnotizen des amerikanischen Malers John Trumbull (1756-1843) über seinen kurzen Aufenthalt in Erbach: „In Erbach Milchsuppe gegessen, das ist gekochtes Brot und Milch, frische Erbsensuppe, gebratenes Hähnchen und einen Kartoffelsalat, halb gekocht, in Scheiben geschnitten; rohe Zwiebeln, ebenfalls angemacht mit Öl und Essig, sehr gut“. In Beeden lebt die Autorin Relinde Niederländer (geb. 1944), die sich in ihrer qualitativ hochwertigen und preisgekrönten Mundartlyrik freilich eher mit ihrem Geburtsort Limbach auf der Bliesseite gegenüber befasst.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Homburg forciert die Ansiedlung von Industrie betrieben. Der langjährige Pfarrer Karl Fischer und Chronist (1914-1984) hat diesen fortwährenden Wandel 1965 treffend beschrieben: „Im Sauseschritt der Zeit wandelt sich das Bild des alten Landstädtchens Homburg. Seine Kinder reißen sich los von ihm und streben nach allen Himmelsrichtungen, und es selbst schmückt sich wie eine Braut zum Empfang einer neuen Zeit. Dort, wo einst der Erbach den Kern der Stadt in seine Schranken wies und sich nach Norden saftige Wiesen ausbreiteten, entpuppt sich wie ein Schmetterling die große Straße des Handels und Verkehrs. Die Kreuzgärten findet man nur noch auf dem Meßtischblatt, und der Schnittpunkt der Tal- und Bahnhofstraße verspricht das ‚Kreuz‘ der modernen Stadt zu werden. Der Großvater nimmt das Enkelkind bei der Hand und zeigt ihm am Kreuz Dümmlers Eck: Hier stand einmal das Hotel Dümmler und dann kam die Brücke über der Erbach und mit ihr das Ende der Stadt!“

Kloster Wörschweiler

Ein Großteil jener Unternehmen, die heute in Homburg ansässig sind, ist Zulieferer für die Automobilproduktion. Insgesamt führt die Statistik für Homburg fast 32 000 (2015) Arbeitsplätze. Die Beschäftigten rekrutieren sich nicht allein aus der Stadt; 17 000 Pendler aus dem östlichen Saarland, der Westpfalz und aus Frankreich machen die Bedeutung als Industriestandort deutlich. Zahlreiche Behörden und soziale Einrichtungen machen die Stadt zu einem Einkaufs- und Dienstleistungszentrum.

Schlossberhöhlen. Foto: Saarpfalz-Touristik

Die Ruinen der Hohenburg und der Vaubanschen Festung auf dem Schlossberg, die Relikte von Schloss Karlsberg und der weitläufigen „Karlslust“, Kloster Wörschweiler und die restaurierte Gustavsburg sind durch ein Netz von Wanderwegen erschlossen. Touristenattraktion sind die Schlossberghöhlen, die zwischen dem 11. und 17. Jh. entstanden sind und vornehmlich Verteidigungszwecken, aber auch dem Sandabbau dienten; die einige Kilometer langen Gänge im Berginnern durchziehen in mehreren Stockwerken den Schlossberg.

Gustav Regler (1898-1963) erwähnt sie als „Verliese des Elends“ in „Im Kreuzfeuer. Ein Saar-Roman“ (1934).

Römermuseum Schwarzenacker. Foto: Saarpfalz-Touristik

Ebenfalls touristischer Anziehungspunkt ist das Römermuseum. Die Römerstadt in Schwarzenacker wird seit 1954 ausgegraben. Teile der Gebäude wurden rekonstruiert und bilden mit dem übrigen Mauerwerk ein Freilichtmuseum. Fundstücke sind im benachbarten „Edelhaus“, einem Landsitz aus dem 18. Jahrhundert, ausgestellt.

In Homburg ansässig ist die Siebenpfeiffer-Stiftung. Deren ausdrückliches Ziel ist es, die Erinnerung an die regionalen Vormärz-Ereignisse zu bewahren und auch aktuell das Bewusstsein für Demokratie und Freiheit zu schärfen.

Homburg verfügt über eine Stadtbibliothek, die regelmäßig zwischen September und April die Reihe „Homburger Lesezeit“ mit Autorenlesungen veranstaltet.