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Gersheim

 

Foto: wolfgang Henn

Die Gemeinde Gersheim am südöstlichen Rand des Saarlandes und mit Grenzen zur Pfalz sowie zu Lothringen entstand bei der Gebiets- und Verwaltungsreform zum 1. Januar 1974. Sie ist durch die Zusammenfassung von bis dahin elf selbstständigen Dörfern entstanden: elf Ortsteilen: Bliesdalheim, Gersheim,  Herbitzheim, Niedergailbach, Medelsheim, Peppenkum, Reinheim, Rubenheim, Seyweiler, Utweiler und Walsheim. Gersheim, der größte Ortsteil, war namensgebend und ist Verwaltungssitz. Ursprünglich „Geroldesheim“ (nach dem althochdeutschen Rufnamen „Gerold“), 1150 dokumentiert, gehörte der Ort zunächst dem Kloster Herbitzheim (im krummen Elsass). Im Bauernkrieg erhoben sich die Gersheimer gegen dieses Kloster, dessen Leibeigene sie waren. 1544 ging das Dorf an Nassau-Saarbrücken über, das es 1670 im Tausch an die Grafen von der Leyen abtrat. Unter dieser Obrigkeit verblieb es bis zur Französischen Revolution. Im südlichen Bliesgau gelegen, ist die Gemeinde durch die geologische Formation des Muschelkalks geprägt und besticht durch ihre landschaftlichen Reize: Durchzogen vom Tal der Blies, bieten die Hanglagen entlang des Flusses mit ihren Streuobstbeständen und Heckengürteln recht idyllische Anblicke. Zumeist Laubwälder thronen auf den Höhenzügen, in den Tallagen gelegene Siedlungen bestimmen das Bild der uralten Kulturregion. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es zudem regen Weinbau.

Kulturpark Reinheim

Hallstatt, Latène, gallo-römisch lauten die Stichworte, die heute in Verbindung mit Gersheim genannt werden. Die Konzentration von archäologischen Funden im unteren Tal der Blies ist Beleg für die hohe Kultur, die dem Bereich bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit eigen war. Dort, wo das weitläufige Tal der Blies das Landschaftsbild bestimmt, befindet sich eine prähistorische und antike Siedlungskammer, die den Kern des „Europäischen Kulturparks Reinheim-Bliesbruck“ darstellt. Von der heute nicht mehr wahrnehmbaren Grenze zwischen Deutschland und Frankreich durchschnitten, blieb das seit Alters her besiedelte Areal von neuzeitlicher Bebauung verschont und bietet deshalb tiefe Einblicke in die Vergangenheit. Das Grab der „Fürstin von Reinheim“, eine unmittelbar daneben liegende villa rustica, Thermen und ein Handwerkerviertel wurden wissenschaftlich ausgegraben und teilweise rekonstruiert. Im Bewusstsein, dass die heutigen Grenzen willkürlich gezogen sind und keineswegs weit in die Geschichte zurückreichen, ist der „Kulturpark“ allen bürokratischen Hürden zum Trotz auch zu einem Symbol grenzüberschreitender Freundschaft und Zusammenarbeit geworden. Neben Ausgrabungen aus keltischer und gallo-römischer Zeit finden sich auch vielfach merowingische Hinterlassenschaften (Rubenheim, Reinheim).

Kulturpark Reinheim

In den Gersheimer Ortschaften begegnen auch vielfach Relikte des Mittelalters. Herausragende Monumente sind vor allem sakrale Bauten wie die Kirchen in Medelsheim, Rubenheim, Reinheim und Walsheim. In diesem Zusammenhang sind auch die Wegekreuze zu sehen, die vor allem die „Parr“, den linksseitigen Höhenzug über der Blies, prägen. Diese Flurdenkmale, Zeugnisse tiefer Volksfrömmigkeit, umspannen einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren.

Kirche Reinheim

Vorbei ist indes die Hochzeit der Kalkindustrie, das Gersheimer Kalkwerk, das ehedem die saarländischen Eisenwerke belieferte, ist längst geschlossen und weitgehend demontiert. In dem 150 Kilometer umfassenden Stollenlabyrinth wurden zuletzt Rückstände aus den Filteranlagen der Kohlekraftwerke eingelagert. Auch die meisten Kalksteinbrüche sind stillgelegt. Fossiliensucher kommen freilich noch immer auf umgepflügten Äckern auf ihre Kosten: Ammoniten und andere Versteinerungen aus jener Zeit vor rund 200 Millionen Jahren, als der Bliesgau von einem Meer bedeckt war, lassen sich gut finden. Sämtliche zu Gersheim gehörenden Ortschaften wurden durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs (1939/40) arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Bevölkerung war weitgehend aus dieser Grenzregion „evakuiert“ worden. Weitere drastische Zerstörungen gab es zum Ende des Krieges 1944/45, als Gersheim mehrere Monate lang Front war.

altes Foto von Spohns Haus

Spohns Haus

Ein wichtiges kulturelles Ereignis sind heute die „Begegnungen auf der Grenze“, ein jährlich (Mai bis Oktober) stattfindendes deutsch-französisch-polnisches Kultur-Festival. Das ökologische Schullandheim Spohns Haus ist eine Begegnungsstätte für den europäischen Jugendaustausch.