Navigation öffnen

Eppelborn

 

Als westlichste Gemeinde des Landkreises Neunkirchen mutet Eppelborn mit seinen acht Ortsteilen noch sehr ländlich an, Wälder und Wiesen auf hügeligem Grund bestimmen die Landschaft. Die Lage inmitten des Saar-Nahe-Berglandes wird noch gekrönt durch die Tatsache, dass der Ortsteil Habach als geometrischer Mittelpunkt des Saarlandes bestimmt wurde – was die Eppelborner verständlicherweise mit Stolz erfüllt. Die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 führte die ehemals selbstständigen Gemeinden Bubach-Calmesweiler, Dirmingen, Eppelborn als namensgebenden Hauptort, Habach, Hierschied, Humes, Macherbach und Wiesbach zusammen. Spuren aus römischer Zeit (z. B. mehrere villae rusticae = römische Landhäuser) finden sich auf einigen Fluren.

Das Dorf Eppelborn („Ippelbrunn“) wurde im Jahre 1235 erstmals urkundlich erwähnt – einige Ortsteile können sich auf noch ältere Dokumente berufen (Hierscheid 1200; Wiesbach 1201).

Die Geschichte der einzelnen Gemeindebezirke ist vielfältig, die herrschaftlichen Zugehörigkeiten über viele Jahrhunderte hinweg sind ziemlich verzwickt. Dies vermittelt auch das Wappen der Verbandsgemeinde:
Der gestümmelte Adler in Rot steht für das Herzogtum Lothringen, wozu Bubach, Calmesweiler, Eppelborn, Habach, Humes, Macherbach und Wiesbach gehörten. Die sog. „Wolfsangel“ (silberner Doppelhaken in Blau) war das Herrschaftszeichen des Grafen- und Fürstenhauses Nassau-Saarbrücken, das Dirmingen und Hierscheid besaß. Der silberne Schrägrechtbalken war Bestandteil des Wappens der Ortsherrschaft Ippelbrunn, eines ritterlichen Adelsgeschlechts, das Eppelborn im 14. und 15. Jahrhundert zu Lehen hatte. Der herrschaftlich-politische wie auch kirchlich-kulturelle Einfluss des fürstbischöflichen Kurtrier kommt in den Farben Rot-Silber zum Ausdruck. Durch Einheirat übernahm die Adelsfamilie derer von Greiffenclau zu Vollrads die Ortsherrschaft. Die auch politisch einflussreichen Bischöfe Johann von Dalberg (1455-1503) und Richard von Greiffenclau zu Vollrads (1467-1531) waren Enkel des Eppelborner Ortsherrn Friedrich von Greiffenclau zu Vollrads (1401-1462).

Bis zur Französischen Revolution kam es zu weiteren herrschaftlichen Veränderungen. In der Folgezeit profilierten sich Eppelborn und Dirmingen quasi als Mittelpunktgemeinden, bildeten eigene Bürgermeistereien. Nach dem Wiener Kongress wurden beide Preußen zugeteilt, aus der 1822 zusammengelegten Bürgermeisterei Eppelborn-Dirmingen ging der spätere Amtsbezirk Eppelborn hervor.

Überregionale Berühmtheit erlangte zu Zeiten des Deutschen Reiches die „Kaisereiche“, mit knapp 16 m Höhe das Wahrzeichen Eppelborns (Standort direkt neben dem Rathaus), auch auf Ansichtskarten und Notgeldscheinen verewigt und beliebtes, auch gastronomisches Ausflugsziel für Wanderer. 1930 musste die morsch gewordene Kaisereiche aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Zumindest beiläufig miterlebt haben dürfte das Schicksal dieses Baumes der wohl berühmteste Sohn der Gemeinde, der Gewerkschafter und Politiker Bartholomäus Koßmann (1883-1952). Während der Saargebietszeit war er vom Völkerbund als einziger Deutscher (und Saarländer) in die fünfköpfige Regierungskommission berufen worden. Dort verstand er sich als Sachwalter und Interessenvertreter der Saarbevölkerung, hatte sich der Sozialpolitik, aber auch den Verständigungsbemühungen mit Frankreich verschrieben.

Vom Schlossensemble mit seinen Wirtschaftsgebäuden ist nur das eigentliche Schloss, ein zweigeschossiger Rechteckbau, übriggeblieben. Nach der Restaurierung des schmucken Schlösschens wurde die Mansarden-Etage in eine Art „Kulturetage“ umgewandelt. Seit 2000 befindet sich dort das Kulturamt der Gemeinde Eppelborn; diverse Räume stehen für Lesungen, Konzerte und sonstige Kulturveranstaltungen zur Verfügung.

Eppelborn verfügt mit dem 2003 eröffneten „big Eppel“ über ein modernes Kultur- und Kongresszentrum mit Räumen (u. a. dem Koßmannforum) für Veranstaltungen aller Art. In der Gemeinde findet sich auch ein außergewöhnliches Kunstmuseum: das Jean-Lurçat-Museum, das im Erdgeschoss der ehemaligen „Mädchenberufsschule“ untergebracht ist und auf ca. 250 m² dem Wirken des französischen Künstlers Jean-Lurçat (1892-1966) gewidmet ist. Es wurde 2002 eröffnet. Ausgestellt sind aus den verschiedensten Schaffensperioden neben seinen charakteristischen Wandteppichen auch Aquarelle, Ölbilder, Lithographien und Keramiken. Lurçat hat einige Jahre als Vikar in Eppelborn gewirkt.