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Dillingen-Pachten

 

Pachten, 1936 nach Dillingen eingemeindet, geht zurück auf eine gallorömische Siedlung im Flusstal an der Einmündung der Prims in die Saar. In römischer Zeit kreuzten sich hier die Fernstraßen Metz-Mainz und Trier-Saarbrücken-Straßburg. Es war der „sachkundige und rastlose“ Philipp Schmitt, von 1833 bis 1848 Pfarrer in Dillingen, der eigentlich erst „Pachten entdeckt“ hat (so Aloys Lehnert in seiner „Geschichte der Stadt Dillingen/Saar“). Er erkannte die Spuren einer größeren römischen Siedlung. Wissenschaftliche Grabungen fanden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts statt. Die Archäologen stießen auf Überreste eines Kastells und eines Gräberfeldes mit „überreicher Ernte“ von Grabbeigaben; Aloys Lehnert erinnerte sich daran, wie noch um die Wende zum 20. Jahrhundert römische Münzen von Kindern zum Spielen verwendet wurden.

Das 1955 gefundene Bruchstück eines Weihedenkmals, auf dem von der figürlichen Darstellung nur noch die Füße einer Göttin samt Hund übriggeblieben sind, verriet in seiner Sockelinschrift den Namen der Siedlung: „Contiomagus“, das ist keltisch und setzt sich zusammen aus dem Personennamen Contios und dem Wort für „Marktflecken“. Steinquader, in die Namen eingemeißelt sind, waren wohl für bestimmte Privatleute reservierte Sitzbänke in einem antiken Theater; sie wurden um 300 n. Chr. für den Bau des Kastells verwendet. Es war neben dem in Saarbrücken das einzige römische Kastell im Saarland. Das Pachtener Kastell war nicht besonders groß, es hatte eine Breite von 134 und eine Länge von 152 Metern. Es wird vermutet, dass das Kastell nicht für eine fest stationierte militärische Einheit erbaut wurde, sondern als Durchgangslager diente.

Bei den Wohnhäusern handelt es sich durchweg um Gebäude mit mehreren Räumen und einer Ausstattung, die auf einen gewissen Wohlstand schließen lässt: Heizungen, eigene Brunnen, reichlich Keramik, Glas, Metallgegenstände, Reste von farbigem Wandputz. Haupterwerbsquelle der Bewohner von Contiomagus dürften Handel und Handwerk gewesen sein, gesichert sind eine frührömische Metallgießerei und eine spätrömische Töpferei.

Contiomagus ist mit dem römischen Reich untergegangen. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden noch einmal systematisch die noch unbebauten Teile der Siedlung erforscht. Mittlerweile ist alles überbaut, es existieren keine Relikte mehr „in situ“, am ursprünglichen Ort, die Originalfundstücke sind im Museum Pachten zu besichtigen. Eine Grünanlage mit Kinderspielplatz am Ufer Saaraltarms („Ökosee“) wurde Römerpark genannt; hier steht der Nachbau  eines Wachtturms des römischen Kastells.

An Pachtens römische Vergangenheit erinnert auch der Merkurbrunnen Ecke Bahnhof-/Friedrichstraße. Die 1 m 50 hohe Merkur-Statue ist eine mehr als zehnfach vergrößerte Kopie der Statuette des römischen Gottes, die Mitte des 20. Jahrhunderts gefunden wurde; das Original steht im Museum Pachten, das in einem alten Bauernhaus auf dem Terrain des ehemaligen Kastells untergebracht ist.

Auf die Antike bezieht sich die auch von Karl Lohmeyer überlieferte Legende, nach der Pilatus – jener römische Statthalter, der Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt hat – in Pachten begraben ist, und zwar „auf Maul und Nas“ liegend. ZITAT

Wie kommt die Pilatus-Sage nach Pachten? Franz-Josef Reichert ist dieser Frage gründlich nachgegangen. Sein Resultat: Von den verschiedenen Orten, die von sich behaupten, Pilatus sei hier begraben, hat Pachten die jüngste Tradition und besitzt damit den geringsten Anspruch, dies glaubhaft für sich zu reklamieren. Reichert überliefert auch, dass die Dillinger die Pachtener ärgerten, indem sie ihnen nachsagten, sie hätten den Pilatus am Arsch geküsst.

Zu seinem heutigen Namen kam Pachten durch die Franken. Als sie im 7. Jahrhundert in dieses Gebiet vordrangen, sagte ihnen der Name Contiomagus nichts mehr, und sie gaben ihrer Siedlung einen neuen Namen, der mit dem Wort „Pacht“ zusammenhängt und bedeutet: „Ort bei dem Pachtland“ oder „Ort, der Abgaben leistet“.

In Pachten gibt es noch ein zweites Museum: das Westwallmuseum. Ab 1936 sind im Raum Dillingen 165 Anlagen des so genannten Westwalls errichtet worden (MG-Schartenstände, Bauwerke mit Schartenturm, Beobachtungsstände und Unterstände, Artilleriestellungen mit betonierten Kanonenständen). Ein Verein hat einen der Bunker saniert und als Museum eingerichtet.