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Bexbach-Frankenholz

 

Der Ortsname, der 1578 nicht für eine Ansiedlung, sondern für ein ausgedehntes Waldgebiet nachgewiesen ist, erklärt sich als „Wald eines freien Franken“. In diesem Bereich besaß das Kloster Wörschweiler das Hofgut „Winrispach“, das allerdings im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde. 1697 erhielt Nicola de Mont aus der Wallonie die Erlaubnis, den ehemaligen Klosterhof neu zu besiedeln. Der Weiler gehörte zunächst zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und wurde 1755 an Nassau-Saarbrücken abgetreten. Erst die Gründung der Grube Frankenholz 1879 durch August Ferdinand Culmann leitete die Expansion des kleinen Weilers zu einer großen Bergarbeitersiedlung ein. Das Bergwerk war bis 1959 in Betrieb und hatte zahlreiche überregional bekannte Einrichtungen. Die „Luftbahn“ genannte Seilbahn verbrachte etwa die geförderte Kohle von Frankenholz aus über sechs Kilometer zum Bahnhof Bexbach, wo Wäsche und Verladung stattfanden. Angesichts zahlreicher Unfälle – die Grube Frankenholz hatte ein hohes Schlagwetterrisiko – wurde ein eigenes Krankenhaus unterhalten; das „Lazarett“ wurde 1976 geschlossen und 1980 abgerissen.

Auf dem alten Friedhof von Frankenholz befindet sich das Grab des Grubengründers Culmann (1804-1891), nach dem auch eine Straße benannt ist. Er vereinigte in seiner Persönlichkeit zwei wesentliche Charakteristika des 19. Jahrhunderts: Zum einen ein Wegbereiter der industriellen Revolution, zum anderen eng mit der liberal-demokratischen Bewegung verflochten. So trat er als Verteidiger im Assisenprozess gegen die Akteure des Hambacher Festes 1833 auf und solidarisierte sich mit deren Zielen. 1848/49 war er Abgeordneter der äußersten Linken im ersten frei gewählten Parlament in Deutschland, der Frankfurter Paulskirche. Seine Verwicklung in die Pfälzische Revolution 1849 hatte zur Folge, dass er zum Tode verurteilt wurde. Einer Vollstreckung entzog er sich durch die Flucht nach Frankreich, wo er unter anderem von Straßburg, Forbach, Metz / Ban St. Martin und Heiligenbrunn bei Bitsch aus die Gründung des Frankenholzer Bergwerks lenkte.

In Frankenholz lebte und starb der Schriftsteller Johannes Wurtz (1908-1991), der im Zuge der Ansiedlung von Donaudeutschen in den 1960er-Jahren an den Höcherberg kam. Sein Werk ist vor allem vom donauschwäbischen Hintergrund geprägt. Von besonderem regionalen Interesse ist der letzte seiner zwölf längeren Romane mit dem Titel „Die Ludwigsbahn – Ludwigshafens Große Stunde, Bexbach Großer Tag“, der 1978 erschien. Regionalhistorische Begebenheiten wie die titelgebende Inbetriebnahme der Ludwigsbahn 1849, die Gruben am Höcherberg oder reale Persönlichkeiten wie August Culmann werden von Wurtz zu einer fiktiven Handlung versponnen, die auch in seiner Batschka-Heimat spielt. Ebenfalls örtlichen Bezug hat der im lokalen Mitteilungsblatt zwischen 1970 und 1972 erschienene Fortsetzungsroman „Die Drei von der Woogsacker Mühle“. Das Grab von Johannes Wurtz befindet sich auf dem neuen Frankenholzer Friedhof.