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Beckingen-Düppenweiler

 

Am Fuße des Litermont – Foto: Inge Plettenberg

Die in der katholischen Welt berühmtere Tochter Düppenweilers ist Schwester Blandine Merten (1883–1918), Ordensfrau der Ursulinen; Papst Johannes Paul II. hat sie zu Allerheiligen 1987 selig gesprochen. In der Welt der Kunst bekannt ist das Dorf durch zwei von fünf auf dem Litermont aufgewachsenen Schwestern: die Bildhauerin Margret Lafontaine geb. Müller und die Dramatikerin Elfriede Müller.

Der sagenumwobene Litermont eine der höheren Erhebungen des Saarlandes, von dunklen Wäldern bedeckt. Zwei Wanderwege, einer von Nalbach, einer von Beckingen aus, machen ihn für immer mehr Touristen gangbar. Eine Inspiration für Krimiautoren und -autorinnen, wie Elke Schwab mit „Tod am Litermont“ (2008) deutlich machte; allerdings wird da die erste Leiche auf der Saarlouiser Seite gefunden. Ritter Maldix, so die Sage, hat hier oben sein Unwesen getrieben, sprang mit seinem Ross dem Hirschen nach statt in die Kirche zu gehen und stürzte in einen Abgrund. Wo? Am Litermont natürlich! Genau genommen spukt aber auch Maldix auf der Seite des Berges, die im Kreis Saarlouis liegt; die Düppenweilerer haben ihren wilden Jäger Sodix. Auch ein „ewiger Jude“ soll in der Gegend herumgegeistert sein, aber nicht als Ausgeburt von Nazi-Propaganda, sondern als Erinnerung an eine alte Handelsstraße, die auch Düppenweiler berührte, und auf der viele Händler jüdischen Glaubens unterwegs waren.

Die Einheimischen nennen ihr Dorf seit einigen Jahrzehnten, liebevoll ins Hochdeutsche übersetzt, Topfstadt; „Düppen“ ist ein Mundartwort für „Topf“. Andere Spaßvögel übertrugen ihr Dorf gar ins Französische, wobei „Casserolleville“ herauskam. Ob das die Sprachgeschichte hergibt, ist ungewiss. Eine Vorform des heutigen Dorfnamens, Villari, woraus sich die Endung -weiler entwickelte, ist 1153 als kurtrierisches Eigentum erstmals in einer Urkunde erwähnt worden. Villari war möglicherweise eine frühe Residenz der Freiherren von Hagen zur Motten, bevor sich der Erzbischof und Kurfürst von Trier den Besitz unter den Nagel riss. Das Stammschloss der Hagen zur Motten in Lebach (Kreis Saarlouis), die ehemalige Mottenburg, entstand um 1300.

Spätestens 1335 soll Villari urkundlich als Duppinwillre in Erscheinung getreten sein, worin spätere Heimathistoriker das Wort Düppen zu erkennen vermochten. In Ausgrabungen zu Tage geförderte Reste einer Töpferei sollen diese Theorie gestützt haben. Als örtliches moselfränkische Dialektwort für Düppenweiler wird allerdings Depbeweller angegeben. Ob „Depbe“ und „Duppin“ tatsächlich zusammenhängen, mögen die Etymologen und die Historiker entscheiden.

Das Bauerndorf Düppenweiler hat eine industrielle Vergangenheit. Vor mehr als zweihundert Jahren wurden hier Kupfer, Blei und Eisenerz gefördert.   Vereine und kommunale Stellen haben einiges getan, um den Kupferbergbau des 18. Jahrhunderts wieder erlebbar zu machen; das Historische Kupferbergwerk Düppenweiler zieht inzwischen auch zahlreiche auswärtige Gäste an. Das Dorf selbst ist mit seinen zwölf Quadratkilometern Fläche und etwas über 3200 Menschen heute überwiegend Wohngemeinde, die bis 1974 selbständig war und dann als Ortsteil in die Großgemeinde Beckingen eingegliedert wurde.

Düppenweiler liegt zum einen Teil im Tal des Kondeler Bachs, zum anderen Teil am Hang des Litermont. Dort oben hatte der ehemalige Saar-Ministerpräsident Johannes Hoffmann seinen Ruhesitz in einem Jagdhaus, in dem er bis zu seinem Tode 1967 lebte; begraben wurde er auf dem Alten Friedhof in Saarlouis. Außerdem steht oben auf dem Litermont auch noch das Elternhaus von Margret Lafontaine und Elfriede Müller, das bis heute ein Restaurant ist.

„Himmelsleiter“ von Margret Lafontaine. Foto: Inge Plettenberg

In der Kunst beider Schwestern spielt Düppenweiler eine Rolle. Margret Lafontaine gestaltete 2010 im Ort eine Skulpturengruppe zu Ehren von Schwester Blandine Merten. Das Denkmal steht vor der Katholischen Pfarrkirche St. Leodegar: Zwei Kinder blicken staunend auf eine in den Himmel weisende Leiter, die von einer bäuerlich-derben Frau in Ordenstracht gehalten wird; beherzt stützt sie die Holzkonstruktion ab, die wie altes Gerät aus der Landwirtschaft aussieht, vielleicht die Leiter eines Heuwagens. Vom oberen Ende der Leiter fliegt ein drittes Kind in den Himmel. Die Künstlerin hat ihr Werk „Himmelsleiter“ genannt, worüber eine Metalltafel informiert .

Elfriede Müller hat ihr erstes Theaterstück „Die Bergarbeiterinnen“ am „Plateau eines Berges hinter Saarlouis“ angesiedelt; da stand der Litermont Pate. Im Stück heißt die Erhebung Steinberg. Und auf dem Steinberg steht die Kneipe „Bauernstube zum Maldix“, im richtigen Leben das Wirtshaus ihrer Eltern. Die Welt oben am Litermont war für die Theaterautorin Elfriede Müller „eine Welt, in der Idylle möglich wäre“. Wenn, ja wenn…