Beckingen

 

Beckingen ist ein kleines Gewerbe-, Industrie- und Verwaltungszentrum an der mittleren Saar mit eigener Bahnstation (heute nur noch Haltepunkt) an der Strecke Trier-Saarbrücken. Die rund 15 000 EinwohnerInnen leben in insgesamt neun Gemeindebezirken. Deren fünf reihen sich wie Perlen an einer Schnur längs der Landstraße 156 Richtung Wadern-Nunkirchen: Beckingen, Haustadt, Honzrath, Erbringen, Reimsbach und Oppen. Abseits des Tales liegen die Gemeindebezirke Saarfels, Hargarten und Düppenweiler.

Auch überregionale Bedeutung gewann Beckingen im Mittelalter als Sitz einer Komturei des in weiten Teilen Europas Fuß fassenden Deutschen Ritterordens. Dessen Niederlassung (Kommende) gründete auf einer Schenkung zweier Brüder im Jahre 1293. Die anschließende Herrschaft des Ordens über Beckingen und das Haustadter Tal währte bis zur Französischen Revolution (1793). Vom 500-jährigen Regiment der Deutschordensritter zeugt noch die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaute Marzellus-Kapelle, heute das älteste erhaltene Gebäude Beckingens.

Unter BesucherInnen am bekanntesten dürfte der Alte Bahnhof sein, dessen Empfangsgebäude, heute eines der ältesten erhaltenen im Saarland, 1858/59 fertiggestellt wurde, ein Jahr vor Eröffnung der Bahnstrecke. Wer nach Beckingen reiste, musste fast 150 Jahre lang hier hindurch. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges durch amerikanischen Artilleriebeschuss schwer beschädigt – der mittelalterlich gestaltete Wehrturm mit seinen Zinnen wurde vollständig zerstört – , verkam das Gebäude, wie die kleinen deutschen Bahnhöfe generell, zur verschmutzten Kehrseite, die die Städte und Gemeinden dem Schienenweg üblicherweise zuwandten und teils heute noch zuwenden. Nach Jahren der Verwahrlosung kaufte die Gemeinde Beckingen ihren Bahnhof für einen symbolischen Euro, ließ ihn restaurieren und rettete ihn damit vor dem Abriss. 2014 wurde die Wiederherstellung in den ursprünglichen Zustand – inklusive des Wehrturms – abgeschlossen. Heute wird das Empfangsgebäude von der Touristinformation und als Veranstaltungsraum genutzt.

Wichtigster Industriebetrieb Beckingens ist bis heute die Schraubenfabrik, 1869 auf dem Mühlengelände der Deutschordenskommende gegründet als Kleineisenzeugfabrik Hetzler & Kolb. 1885 übernahm die in der Saargegend auch durch Heirat bestens vernetzte Industriellenfamilie Karcher den Betrieb und baute ihn zu einer leistungsfähigen, besonders in zwei Weltkriegen unentbehrlichen Schraubenfabrik mit mehr als 900 Beschäftigten aus. Ab 1911 firmierte das Werk als Fa. Karcher, C. Roth & Cie. Noch mehrfach wechselte es danach den Eigentümer. Zuletzt machte es Schlagzeilen, als es nach dem Aufkauf durch die Heuschrecke Whitesell um ein Haar in die Stilllegung manövriert worden wäre.

Touristische Bedeutung gewinnen auch die Beckinger Gemeindebezirke, u.a. Düppenweiler mit seinem historischen Kupferbergwerk oder Honzrath mit seinen Pferdesportevents. Honzrath kann auch für sich in Anspruch nehmen, Geburtsort der in den 1950er bis 1970er Jahren berühmten „Seherin von Bonn“, der Wahrsagerin Buchela, verheiratete Margarethe Goussanthier, zu sein. Als Margarethe Meerstein, so heißt es, kam die Sinta hier 1899 auf einem Feld unter einer Buche zur Welt und wählte danach später ihr Berufs-Pseudonym. Honzrath widmete ihr 2002 einen Brunnen.

Unter LiteratInnen ist Beckingen durch das viele Jahre hier ansässige Schriftsteller-Ehepaar Wolfgang und Maria-Magdalena Durben ein Begriff geworden. Weniger bekannt ist Oskar Barth, langjähriger Einwohner von Beckingen-Haustadt, der nach Eintritt ins Rentenalter zahlreiche Werke aus dem Bereich der Unterhaltungsliteratur veröffentlicht hat, in der Regel ohne regionalen Bezug, einmal aber mit scharfer Kritik am grenznahen französischen Atomkraftwerk Cattenom. Der Mundartdichter Gérard Carau stammt zwar aus dem lothringischen Creutzwald, dichtet aber im Idiom seines Wohnortes Beckingen. Erinnerungen an Kinderjahre in Saarfels hat Cäcilia Seiwert in einem Büchlein verewigt.

In Düppenweiler wuchsen zwei überregional renommierte Künstlerinnen auf, zwei Schwestern, die Bildhauerin Margaret Lafontaine geb. Müller und die Dramatikerin Elfriede Müller. Ihr gemeinsames Elternhaus, eine Gaststätte am Fuße des Litermont, gibt es noch heute.